Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Forschungsverständnis am BfN

Grundlagen

Grundlage für unsere wissenschaftliche Arbeit im BfN als einer Ressortforschungseinrichtung des Bundes ist das Gesetz über die Errichtung eines Bundesamtes für Naturschutz aus dem Jahr 1993. Laut  Errichtungsgesetz unterstützt das BfN das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) fachlich und wissenschaftlich in allen Fragen des Naturschutzes und der Landschaftspflege sowie bei der internationalen Zusammenarbeit. Es betreibt zur Erfüllung seiner Aufgaben wissenschaftliche Forschung auf diesen Gebieten.

Die ressortaccessorische Forschung im BfN ist unter dem gemeinsamen Dach der  Ressortforschungseinrichtungen des Bundes angesiedelt. Sie hat gemäß ihres gesetzlichen Auftrages praxisbezogene Zweckforschung zu sein, die wissenschaftliche Erkenntnisse für die Politikberatung generiert bzw. gezielt aufbereitet und Entscheidungsgrundlagen für die Vorbereitung, Umsetzung, Überprüfung und Weiterentwicklung von Naturschutzmaßnahmen und der Naturschutzpolitik des Bundes liefert.

Zur Erfüllung dieses Auftrages vergibt das BfN Forschungsaufträge an Dritte insbes. aus dem UFOPLAN , betreibt darüber hinaus Eigenforschung und strebt die verstärkte Einwerbung von Drittmitteln an, um damit die Bearbeitung strategisch wichtiger Themenfelder gezielt zu verstärken.

Transferforschung als zentrale Aufgabe

Vor dem Hintergrund dieses Aufgabenverständnisses bilden wir für den Naturschutz eine zentrale Schnittstelle zwischen den Bereichen Administration und Politik auf der einen Seite und Wissenschaft/Forschung auf der anderen Seite. In diesem Sinne fühlen wir uns explizit dem Anspruch einer wissenschaftsbasierten Politikberatung verpflichtet. Wissenschaftliches Arbeiten ist für uns ein Prozess, der vom Forschen im engeren Sinn (d.h. von im Wesentlichen hypothesengeleiteter Erkenntnisgewinnung) über das Transferieren, d.h. die Übersetzung der dabei erzielten Ergebnisse für die praktische Anwendbarkeit, in die Aufbereitung für eine gezielte Entscheidungsunterstützung mündet. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt dabei auf dem Transferschritt, d.h. der Übersetzung von Ergebnissen aus der (Grundlagen-)Forschung in die Praxis (z.B. für die Politikberatung, Vollzugs- und Managementaufgaben). Durch die stetig steigende Anzahl originärer Forschungsarbeiten auch im Naturschutzsektor auf nationaler und internationaler Ebene und aktuelle Einflussfaktoren (z.B. Klimawandel) besteht ein erheblicher Bedarf an daran anknüpfenden Transferleistungen, die diese Erkenntnisse für die praktische Anwendung oft erst verfügbar machen. Solche Arbeiten werden in der universitären Landschaft und an sonstigen Forschungsstätten ansonsten kaum oder nur in Ausnahmefällen wahrgenommen. Wir sehen es daher als wichtige Aufgabe, mittels Aufbereitung für die praktische Anwendung die Anschlussfähigkeit an Ergebnisse, die etwa in der Grundlagenforschung erzielt wurden, für Politik und Gesellschaft herzustellen. Indem Anforderungen aus der Praxis (etwa über Fachtagungen und Praxisworkshops) recherchiert, dazu bestehende Kenntnisstände ausgewertet und daraus wissenschaftliche Erkenntnisinteressen formuliert werden, wird dieser Transferschritt von uns auch in umgekehrter Richtung vollzogen.

In transdisziplinärer Herangehensweise binden wir dabei Nutzer und Anwender des Wissens mit ein, greifen gezielt aktuelle Fragestellungen aus dem praktischen Naturschutz sowie aus dem Vollzug auf und bearbeiten sie unter Integration der erforderlichen natur-, aber auch sozial- und gesellschaftswissenschaftlichen Theorieansätze und Methoden. Deshalb und aufgrund ihrer Problemorientierung ist unsere Forschung zugleich interdisziplinär ausgerichtet.

Weitere Elemente des Forschungsverständnisses am BfN

Weitere Elemente, die unsere Herangehensweisen und unser Forschungsverständnis kennzeichnen, sind


  • die Methodenentwicklung zur gezielten Verfahrens- und Vollzugsunterstützung; dies betrifft etwa Methoden für Risiko- und Wirkungsabschätzungen sowie Bewertungsmethoden z.B. zur Bewertung von Zuständen und Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft, weiterhin die Entwicklung und Abstimmung bundesweiter Monitoringansätze;
  • die Synthese von Forschungsergebnissen und Hypothesengenerierung. Im Sinne von Vorlaufforschung gehört es dabei auch zu unseren Aufgaben, künftige Handlungsfelder für Politik und Verwaltung zu identifizieren sowie Forschungs- und Entwicklungsarbeiten anzustoßen und durchzuführen, die zur Unterstützung künftiger Ressortaufgaben erforderlich sind.
  • die wissenschaftliche Begleitung von Modellprojekten bzw. Fallstudien des Bundes sowie deren Auswertung hinsichtlich bundesweiter Übertragbarkeit, wie sie vor allem im Rahmen unserer E+E -(Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben) und künftig auch der Naturschutzgroßprojekte erfolgt.

Wir betreiben zudem aktives Wissensmanagement und bieten wissenschaftliche Serviceleistungen für unterschiedliche Anwendergruppen: Umfangreiche Datenbanken, über die unser Amt verfügt und in denen wissenschaftliche Fakten mit fachlichen Hintergrundinformationen verknüpft sowie für Anwenderinnen und Anwender aufbereitet werden, reichen von spezifischen Sachdaten (etwa zum Artenschutz) bis hin zu solchen, in denen Informationen in unterschiedlichen Raumbezügen zusammengeführt werden und bieten wichtige Grundlagen für die Forschung, die praktische Anwendung in der Planung wie auch für die wissenschaftsbasierte Politikberatung.

Vernetzung mit der Forschungslandschaft

In vielen unserer Forschungsprojekte bilden wir, ausgehend von übergeordneten Praxisthemen und Hypothesen, eine Basis für neue Allianzen, in denen Beteiligte aus unterschiedlichen Einrichtungen, etwa aus der universitären und institutsbezogenen Forschung und aus verschiedenen Praxisfeldern (etwa Behörden, freie Gutachter und Consultants, Verbände/ NGOs ) zur Bearbeitung konkreter Fragestellungen zusammengebracht werden. Regelmäßig durchgeführte Statuskonferenzen zu aktuellen Themen und Forschungsschwerpunkten sowie vielfach international ausgerichtete Veranstaltungen zum Capacity Building, v.a. durch unsere  internationale Naturschutzakademie auf der Insel Vilm, sowie z.T. internetbasierte Informationssysteme dienen dazu, den Austausch von Forschungsergebnissen zwischen verschiedenen Forschungsnehmerinnen und -nehmern sowie die Verzahnung von Wissenschaft und Praxis zu befördern.

Das BfN hat 2015 das Instrument der Zukunftsworkshops eingeführt, um in thematisch breit gefächerten Themenkomplexen den mittel- und langfristigen Forschungsbedarf zu diskutieren. Jährlich werden Themen ausgewählt, die eine besondere Bedeutung für das BMUB und das BfN haben. Neben der abteilungsübergreifenden Diskussion steht der Austausch mit weiteren Forschungseinrichtungen, Anwendern und Nutzern von Forschungsergebnissen und dem BMUB im Fokus.

Die konkreten Ziele der Workshops sind:

· den aktuellen und mittelfristigen Forschungsbedarf mit Hilfe externer Experten/-innen abzugrenzen und abzustimmen sowie Prioritäten zu setzen und eine sinnvolle zeitliche Abfolge festzulegen;

· die Praxisrelevanz der identifizierten Forschungsthemen sicher zu stellen;

· die vom BfN geplanten Forschungsvorhaben in den Kontext der Forschungsaktivitäten anderer Einrichtungen zu stellen und die Rolle des BfN in der „Forschungscommunity“ herauszustellen; und

· den  längerfristigen Bedarf an Informationen/Daten zu dem gewählten Themenkomplex zu eruieren und weitere potenzielle Vorhaben im Sinne der Vorlaufforschung zu skizzieren.

Im Frühjahr 2015 wurde der erste  Zukunftsworkshop zur Forschungslinie „Erneuerbare Energien in der Landschaft der Zukunft“ durchgeführt.

Qualitätsmanagement

Ein begleitendes Qualitätsmanagement betrachten wir in Umsetzung der Vorgaben zur Ressortforschung als integralen Bestandteil bei der Durchführung unserer Forschungsaufgaben. Dies betrifft neben einer zielgruppenspezifischen Aufbereitung und Veröffentlichung von Ergebnissen aus unseren Forschungsprojekten insbesondere die standardmäßige Begleitung von F+E’s durch forschungsbegleitende Arbeitskreise, die durch ihre breit gefächerte Zusammensetzung die Generierung von Transferleistungen absichern und unterstützen sowie (z.T. international ausgerichtete) Konferenzen und Tagungen, auf denen Forschungsergebnisse präsentiert und mit der Fachwelt diskutiert werden und die zugleich der Generierung neuer Themen dienen. Zudem fühlt sich das BfN Regeln guter wissenschaftlicher Praxis sowie der fortlaufenden weiteren Qualifizierung seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verpflichtet.