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ASCOBANS - Abkommen zur Erhaltung der Kleinwale in der Nord- und Ostsee, des Nordostatlantiks und der Irischen See


Großer Tümmler (Tursiops truncatus)
© Ute Grimm
Drei Exemplare des Großen Tümmlers (Tursiops truncatus) im Wasser, © Ute Grimm

Das Abkommen zur Erhaltung der Kleinwale in der Nord- und Ostsee (Agreement on the Conservation of Small Cetaceans of the Baltic and North Seas, ASCOBANS) trat am 29.03.1994 in Kraft. Im Februar 2008 wurde das Abkommensgebiet erweitert, was den Namen in "Abkommen zur Erhaltung der Kleinwale in der Nord- und Ostsee, des Nordostatlantiks und der Irischen See" (Agreement on the Conservation of Small Cetaceans of the Baltic, North East Atlantic, Irish and North Seas) änderte. Im Geltungsbereich des Abkommens kommen  20 Kleinwal-Arten (Delphine und Schweinswale) vor. Die zehn Vertragsstaaten (Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Litauen, Niederlande, Polen, Schweden, Vereinigtes Königreich) haben sich verpflichtet, diese Arten in einem günstigen Erhaltungszustand zu halten oder sie in einen solchen zu bringen. Konkrete Maßnahmen hierzu nennt der dem Abkommen beigefügte Managementplan.


Abkommensgebiet und Mitgliedstaaten von ASCOBANS
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 Liste der Mitgliedstaaten
Abkommensgebiet und Mitgliedstaaten von ASCOBANS auf einer Europakarte dargestellt; zu den einzelnen Mitgliedstaaten siehe "Liste der Mitgliedstaaten"

Vordringlich zu lösende Probleme des Kleinwalschutzes liegen insbesondere in den unbeabsichtigten Beifängen durch die Fischerei, in der Meeresverschmutzung, der Lebensraumeinengung infolge akustischer Störungen durch Schiffsverkehr, Bohrungen oder Sprengungen sowie in unmittelbaren Beunruhigungen (etwa durch Sportboote). Auf internationaler Ebene sollen abgestimmte Lösungen hierzu gefunden und weitere Forschungsvorhaben initiiert werden, die die Methoden zur Bestandsschätzung sowie zur Erforschung von Populationsdynamik und Wanderungen verbessern helfen. Weiterer Forschungsbedarf besteht hinsichtlich der Auswirkungen verschiedener Störungen sowie der Wechselwirkungen der Belastungsfaktoren untereinander. Die Erhebung dieser Daten ist daher ein wesentlicher Bestandteil der im Managementplan genannten Aufgaben. Aus deutscher Sicht zählen zu den prioritären Aufgaben innerhalb des Abkommens die Analyse der Wanderungsbewegungen in Nord- und Ostsee sowie die Durchführung international etablierter Maßnahmen zur Verhinderung der Beifänge von Kleinwalen in der Fischerei sowie deren Wirkungskontrolle.


Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Walschutz- und Nullnutzungsgebiet

In den deutschen Küstengewässern sind regelmäßig drei Kleinwalarten zu beobachten. Am häufigsten ist der Schweinswal (Phocoena phocoena). Der Große Tümmler (Tursiops truncatus) hat bis vor 15 Jahren noch seine Jungen in der deutschen Nordsee aufgezogen, ist jedoch heute hier nur noch zu Gast. Weißschnauzendelphine (Lagenorhynchus albirostris) wandern hin und wieder in die zentrale Nordsee ein. Insbesondere das Gebiet vor Sylt und Amrum stellt ein wichtiges Aufzuchtgebiet der Nordsee-Schweinswale dar. Deshalb wurde mit der Änderung des Schleswig-holsteinischen Nationalparkgesetzes im Jahr 1999 an dieser Stelle ein Kleinwal- Schutzgebiet eingerichtet, das bis zur 12- Seemeilen-Linie hinausreicht und die Grundlage für weiter gehende, noch zu etablierende Schutzvorkehrungen darstellt.

Die Schweinswal-Populationen in der Ostsee wurden als eigenständig und besonders bedroht erkannt. Deshalb haben die Vertragsstaaten 2002 einen speziellen Erhaltungsplan für die Ostsee-Schweinswale ( "Jastarnia Plan") verabschiedet, der 2009 überarbeitet wurde ( Jastarnia Plan - 2009 Revision). Sein Ziel ist die Wiederherstellung einer Populationsgröße, die die Biotopkapazität des Ökosystems Ostsee zu 80 % ausfüllt. Dies wird nur möglich sein, wenn die Beifänge der Ostseefischerei auf höchstens zwei Schweinswale pro Jahr gesenkt werden und weitere Schutzmaßnahmen erfolgreich sind.


Beifangproblematik bei Schweinswalen

Von dem geschätzten Bestand in Höhe von 170.000 Schweinswalen in der zentralen und südlichen Nordsee werden pro Jahr mindestens 4.500 Tiere (2,6 %) als Beifang getötet, von den etwa 36.000 Tieren der Keltischen See zwischen Irland und Südengland sind es nach vorsichtigen Schätzungen 2.200 (6,1 %). Selbst diese - methodisch bedingt als Mindestwerte anzugebenden - Schätzungen der Beifänge zeigen sofortigen Handlungsbedarf auf, denn es ist generell davon auszugehen, dass Beifangraten von über 2 % eines geschätzten Bestandes die Überlebensfähigkeit von Walpopulationen gefährden. Beim Schweinswal werden 1,7 % als Schwellenwert dann angesetzt, wenn für Bestand und Beifangzahlen genaue Werte vorliegen. Da dies nicht der Fall ist, muss aus Vorsorgegründen die Beifangrate noch unter diesen Wert reduziert werden.

Aktuelles

 Vertragstaatenkonferenz

(MoP 8) 30.08.-01.09.16 in Helsinki

Linktipps

 ASCOBANS
Offizielle Webseite von ASCOBANS in englischer Sprache

 Bonner Konvention
Offizielle Webseite der Bonner Konvention (CMS) in englischer Sprache

 Habitat Mare Natura 2000
BfN-Webangebot zur Forschung zum Schutz von Nord- und Ostsee

 GROMS
Weltregister wandernder Tierarten (Global Register of Migratory Species)

Downloads

 Jastarnia-Plan (2002)
Erhaltungsplan für die Ostsee-Schweinswale in englischer Sprache

 Jastarnia-Plan (2009 Revision)

 North Sea Plan

 Western Baltic Plan

Letzte Änderung: 01.08.2016

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