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Berner Konvention: Erhaltung wild lebender Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensräume


Logo der Berner Konvention

Das Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume (Berner Konvention) wurde 1979 durch die europäischen Umweltminister verabschiedet. 1982 nahm die Europäische Staatengemeinschaft die Konvention per Ratsbeschluss an, 1985 trat sie in der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Bisher sind dem Übereinkommen 50 Staaten beigetreten (Stand: Februar 2015), darunter auch die vier afrikanischen Staaten Burkina Faso, Marokko, Senegal und Tunesien, auf deren Staatsgebiet Überwinterungsgebiete europäischer Vogelarten liegen. Außerdem ist die EU als internationale Organisation Mitglied der Konvention. Damit sind alle Mitgliedsstaaten an das Abkommen gebunden. Die Anhänge der Berner Konvention standen Pate für jene der   FFH -Richtlinie.


Ziel

Das Übereinkommen regelt den Schutz von Arten durch Entnahme- und Nutzungsbeschränkungen einschließlich der Verpflichtung zum Schutz ihrer Lebensräume. Besondere Aufmerksamkeit gilt den gefährdeten und empfindlichen Arten.


Regelungen zum Artenschutz

Neben allgemeinen Schutzverpflichtungen der Parteien und einer Vorschrift über den Schutz von Lebensräumen enthält das Übereinkommen in seinem zentralen Kapitel konkrete Artenschutzbestimmungen. Nach diesen Vorschriften getroffene Maßnahmen sind zu koordinieren, wenn sie wandernde Tierarten betreffen. Es schließen sich ergänzende und organisatorische Vorschriften an.


Anhang I: streng geschützte Pflanzenarten

Die ca. 700 Pflanzenarten des  Anhangs I dürfen nicht beschädigt oder aus der Natur entnommen werden. Im Anhang gelistet sind z.B. die für Deutschland prioritären Anhang-II-Arten der FFH -Richtlinie Sand-Silberscharte (Jurinea cyanoides), Schierlings-Wasserfenschel (Oenanthe conioides) und Bayrisches Federgras (Stipa pulcherrima subsp. bavarica), außerdem Wassernuss (Trapa natans), Finger-Kuhschelle (Pulsatilla patens) sowie die Orchideen Sommer-Wendelähre (Spiranthes aestivalis) und Frauenschuh (Cypripedium calceolus). Ihre Lebensräume stehen unter strengem Schutz. Welcher Art die Habitatschutzmaßnahmen sind, bleibt den jeweiligen Unterzeichnerstaaten überlassen.


Anhang II: streng geschützte Tierarten

Für die etwa 710 Tierarten des  Anhangs II, zu denen neben bekannten Arten wie Fischotter (Lutra lutra), Wolf (Canis lupus) und Braunbär (Ursus arctos) auch weniger bekannte wie der Dunkle Wiesenknopfameisenbläuling (Maculinea nausithous), der Apollo-Falter (Parnassius apollo) oder der Eremit (Osmoderma eremita) zählen, gelten strenge Artenschutzvorschriften. Sie dürfen weder gestört noch gefangen, getötet oder gehandelt werden. Insofern ergänzt das Berner Übereinkommen völkerrechtlich das Washingtoner Artenschutzabkommen, welches lediglich die Regelung des grenzüberschreitenden Handels zum Gegenstand hat.


Anhang III: geschützte Tierarten

 Anhang III enthält, ähnlich der EG-Vogelschutzrichtlinie, solche Tierarten, die zwar schutzbedürftig sind, aber im Ausnahmefall bejagt oder in anderer Weise genutzt werden dürfen. Auch die Verbote bestimmter Jagdmethoden und -einrichtungen ( Anhang IV) sind weitgehend mit den Vorschriften der Vogelschutzrichtlinie sowie der FFH -Richtlinie identisch.

Übersicht über die Anzahl der Arten in den Anhängen II und III der Berner Konevention
Anhang II Anhang III
Tiere gesamt ca. 711 ca. 567
Säugetiere 110 67
Vögel ca. 350 ca. 300
Reptilien 84 39
Amphibien 46 16
Fische 17 ca.120
Wirbellose 104 25

Weitere Informationen

 Steckbrief zur Berner Konvention

 Anhang I
Liste der Pflanzenarten des Anhang I der Berner Konvention

 Anhang II
Liste der Tierarten des Anhang II der Berner Konvention

 Anhang III
Liste der Arten des Anhang III der Berner Konvention

 Anhang IV
Liste der verbotenen Mittel bzw. Methoden, zum Fangen, Töten oder zur anderweitigen Nutzung

Linktipps

 Europarat
Offizielle Webseite des Europarates

Downloads

 Übereinkommenstext
Vollständiger Text des Übereinkommens über die Erhaltung der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume

Letzte Änderung: 01.10.2013

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