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Nachhaltige Nutzung von Wildpflanzen

Weltweit werden ca. 50.000 - 70.000 Pflanzenarten in der traditionellen und modernen Medizin genutzt. Der größte Teil dieser Pflanzen wird aus Wildsammlung gewonnen, so dass schätzungsweise bis zu 15.000 Heil- und Aromapflanzen bedroht sind, dies vielfach als Ergebnis von nicht nachhaltigen Sammelpraktiken. Nur relativ wenige MAP-Arten (Medicinal and Aromatic Plants) werden kultiviert, denn der Anbau von MAP kann von geringerem ökologischem, sozialem und wirtschaftlichem Vorteil sein als die Wildsammlung, so dass diese auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. Ca. 80% der Bevölkerung in Entwicklungsländern ist für ihre Gesundheitsvorsorge auf MAP angewiesen.

Der internationale Standard zur nachhaltigen Wildsammlung von Heil- und Aromapflanzen (ISSC - MAP)

Industrie, Regierungen, lokale Gemeinschaften und indigene Völker, Zertifizierer, Resourcenmanager und Sammler fordern Hilfe bei der Einschätzung der Nachhaltigkeit von Wildsammlung. Außerdem verlangen die Konsumenten nach nachhaltig und ethisch korrekt produzierten Produkten. Um dieser Nachfrage zu begegnen wurde der Internationale Standard für die nachhaltige Wildsammlung von Heil- und Aromapflanzen (International Standard for Sustainable Wild Collection of Medicinal and Aromatic Plants, ISSC-MAP) von der Heilpflanzen-Spezialistengruppe (Medicinal Plant Specialist Group, MPSG) der Weltnaturschutzunion IUCN, dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), WWF Deutschland und TRAFFIC entwickelt. Eine internationale Beratergruppe aus mehr als 150 Experten mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund half bei der Entwicklung des ISSC-MAP.

Der ISSC-MAP bietet erstmalig Kriterien und Indikatoren für eine nachhaltige Wildsammlung von Heil- und Aromapflanzen an und soll all denen, die mit deren Sammlung, Management, Handel, Verarbeitung und Ver­kauf zu tun haben, helfen, die Bedingungen, unter denen eine nachhaltige Sammlung dieser Ressourcen stattfinden kann, zu verstehen und sie zu erfüllen.

In diesen Standard sind Prinzipien und Richtlinien für nachhaltige Waldnutzung, biologischen Landbau und gute landwirtschaftliche Praxis, fairen Handel und Produktqualität eingeflossen. Der Schwerpunkt liegt auf den bisher meist vernachlässigten ökologischen Aspekten wie der Notwendigkeit, Ressourcen zu inventarisieren, und der Bestimmung nachhaltiger Sammelmengen. Der Standard besteht aus sechs Prinzipien, 18 untergeordneten Kriterien und zahlreichen Indikatoren zur Verifizierung.

Seit Oktober 2008 ist der ISSC-MAP Bestandteil des von der FairWild Foundation (www.fairwild.org) geführten FairWild Standards. Neben den ökologischen Anforderungen beinhaltet der FairWild Standard umfassende FairTrade und soziale Kriterien und liefert somit eine ausführliche Anleitung für Gute Praxis im Bereich Wildsammlung - ganz im Sinne der CBD .

Der FairWild-Standard ist anwendbar auf wild gesammelte Pflanzen, Pilze, Flechten und deren Teile; vom Rohmaterial bis zum Endprodukt. Der Standard ist in unterschiedlichen Szenarien im Bereich nachhaltiges Management und nachhaltige Sammlung von Wildpflanzen einsetzbar. Über das von der FairWild-Stiftung angebotene FairWild Label ist auch eine Zertifizierung möglich.

Die Veröffentlichung zum ISSC-MAP (BfN-Skripten 195) und weitere für das Projekt relevante Dokumente stehen zum  Download zur Verfügung. Desweiteren finden Sie über folgenden Link den englischsprachigen Film „ Healing Power from Nature“, der von WWF und TRAFFIC produziert und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert wurde.

Mit dem Projekt „  CBD in der Anwendung: Umsetzung des Internationalen Standards für die nachhaltige Wildsammlung von Heil- und Aromapflanzen – Pilotphase A“ des WWF Deutschland und der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (April 2007 – Juni 2009) wurde die Umsetzung des ISSC-MAP anhand von sechs Modell-Projekten weltweit begleitet.

Literatur:

Hier finden Sie eine Auswahl heilpflanzenrelevanter Literatur der letzten Jahre. Die Liste wird regelmäßig aktualisiert.

Cunningham, M., Cunningham, A.B. & Schippmann, U. (1997): Trade in Prunus africana and the implementation of CITES. – 52 pp., Bundesamt für Naturschutz, Bonn.

Hachfeld, B. (2003): Ecology and utilisation of Harpagophytum procumbens (Devil's Claw) in southern Africa. – 272 pp., Federal Agency for Nature Conservation, Bonn (Plant Species Conservation Monographs 2).

Kathe, W., Honnef, S. & Heym, A. (2003): Medicinal and aromatic plants in Albania, Bosnia-Herzegovina, Bulgaria, Croatia and Romania. – 200 pp., Bundesamt für Naturschutz, Bonn (BfN-Skripten 91).

Lange, D. (2000): Conservation and sustainable use of Adonis vernalis, a medicinal plant in international trade. Plant species conservation monographs 1. – 88 pp., Landwirtschaftsverlag, Münster-Hiltrup.

 Medicinal Plant Specialist Group (ed.) (2007): International Standard for Sustainable Wild Collection of Medicinal and Aromatic Plants (ISSC-MAP). – 36 pp., Bundesamt für Naturschutz, Bonn (BfN-Skripten 195).

 Mulliken, T. & Crofton, P. (2008): Review of the status, harvest, trade and management of seven Asian CITES-listed medicinal and aromatic plant species. – 142 pp., Bundesamt für Naturschutz, Bonn (BfN-Skripten 227) .

Schippmann, U. (2001): Medicinal plants significant trade study. CITES project S-109. Plants Committee Document PC9 9.1.3 (rev.). – 97 pp., Bundesamt für Naturschutz, Bonn (BfN-Skripten 39).

 Schippmann, U., Leaman, D.J. & Cunningham, A.B. (2003): Impact of cultivation and gathering of medicinal plants on biodiversity. Global trends and issues. – In: FAO (ed.): Biodiversity and the ecosystem approach in agriculture, forestry and fisheries. pp. 142-167, FAO, Rome.

Schippmann, U.,  Leaman, D. & Cunningham, A.B. (2006): A comparison of cultivation and wild collection of medicinal and aromatic plants under sustainability aspects. – In: Bogers, R.J., Craker, L.E. & Lange, D. (ed.): Medicinal and aromatic plants. Agricultural, commercial, ecological, legal, pharmacological and social aspects. pp. 75-95, Springer, Dordrecht (Wageningen UR Frontis Series 17). Retrieved from library.wur.nl/frontis/medicinal_aromatic_plants/06_schippmann.pdf, viewed: 06.12.2006.

 Strohbach, M. & Cole, D. (2007): Population dynamics and sustainable harvesting of the medicinal plant Harpagophytum procumbens in Namibia. – 59 pp., Bundesamt für Naturschutz, Bonn (BfN-Skripten 203).

Letzte Änderung: 27.10.2009

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