Lenzener Elbtalaue
Hintergrund
Der im letzten Jahr vom Bundesamt für Naturschutz vorgelegte Auenzustandsbericht belegt, dass zwei Drittel der ehemaligen Überschwemmungsflächen an den Flüssen in Deutschland vernichtet wurden. An Elbe, Rhein, Donau und Oder sind durch den Bau von Hochwasserschutzdeichen an vielen Abschnitten sogar nur noch 10 bis 20 Prozent der ehemaligen Auen vorhanden. Zudem befinden sich nur noch 10 Prozent der vorhandenen Auen in einem naturnahen Zustand. Die negativen Auswirkungen, die durch die Einengung der Auen entstehen, wurden beim Elbhochwasser 2002 besonders deutlich. Die Nationale Biodiversitätsstrategie sieht in einer naturnahen Gewässerstruktur, der Wiederanbindung der Auen an die Gewässer und einem auentypischen Gewässerhaushalt wesentliche Voraussetzungen für eine naturraumtypische biologische Vielfalt und den vorbeugenden Hochwasserschutz. Daher wird angestrebt, den Flüssen wieder mehr Raum zu geben durch eine Vergrößerung der Rückhalteflächen um mindestens 10 % bis zum Jahre 2020. Auch sollen Auwälder als typische Lebensräume redynamisiert bzw. wiederhergestellt werden.
Das Projekt
Die Lenzener Elbtalaue zeichnet sich durch eine Vielzahl von Biotoptypen aus, die für die Auen der Mittelelbe charakteristisch sind, wie z. B. Spülsäume, Altarme, feuchtes Stromtalgrünland und Sandmagerrasen. Sie stellt ein international bedeutsames Rast- und Durchzugsgebiet für zahlreiche Vogelarten (u.a. Kraniche, Saat- und Blessgänse) dar und bietet vielen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten wie Moorfrosch, Fischotter, Elbebiber, Brenndolde und Sumpf-Wolfsmilch Lebensraum. Darüber hinaus besitzt das Gebiet, dem eine herausragende Bedeutung für den Naturschutz zukommt, ein hohes Potential für die Entwicklung großflächiger naturnaher Auwälder in zusätzlichen Retentionsräumen.
Wichtigstes Projektziel ist die Wiederherstellung einer Auenlandschaft mit Überflutungsdynamik auf einer Fläche von ca. 420 ha. Dazu wurde vom Land Brandenburg landeinwärts ein neuer Deich errichtet und der alte, elbnahe Deich mit Projektmitteln an sechs Stellen geschlitzt. Aus einer ehemals strukturarmen Grünlandfläche ist nun in dem neuen Deichvorland ein Mosaik aus neugeschaffenen Flutmulden, halboffener Weidelandschaft und Auwald entstanden, der einerseits durch Anpflanzung, aber auch durch natürliche Entwicklung auf mehr als 300 ha anwachsen wird. Für die Umsetzung aller Naturschutzmaßnahmen in der Lenzener Elbtalaue hat der Bund 3 Mio. € bereitgestellt.
Ausblick
Mit der Förderung von Projekten, bei denen großräumige Rückdeichungen im Vordergrund stehen, leistet der Bund einen wichtigen Beitrag zur Revitalisierung von Flussauen. Durch großräumige Rückdeichung werden die Hochwasserscheitel von Haupt- und Nebenflüssen zeitlich so weit auseinandergezogen, dass ihre Überlagerung weitgehend vermieden wird. Infolge der Anbindung an die natürliche Hochwasserstands- und Fließdynamik entwickeln sich im Rückdeichungsgebiet wieder vielfältige, an die auentypischen Wasserstandsschwankungen angepasste Biozönosen. Dadurch wird die Funktion der Auen als Zentren der Biodiversität wiederhergestellt. Schon nach kurzer Zeit wurden die im Zuge des Deichbaus angelegten, ca. 45 ha großen Auengewässer der Lenzener Elbtalaue von zahlreichen Vogelarten, die im Gebiet rasten und vielfach auch brüten, als Lebensraum angenommen. In dem neu geschaffenen Vogelparadies können neben vielen Enten auch Arten wie Bekassine, Kiebitz, Rotschenkel, Säbelschnäbler, Fluss- und Sandregenpfeifer, Austernfischer, Uferschnepfe und Stelzenläufer – ein im Binnenland extrem seltener Watvogel - beobachtet werden. Die weitere Entwicklung des Gebietes wird durch Evaluationsuntersuchungen in den Jahren 2015 und 2020 dokumentiert.
Publikationen
- Damm, C. (2009): Flussdynamik und natürliche Beweidung in der Lenzener Elbtalaue. In: Offenlandmanagement außerhalb landwirtschaftlicher Nutzflächen: Referate und Ergebnisse der gleichnamigen Fachtagung an der Internationalen Naturschutzakademie Insel Vilm vom 23. bis 26. Juni 2008 / Peter Finck [Bearb.]; Uwe Riecken [Bearb.]; Eckhard Schröder [Bearb.]. – Münster. S. 67-74
- Klär, C.; Henrichfreise, A. & Krug A. (2005): Naturschutzgroßprojekte des BfN: Fördermaßnahmen zugunsten eines naturverträglichen Hochwasserschutzes. In: Neue Horizonte – Zukunftsaufgabe Naturschutz: 27. Deutscher Naturschutztag 2004, S. 125 – 132.
- Purps, J.; Damm, Ch., Neuschulz, F. (2004): Naturschutzgroßprojekt Lenzener Elbtalaue, Brandenburg. Natur u. Landschaft 79 (9/10): 408-415.
Förderprogramm
Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung -
Naturschutzgroßprojekte
Laufzeit 2002 - 2011
Projektträger
- Trägerverbund Burg Lenzen e.V.
Beteiligte Partner
BMU/BfN, Land Brandenburg
Fachbetreuung
FG II 3.2, Claudia Klär








