Rote Listen gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands
Hintergrund
Die Roten Listen sind wissenschaftliche Fachgutachten, die das aktuelle Ausmaß der Gefährdung der biologischen Vielfalt in Deutschland dokumentieren und bewerten.
Sie sind als verlässliche Anzeiger des menschlichen Umgangs mit der Natur aus der öffentlichen Diskussion über Naturschutzbelange nicht mehr wegzudenken und haben ihren festen Platz als Argumentationshilfe und Entscheidungsinstrument bei Planungen und Maßnahmen der Naturschutzpraxis.
Daher sind die Roten Listen ein wichtiges Mittel und Indikator, um die Erreichung der in der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt festgelegten Ziele zu begleiten.
Das Projekt
In Deutschland kommen mindestens 48.000 Tierarten und mehr als 24.000 Pflanzen und Pilze vor.
Seit mehreren Jahrzehnten wird die Gefährdung dieser Arten anhand der Bestandsgröße und der Bestandsentwicklung bewertet und als Rote Listen veröffentlicht, die als wissenschaftliche Fachgutachten aus dem Naturschutz nicht mehr wegzudenken sind.
Seit der Herausgabe der letzten Roten Listen 1996 und 1998 sind mehr als zehn Jahre vergangen. In den letzten Jahren wurden vor allem die methodischen Grundlagen gemeinsam mit den Artenexperten weiterentwickelt. Die Einstufung erfolgt jetzt für alle erfassten Artengruppen nachvollziehbar anhand von vereinbarten einheitlichen Kriterien mit dahinter liegenden Kriterienklassen.
Die Roten Listen Deutschlands bieten über die Dokumentation der aktuellen Gefährdungssituation hinaus eine Fülle von Zusatzinformationen für die Naturschutzpraxis wie die Verantwortlichkeit Deutschlands für die weltweite Erhaltung der Arten. Zudem enthalten alle Roten Listen jetzt Checklisten, die alle in Deutschland etablierten Arten aufführen.
Die Bilanz in Band 1 der aktuellen Roten Liste zu den Wirbeltieren umfasst die Arten der Säugetiere, Brutvögel, Kriechtiere, Lurche, Süßwasserfische und Neunaugen. Von ihnen werden aktuell 43 Prozent in die Gefährdungskategorien der Roten Liste eingestuft. Fast 28 Prozent sind aktuell bestandsgefährdet. Zusammen mit den bereits verschwundenen 32 Arten droht Deutschland damit der Verlust von einem Drittel seiner terrestrischen Wirbeltierfauna. Ein Erfolg u.a. der Naturschutzmaßnahmen sind die deutlichen Bestandserholungen bei 44 Arten und damit mehr als 9 % der betrachteten Gesamtmenge.
Ausblick
Mit den Wirbeltieren und den Flechten / Myxomyzeten liegen die ersten beiden Bände der aktuellen Roten Listen vor. Weitere Bände sind in Vorbereitung. Der letzte Band wird eine Gesamtauswertung enthalten sowie eine CD mit allen Daten.
Alle Rote-Listen-Daten werden in Zukunft den Nutzern auch online unter www.bfn.de zur Verfügung gestellt.
Ebenfalls in Vorbereitung ist ein Atlas der Gefäßpflanzen Deutschlands, dessen Daten Grundlage für die Rote Liste der Gefäßpflanzen sein werden.
Bereits jetzt beginnen die ersten Vorarbeiten und Konzeptentwicklungen für die Roten Listen des Jahres 2020.
Publikationen / weiterführende Links
Haupt, H. & al. (Red.) (2009): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 1: Wirbeltiere. Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (1): 386 S., ISBN 978-3-7843-5033-2
Ludwig, G. & G. Matzke-Hajek (Red.) (2011): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 6: Pilze. Teil 2: Flechten und Myxomyzeten. - Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (1): 240 S., ISBN 978-3-7843-5188-9
- Weitere Informationen unter
http://www.bfn.de/0302_rote-listen.html
Laufzeit
Die Roten Listen gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands werden regelmäßig im Abstand von ca. zehn Jahren aktualisiert. Die bisher gültigen Roten Listen stammen – mit Ausnahme der Wirbeltiere sowie Flechten und Myxomyceten – noch aus den Jahren 1996 (Pflanzen, Pilze) bzw. 1998 (Tiere).
Förderprogramm
Die Erstellung der Roten Listen wurde in den letzten Jahren im Wesentlichen aus F+E-Mitteln des Bundes gefördert. Hierbei kann man allerdings nicht von einer Finanzierung der Roten Listen sprechen, der wesentliche Beitrag besteht in den ehrenamtlichen Beiträgen von vielen Hundert Fachleuten, die Zeit, Arbeit und Daten zur Verfügung gestellt haben.
Projektträger
Die nationalen Roten Listen werden alle zehn Jahre unter Federführung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) durch zentrale Koordinatoren zusammen mit zahlreichen ehrenamtlichen Expertinnen und Experten erarbeitet.
Beteiligte Partner
Die Roten Listen sind das Ergebnis eines langjährigen Prozesses, der sehr wesentlich auf der engagierten, ausdauernden und überwiegend ehrenamtlichen Arbeit von Experten fußt und ohne diese nicht zu realisieren gewesen wäre.






