Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü


Suche in www.bfn.de

Saar-Blies-Gau / Auf der Lohe

Hintergrund

Landschaft im Bliesgau

Landschaft im Bliesgau

Das Gebiet des Naturschutzgroßprojektes „Saar-Blies-Gau/Auf der Lohe“ befindet sich im Südosten des Saarlandes im Naturraum Saar-Blies-Gau nahe der deutsch-französischen Grenze.

Das im Juni 2011 erfolgreich abgeschlossene Projekt ist eines von inzwischen vier Naturschutzgroßprojekten, die bisher im Saarland gefördert wurden bzw. noch werden (Projekte „Wolferskopf“, „Ill“ und „Landschaft der Industriekultur Nord“). Darüber hinaus liegt das 2.117 ha große Gebiet „Saar-Blies-Gau/Auf der Lohe“ vollständig im UNESCO-Biosphärenreservat „Bliesgau“ und ist größtenteils Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. 

Der Saar-Blies-Gau gehört zu den klimatisch begünstigten Muschelkalk-Keuper-Gau-Landschaften Südwestdeutschlands. Es handelt sich um eine alte, reich gegliederte Kulturlandschaft mit extensiver landwirtschaftlicher Nutzung. Sie weist die höchste Dichte besonders schutzwürdiger Biotope im Saarland auf mit zahlreichen, auch bundesweit gefährdeten Arten.


Prägende Elemente sind u.a. Kalk-Halbtrockenrasen, Salbei-Glatthaferwiesen, Streuobstwiesen und naturnahe Wälder. Eine Besonderheit des Bliesgaus sind die Orchideen-Buchenwälder – wie überhaupt die Vorkommen zahlreicher Orchideenarten charakteristisch für das Gebiet sind, z. B. Ragwurz- und Knabenkrautarten  (Affen-Knabenkraut, Hängender Mensch). Aus faunistischer Sicht sind u.a. die Vorkommen verschiedener gefährdeter Fledermausarten (Bechsteinfledermaus, Wimpernfledermaus, beides Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie), von Raubwürger und Orpheusspötter sowie von Weinhähnchen, Bergzikade und Goldenem Scheckenfalter (ebenfalls Art des Anhangs II der FFH-Richtlinie) von Bedeutung.

Salbeiglatthaferwiese

Salbeiglatthaferwiese

Hummel-Ragwurz

Hummel-Ragwurz

Hängender Mensch

Hängender Mensch


Mit den im Rahmen des Projektes durchgeführten und nun nach Beendigung der Bundesförderung fortzusetzenden Maßnahmen zur Erhaltung und Entwicklung des artenreichen Gebietes wird ein herausragender Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland geleistet.

Das Projekt

Traktor beim Hächseln

Erstpflegemaßnahmen

Das Projekt begann 1995 mit einer Gebietsgröße von „nur“ 840 ha. Die erfolgreiche Arbeit aller am Projekt Beteiligten ermöglichte eine zweimalige Erweiterung auf die heutige Größe von 2.117 ha

Hauptziele der Naturschutzarbeit im Gebiet waren und sind der Schutz, die Entwicklung und die Pflege einer alten, vielfältig strukturierten und traditionell extensiv genutzten Kulturlandschaft mit dem Vorkommen zahlreicher seltener, gefährdeter und charakteristischer Arten.

Um diese Ziele zu erreichen, wurden im Rahmen des Projektes die Planung, das Personal, der Flächenerwerb sowie Maßnahmen der Biotopersteinrichtung und der Besucherlenkung gefördert.

Während der 15,5 Jahre dauernden Projektlaufzeit gelang es, ca. 663  ha Flächen zu erwerben. Es wurden insbesondere folgende biotoplenkende Maßnahmen durchgeführt:

  • flächige Entbuschungen (z.B. auf Kalk-Halbtrockenrasen),
  • Erstpflege von Heckenstrukturen,
  • Freistellen von Streuobstbeständen und Steinbrüchen,
  • Rekonstruktion von Trockenmauern,
  • Umwandlung naturferner Waldbestände (z.B. Fichte) in naturnahe Laubwaldbereiche
  • Entwicklung großflächiger naturnaher Wälder (Prozessschutz)
  • Entwicklung von Waldsäumen.

Für das Projekt wurden insgesamt 8,68  Mio. € zur Verfügung gestellt, wobei der Bund 75 %, d. h. 6,44 Mio. € und das Saarland 1,29 Mio. € übernahmen. Der Zweckverband Naturschutzgroßvorhaben "Saar-Blies-Gau / Auf der Lohe" beteiligte sich mit 858.509 €.


Ausblick

Wichtigstes Ziel ist die Sicherung der während der Projektlaufzeit erreichten Entwicklungen. Dies kann nur durch die Fortsetzung des hohen Engagements und der guten Zusammenarbeit aller Akteure in der Region und darüber hinaus ermöglicht werden.

Ein Beispiel dafür ist der Einsatz des Zweckverbandes für den Erhalt eines der bundesweit bedeutendsten Winterquartiere der Bechsteinfledermaus, die am Eingangsstollen des im Kerngebiet gelegenen ehemaligen Kalkbergwerks in großer Zahl nachgewiesen wurden. Der Zweckverband hat vor dem Stollen ein spezielles Fledermausgitter angebracht und damit ihr über 100 ha großes unterirdisches „Reich“ gesichert. Der Zweckverband wurde dafür am 27.08.2011 als erster Quartierbesitzer mit der Plakette „Fledermaus freundliches Saarland“ ausgezeichnet (Träger der Aktion sind der NABU-Saar und das Umweltministerium des Saarlandes).

Erheblicher Aufwand ist künftig für die Gewährleistung der umfangreichen Folgepflege auf den wertvollen Offenlandflächen erforderlich.

Im Kerngebiet wurde während der Projektlaufzeit im Jahre 2004 die Verordnung über das mit 1.575 ha bisher größte NSG des Saarlandes erlassen. Eine Aufgabe für die Zukunft ist die Unterschutzstellung des gesamten Kerngebietes.

Publikationen / weiterführende Links

  • Natur und Landschaft, Jahrgang 71 (1996), H. 7/8: 330 - 336
  • Internetseite des  BfN
  • Internetseite der  Naturlandstiftung Saar

Laufzeit

Oktober 1995 bis Dezember 2011

Projektträger

Zweckverband Naturschutzgroßvorhaben „Saar-Blies-Gau/ Auf der Lohe“

Feldmannstr. 85

66119 Saarbrücken

Tel.: 0681 / 954- 150

Fax: 0681 / 954- 2525        

E-Mail:  info@nls-saar.de

Beteiligte Partner

  • BMU/BfN
  • Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr des Saarlandes
  • Zweckverband Naturschutzgroßvorhaben „Saar-Blies-Gau/ Auf der Lohe“

Fachbetreuung

Dr. Ulla Steer, FG II 2.3

 Ulla.Steer@bfn.de

Menschengruppe auf einer Führung auf einer Streuobstwiese

Führung durch eine Streuobstwiese

Goldener Scheckenfalter

Goldener Scheckenfalter (Art des Anhangs II der FFH-Richtlinie)

alle Fotos: Dr. Axel Didion

Letzte Änderung: 21.09.2011

 Artikel drucken