Bundesamt für Naturschutz

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Wisente im Rothaargebirge

Hintergrund

Die Herde der freigelassenen Wisente
Wisentherde im Wald

Die Verbreitung des Wisents (Bison bonasus) erstreckte sich ehemals über die westlichen, zentralen und süd-östlichen Teile von Europa. Durch direkte Verfolgung und großräumigen Verlust seines Lebensraums war der Wisent am Beginn des 20. Jahrhunderts nahezu ausgerottet und vollständig aus der freien Natur verschwunden. Zur Erhaltung dieses Wildrinds wurde bereits in den 1920er Jahren ein Zuchtprogramm begonnen, das zu einer Erholung des Bestandes führte. Trotzdem ist die Art weiterhin stark gefährdet. Heute (nach Wiedereinbürgerung) existieren Vorkommen frei lebender Wisent-Herden in Polen, Weißrussland, der Slowakei, Litauen, Russland und der Ukraine. Allerdings gibt es derzeit keine frei lebenden Wisente westlich der Oder. Für den Erhalt des Wisents hat die EU eine besondere Verantwortung. Entsprechend wird der Wisent auch im Anhang II der FFH -Richtlinie als prioritäre Art geführt.

In den letzten Jahren wird intensiv diskutiert, welche Rolle großen Pflanzenfresser in natürlichen und halbnatürlichen Ökosystemen Mitteleuropas zukommt bzw. in der Vergangenheit zukam. Beim Wisent handelt es sich um die einzige in Europa noch vorkommende Wildrindart und gleichzeitig den letzten frei lebenden Vertreter des Ernährungstyps der „Grazer“. Entsprechend hoch ist das Interesse an der Klärung der Frage, welche Bedeutung der Wisent in der Landschaftspflege und für die Entwicklung künftiger Wildnisgebiete haben kann.

Das langfristige Ziel aller Schutzmaßnahmen ist die Erhaltung überlebensfähiger Wisentpopulationen. In Regionen, in denen die Voraussetzungen dafür erfüllt sind, sollte versucht werden, die Bedingungen für frei lebende Wisentpopulationen als Bestandteil natürlicher Wald- und Wald-Offenland Ökosysteme zu schaffen. Das BfN unterstützt  (Positionspapier) die Einrichtung räumlich begrenzter, halbwilder Wisenthaltungen in Deutschland, sofern diese ex-situ-Projekte adäquat wissenschaftlich begleitet werden. 

Das Projekt

Ziel des Projektes ist es, auf einer ca. 4.300 ha großen Fläche im Rothaargebirge (Landkreis Siegen-Wittgenstein, NRW) eine halbwild lebende Wisentgruppe zu etablieren. Das Projektgebiet umfasst einen rd. 5.000 ha großen Teilbereich eines großen Privatwaldes. Insgesamt sollen dort zunächst einmal 20 – 25 Wisente leben. Mit dem Vorhaben soll ein aktiver Beitrag zur Erhaltung des europäischen Wisents geleistet werden, der deutlich weiter geht als die Bemühungen zur Erhaltungszucht in zoologischen Gärten und Wildgehegen. Auch soll durch diese Huftierart das Artenspektrum an einheimischen Großherbivoren weiter vervollständigt werden und die derzeit unbesetzte ökologische Nische des Gras- und Raufutterfressers wieder besetzt werden. Weiterhin soll eine Managementstrategie für die Co-Existenz des Wisents in Kulturlandschaften entwickelt und ein positiver Effekt für die Regionalökonomie durch Anregung des Ökotourismus erreicht werden.


Wisentkuh (Foto U. Riecken)
Wisentkuh

Das Projekt begann mit einer umfassenden Machbarkeitsstudie (September 2005 - November 2006). Nach intensiver Vorbereitung konnte dann im September 2009 mit der Umsetzungsphase des E+E -Vorhabens (Förderer: BfN und Umweltministerium NRW) und der wissenschaftlichen Begleitung begonnen werden. Als erste Maßnahme wurde eine ca. 80 ha großes Eingewöhnungsgeheges im Winter 2009 errichtet. Am 24. März 2010 trafen die ersten Wisente im Projektgebiet ein. Besonders erfreulich war die Geburt des ersten Kalbes am 16. August 2011. 

Erfolge

Nach Abschluss umfangreicher Untersuchungen im Eingewöhnungsgehege erfolgte im Dezember 2012 die grundsätzliche Zustimmung zur Freisetzung durch das Umweltministerium des Landes Nordrhein Westfalen. Am 11. April 2013 wurden die Wisente dann in die Freiheit entlassen. Dieses Ereignis fand ein beachtliches Presseecho.


Ausblick

Pressekonferenz anlässlich der Freisetzung
Blick ins Publikum bei der Pressekonferenz

Das Vorhaben wird auch weiterhin durch umfassende wissenschaftliche Untersuchungen u. a. zum Verhalten, zur Habitatnutzung und zur Ökologie des Wisents sowie zu den Auswirkungen des Wisents auf die Wald- und Vegetationsentwicklung begleitet. Da ein Teil des Projektes im Natura 2000-Gebiet "Schanze" liegt, gilt es auch den Einfluss des Wisents auf die Erhalt- und Entwicklungsziele dieses Gebietes zu untersuchen.

Im Hinblick auf die Öffentlichkeit soll zudem demonstriert werden, dass es auch im relativ dicht besiedelten Mitteleuropa möglich sein kann, für diese ehemals heimische Großtierart wieder Lebensmöglichkeiten bereit zu stellen. Im Zuge der wissenschaftlichen Begleitung werden schließlich auch ökonomische Aspekte und hier besonders die Frage einer möglichen touristischen Vermarktung bearbeitet (TILLMAN et al. 2012).

Ein wichtiger Bestandteil der umfangreichen Öffentlichkeitsarbeit bildet das am 20. September 2012 eröffnete Schaugehege im Bad Berleburger Ortsteil Wingeshausen, das seit der Eröffnung bereits mehr als zahlreiche zahlende Besucher verzeichnen konnte (WISENT WELT WITTGENSTEIN 2013).  

Publikationen

  • Lindner, U., Bunzel-Drücke, M., Reisinger, E. & Tillmann, J. (2010): "Die Rückkehr des Königs :  die Freisetzung von Europäischen Wisenten (Bison bonasus LINNAEUS, 1758) im Rothaargebirge. - Natur und Landschaft 85 (12) : 532-537.
  • Tillmann, J., Bunzel-Drüke, M., Finck, P., Reisinger, E. & Riecken, U. (2012): Etablierung einer freilebenden Wisentherde im Rothaargebirge. Ein Entwicklungs- und Erprobungsvorhaben des Bundes. - Naturschutz und Landschaftsplanung, Zeitschrift für angewandte Ökologie, Stuttgart 44 (9): 267-272.
  • Wisent Welt Wittgenstein (2013):  http://www.wisent-welt.de/tourismusmagnet-wisent-wildnis-am-rothaarsteig/

Laufzeit

09/2005 – 07/2006 (Voruntersuchung)

10/2009 – 09/2013 (Hauptvorhaben)

11/2009 – 09/2013 (Wissenschaftliche Begleitung)

Projektträger

Wisent–Wildnis–Wittgenstein e.V. (Hauptvorhaben und wiss. Begleitung)

Fachbetreuung

Dr. Peter Finck, Fachgebiet II 2.1, Biotopschutz und Biotopmanagement

weitere Informationen

 www.wisent-welt.de

Weitere Informationen

Zaunöffnung
Zerschneiden des Zaunes
großes Presseinteresse bei der Zaunöffnung
zahlreiche Zuschauer verfolgen die Zaunöffnung
Wisentbulle (Foto U. Riecken)
Wisentbulle
Podium bei der Pressekonferenz
Beteiligte bei der Podiumsdiskussion

alle nicht namentlich gekennzeichneten Fotos © Wisent-Welt-Wittgenstein

Letzte Änderung: 29.04.2013

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