Bundesamt für Naturschutz

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Pilotstudie zur Abwanderung und zur Ausbreitung von Wölfen in Deutschland

Hintergrund

Die Erhaltung der heimischen Artenvielfalt ist eine der zentralen Visionen der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt. Auch wenn das 2010-Ziel, den Rückgang der heute vorhandenen Diversität wildlebender Arten aufzuhalten, in Deutschland nicht erreicht werden konnte, sind bei einzelnen Arten dank erfolgreicher Naturschutzmaßnahmen doch positive Bestandsentwicklungen zu verzeichnen.


Wolfsgebiet in der Lausitz (Sachsen)
Lausitzer Sandgebiet

Zu den bekanntesten Beispielen zählt der Wolf (Canis lupus; s. Abb. 1), der Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland faktisch ausgerottet worden war. Erst im Jahr 2000 konnte wieder ein Rudel in der Lausitz (Sachsen) nachgewiesen werden, nachdem einzelne Tiere aus Polen eingewandert waren. Mittlerweile leben sieben reproduzierende Rudel und fünf Paare in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, weitere Einzeltiere sind auch in anderen Regionen Deutschlands beobachtet worden.


Mit der Rückkehr und der Ausbreitung des Wolfes in Deutschland steht der Naturschutz vor neuen Herausforderungen bei der Erhaltung einer streng geschützten, aber gelegentlich auch konfliktträchtigen Tierart. So gilt es nicht nur, Maßnahmen zur Vorbeugung von Schäden bei Nutztieren durchzuführen und der Öffentlichkeit die Angst vorm „bösen Wolf“ durch sachliche Informationen zu nehmen, sondern auch die Ausbreitung und Bestandsentwicklung dieses Großraubtieres mittels wissenschaftlicher Methoden zu überwachen (Monitoring). Mit dem hier vorgestellten Projekt sollten zentrale und bislang noch nie untersuchte Fragen zum Abwanderungsverhalten von Jungwölfen in Deutschland untersucht werden.

Das Projekt

Wolfwelpen
Wolfwelpen

In der Regel verlassen Jungwölfe im Alter zwischen 1 und 3 Jahren ihr elterliches Rudel, um sich einen Paarungspartner zu suchen und ein eigenes Territorium zu besetzen. Um erstmalig etwas über Ausbreitungsrichtungen, Bewegungsmuster und mögliche Beeinträchtigungen bei der Abwanderung in Mitteleuropa zu erfahren, sollten Tiere in der Lausitz (Sachsen; s. Abb. 2) gefangen und mit GPS-Halsbandsendern versehen werden. Nach mehreren erfolglosen Versuchen mit der sogenannten Lappjagd sowie unterschiedlichen Fallen-Typen und Lockstoffen wurden im Jahr 2009 drei Wolfsrüden mit Namen „Karl“, „Rolf“ und „Alan“ gefangen (s. Abb. 3). Mittels der Sender konnten die Aufenthaltsorte der Wölfe via Satellit festgestellt werden. Während sich die ersten beiden Tiere, von Ausflügen in das benachbarte Brandenburg abgesehen, weiterhin in der Nähe ihrer Herkunftsgebiete aufhielten und dort eigene Territorien etablierten (s. Abb. 4), wanderte „Alan“ in 47 Tagen mehr als 1550 km bis nach Weißrussland (s. Abb. 5). Seit dem Winter 2009/2010 wurden allerdings keine Funksignale mehr empfangen; bis heute konnte nicht geklärt werden, ob „Alan“ Opfer eines Unfalls geworden oder sein Sender ausgefallen ist. Im Frühjahr 2010 gelang es, weitere drei (weibliche) Wölfe mit Sendern auszustatten, von denen zwei sich bis heute (2011) noch immer in der Lausitzer Seenlandschaft aufhalten.

Da die Funktionsfähigkeit der Sender aus technischen Gründen zeitlich begrenzt ist und einer der Wölfe durch einen Verkehrsunfall ums Leben kam, liefert derzeit nur noch Wolf „Karl“ Informationen über seine Aufenthaltsorte. Schon vor einer detaillierten Auswertung aller Daten lässt sich aber feststellen, dass das Vorhaben eine Reihe völlig neuer Erkenntnisse über das Raum-Zeit-Verhalten von Wölfen und damit wertvolle Beiträge zum Schutz dieser faszinierenden Tierart in Deutschland liefern wird.

Ausblick

Im Sommer 2011 wird die Pilotstudie des BfN abgeschlossen sein, danach ist eine Veröffentlichung der Ergebnisse vorgesehen. Damit werden den Bundesländern die methodischen Grundlagen und erste Forschungsergebnisse zur Verfügung gestellt, die sie für eigene telemetrische Untersuchungen im Rahmen ihres Wolfs-managements nutzen können. Sachsen-Anhalt hat angekündigt, bereits in diesem Jahr (2011) aufbauend auf dem Vorhaben des Bundes Studien zum Ausbreitungsverhalten der dort lebenden Wölfe durchzuführen.

Publikationen

  • Kaczensky, P., Kluth, G. , Knauer, F., Rauer, G., Reinhardt, I. & Wotschi-kowsky, U. (2009): Monitoring von Großraubtieren in Deutschland. – Bonn (Bundesamt für Naturschutz). –  BfN-Skripten 251: 1 – 86.
  • Reinhardt, G. & Kluth, G. (2007): Leben mit Wölfen – Leitfaden für den Um-gang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland. – Bonn (Bundesamt für Naturschutz). -  BfN-Skripten 201: 1 – 180.
  •  www.wolfsregion-lausitz.de

Förderprogramm

Forschungs- und Entwicklungsvorhaben

Laufzeit: November 2006 bis Juni 2011

Projektträger

  • Wildbiologisches Büro LUPUS, 02979 Spreetal

Beteiligte Partner

  • Kontaktbüro „Wolfregion Lausitz“
  • Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
  • Umweltministerien und Fachbehörden weiterer Bundesländer
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Fachbetreuung

FG II 1.1: Harald Martens, Ruth Petermann

Einem betäubten Jungwolf wird ein GPS-Sender angelegt
Einem betäubten Jungwolf wird ein GPS-Sender angelegt
Verteilung besetzter Wolf-Territorien in der Lausitz
Verteilung besetzter Wolf-Territorien in der Lausitz
Logo
Logo der Nationalen Strategie für biologische Vielfalt
Wanderroute von Wolf „Alan“
Wanderroute von Wolf „Alan“

alle Fotos: Büro LUPUS und Sebastian Körner

 

Letzte Änderung: 01.03.2011

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