Bundesamt für Naturschutz

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Projektsteckbrief Äthiopien

Naturschutzzusammenarbeit mit Äthiopien
Schutz und nachhaltige Nutzung in Biosphärenreservaten


Hintergrund

Wildkaffeewald (Autor: F. Gatzweiler)

Äthiopien ist Teil von zwei Biodiversitäts-Hotspots von globaler Bedeutung: dem  Östlichen Afromontan und dem  Horn von Afrika. Zudem stellt Äthiopien eins von weltweit acht Genzentren dar. Eine wirtschaftlich besonders wichtige endemische Art ist der in den Bergregenwäldern wild vorkommende Coffea arabica. Wildkaffee wird nicht nur lokal und global konsumiert, sondern er ist auch eine wichtige züchterische Grundlage für neue Kaffeesorten. Da die Waldflächen Äthiopiens jedoch inzwischen auf weniger als 3% der Landesfläche reduziert wurden, sind auch die Wildkaffeepopulationen stark gefährdet.

Um einen Beitrag zum Schutz der Wälder und ihrer Biodiversität zu leisten, förderte das BMBF von 2002 bis 2009 ein von der Universität Bonn und Partnern durchgeführtes  Forschungsprojekt. Das Projekt zielte darauf ab, die verbliebenen Wildkaffeestandorte im Südwesten Äthiopiens zu untersuchen und Konzepte für deren Schutz und die nachhaltige Nutzung zu entwickeln. BMU und BfN unterstützen den Erhalt des Wildkaffees seit 2006.


Von der Forschung zur Umsetzung

Wildkaffeepflanze (Autor: M. Denich)

Bei einem Workshop zu  Biodiversity Conservation and Poverty Reduction in Human Transformed Landscapes in Ethiopia 2006 in Addis Abeba wurden verschiedene Schutz- und Nutzungskonzepte vorgestellt und diskutiert, unter anderem  partizipatives Waldmanagement und UNESCO -Biosphärenreservate. Beide Konzepte wurden als passende Ansätze zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung von Wildkaffeewäldern erachtet. Noch im Verlauf des Workshops wurde eine Task Force eingerichtet und damit beauftragt, die Voraussetzungen für die Einrichtung von  Biosphärenreservaten in Äthiopien zu prüfen.


Schülerwettbewerb

Ergebnis des Schülerwettbewers (Autor: M. Denich)

Um ein entsprechendes Bewusstsein bei der Bevölkerung für den Erhalt der „nationalen Ressource Wildkaffee“ zu schaffen, unterstützte das BfN im 2007 einen Schulwettbewerb. Schüler aus den Wildkaffeegebieten verfassten Lieder und Gedichte und malten Bilder, welche die Bedeutung des Wildkaffees für die lokale Bevölkerung und die Notwendigkeit des Schutzes der Wälder zeigten. Dabei kam lokales Wissen zu nachhaltigen Managementstrategien zum Vorschein, das auch den Forschern bisher nicht bekannt war. Die Lieder und Gedichte wurden in Funk, Fernsehen und Printmedien veröffentlicht und trugen somit dazu bei, auf den Wildkaffee und seinen Lebensraum landesweit aufmerksam zu machen.


Workshop zur Landschaftsplanung

Die Untersuchungen zeigten, dass die Einrichtung von Biosphärenreservaten mit Schutz-, Puffer- und Entwicklungszonen tatsächlich einen Beitrag zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung von Wildkaffee leisten könnte. Dafür boten sich zwei Regionen im Südwesten des Landes an. Um Kapazitäten bei der Planung eines Biosphärenreservates zu schaffen, führten BfN und ECFF 2007 in Metu einen Workshop zur Landschaftsplanung durch. Die Landschaftsplanung hatte sich in Deutschland als ein geeignetes Instrumentarium zur Unterstützung von Planungs- und Managementprozessen für Biosphärenreservate erwiesen. Insbesondere das Potenzial zur Schaffung einer Kooperations- und Kommunikationsplattform zeigte sich im weiteren Verlauf des Vorhabens als sehr nützlich. Die Einbeziehung aller Betroffenen ist eine wichtige Voraussetzung für die Anerkennung von Biosphärenreservaten durch die   UNESCO .


Unterstützung des Nominierungsprozesses

Äthiopierin bei der Kaffeezeremonie (Autor: B. Hedden-Dunkhorst)

2009 wurde in Addis Abeba von ECFF, BfN und Partnern eine hochrangig besetzte Veranstaltung organisiert, um auf das Potenzial von Biosphärenreservaten und die bereits erfolgten Aktivitäten hinzuweisen und die Unterstützung politischer Entscheidungsträger zu erlangen. Dabei sprach sich nicht nur der zuständigen Minister für Wissenschaft und Technologie sondern auch der Staatspräsident Äthiopiens für die Nominierung von Biosphärenreservate zum Schutz der Kaffeewälder aus. Die Veranstaltung trug dazu bei, dass Biosphärenreservate auch in Äthiopien heute als ein geeignetes Instrumentarium für die Verknüpfung von ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung betrachtet werden.

Während der Veranstaltung konnten durch den Austausch mit Vertretern anderer afrikanischer Biosphärenreservate auch wichtige Details diskutiert werden, wie z. B. legale Voraussetzungen oder der Aufbau einer effizienten Verwaltung. Im Anschluss an die Veranstaltung konnte im Rahmen eines Workshops das Instrumentarium der Landschaftsplanung einem größeren Kreis von möglichen Anwendern vorgestellt werden und somit ein weiterer Beitrag zum „Capacity Building“ für nachhaltige Entwicklung geleistet werden.


Erste Biosphärenreservate in Äthiopien

Diese Bemühungen konnten dazu beitragen, dass der Internationale Koordinierungsrat (ICC) des UNESCO -Programms "Der Mensch und die Biosphäre" (MAB) 2010 die ersten beiden äthiopischen Gebiete in das Weltnetz der Biosphärenreservate aufnahm:  Yayu und  Kafa. Beide haben zum Ziel, den Kaffeewald in ihren Kernzonen zu schützen und zu einer nachhaltigen Entwicklung der Region beizutragen. Damit bestehen gute Aussichten, den Lebensraum des wild vorkommenden Coffea arabica auch langfristig zu erhalten.

2012 wurde das Waldgebiet  Sheka als drittes äthiopisches Biosphärenreservat von der UNESCO anerkannt.


Etablierung der Managementstrukturen, Unterstützung der Kleinbauern und Klimaschutz-Förderung

Das BfN förderte 2012-14 ein Projekt von ECFF, MELCA und Ecopia in den Biosphärenreservaten Yayu und Sheka. Dabei wurden Naturschutzanliegen in nachhaltige Nutzungsweisen von Nichtholzprodukten aus Wäldern (z. B. Kaffee, Honig, Gewürze, Heilpflanzen) durch optimiertes Biosphärenreservatsmanagement integriert sowie Schulungsmaßnahmen zur Steigerung des wirtschaftlichen Ertrags für die dort ansässigen Kleinbauern durchgeführt. Zu den Projektzielen gehörten die Etablierung/Optimierung der Managementstrukturen sowie Vorbereitungen zur Erarbeitung der Managementpläne für die Biosphärenreservate, die Etablierung von Genossenschaften und Entwicklung von Geschäftsplänen für die Erzeuger von Nichtholzprodukten aus Wäldern, die Einrichtung von Lager- und Verarbeitungsstätten für Bio-Produkte aus den Biosphärenreservaten sowie deren Marketing durch Zertifizierung, Labelling und optimierten Marktzugang.

Zudem förderte das BMUB 2009-13 im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative ein  Projekt von NABU und äthiopischen Organisationen im Biosphärenreservat Kafa zum Erhalt der Wildkaffeewälder als Kohlenstoffspeicher. Daran anschließend läuft 2014-2017 ein ebenfalls vom NABU durchgeführtes Projekt zu  gemeindebasierten Schutzkonzepten für die Ursprungsregion des Wildkaffees.


Entwicklung eines Biosphärenreservats am Tanasee

Obwohl das Tanaseegebiet zu den  Schlüsselgebieten der biologischen Vielfalt im Östlichen Afromontan gehört und die nördlichsten Wildkaffeevorkommen beherbergt, gab es bisher nur geringe Schutzbemühungen. Hoher Nutzungsdruck infolge der Bevölkerungszunahme haben vielerorts zur Degradierung wertvoller biologischer Ressourcen geführt. Das Tanaseegebiet wurde von nationalen und internationalen Experten 2010 als potenzielles Biosphärenreservat erkannt, was von der Michael Succow Stiftung 2011 in einer umfangreichen  Machbarkeitsstudie belegt wurde. Gemeinsam mit dem NABU koordinierte die Stiftung 2012-15 den  Aufbau eines neuen  Biosphärenreservats Tanasee, gefördert aus Mitteln des BMZ und des BMUB.


Ökotourismus-Entwicklung in südwestäthiopischen Biosphärenreservaten

Ziel dieses Projekts von 2015-2017 ist die konzeptionelle Entwicklung von gemeindebasiertem Ökotourismus in den beiden Biosphärenreservate Sheka und Yayu sowie im potenziellen Biosphärenreservat Gambella und deren touristische Vernetzung und gemeinsame Vermarktung mit dem touristisch bereits weiter entwickelten Biosphärenreservat Kafa. Geplant sind die Entwicklung, Erprobung und Vermarktung von Tourismusinfrastruktur und Tourismusprodukten, der Aufbau nötiger Kapazitäten bei der einheimischen Bevölkerung und die Etablierung von gemeindebasierten Management- und Governance-Strukturen. Das Projekt wird umgesetzt von Ecopia mit Sitz in Addis Abeba.


Publikationen

Ethiopian Coffee Forest Forum (2007): Biodiversity Conservation and Poverty Reduction in Human Transformed Landscapes in Ethiopia: Proceedings of an International Workshop, 3-5 October 2006. Addis Ababa, Ethiopia: ECFF.

BMU Referat N I 4 & Hedden-Dunkhorst, B. (2009): Biosphärenreservate zur Erhaltung von Wildkaffee in Äthiopien.  BMU Umwelt 7-8.

zur Heide, F. (2012):  Feasibility Study for a Lake Tana Biosphere Reserve. BfN-Skripten 317. Bonn: BfN.

BMU Referat N II 3 (2013): Schutz für den 'Wasserturm' Afrikas.  BMU Umwelt Heft 2/2013, S. 12-15.


Projektinformation:

Laufzeit: seit 2006

Programm: Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Rahmen des UFOPLAN  "Internationale Zusammenarbeit im Naturschutz"

Land: Äthiopien 

Projektpartner:  Environment and Coffee Forest Forum (ECFF) - Dr. Tadesse Woldemariam Gole;  MELCA-Ethiopia - Befekadu Refera;  Ecopia - Dr. Mitslal Kifleyesus-Matschie;  Michael Succow Stiftung - Friedrich zur Heide (seit 2014 bei GFA), Renée Moreaux und Nina Seifert;  Institute of Biodiversity Conservation (IBC) - Dr. Girma Balcha;  Zentrum für Entwicklungforschung (ZEF) der Universität Bonn - Dr. Manfred Denich und Dr. Franz Gatzweiler;  NABU - Svane Bender-Kaphengst, Bianca Schlegel und Dr. Ellen Kalmbach


Projetmanagement im BfN:

Fachgebiet I 2.3 Internationaler Naturschutz
Kontakt:  Florian Carius


Letzte Änderung: 05.08.2015

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