Bundesamt für Naturschutz

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Entwicklungs- und Erprobungsvorhaben "Halboffene Weidelandschaft Höltigbaum"

Ziele des Vorhabens:

Der "Höltigbaum" ist ein ehemaliger Standortübungsplatz an der Stadtgrenze von Hamburg nach Schleswig-Holstein und umfasst ca. 546 ha.

Ziel des E+E -Vorhabens "Halboffene Weidelandschaft Höltigbaum" war es, auf einer Fläche von ca. 220 ha durch die Etablierung einer extensiven Ganzjahresbeweidung den Charakter einer traditionellen Kulturlandschaft zu erhalten und langfristig eine halboffene Weidelandschaft zu entwickeln. Hierdurch sollte einerseits gewährleistet werden, dass die im Gebiet vorhandenen naturschutzfachlichen Wertigkeiten erhalten und verbessert werden.

Andererseits sollten mit diesem Vorhaben kostengünstige Wege einer naturschutzgemäßen Flächensicherung und -entwicklung erprobt werden. Insbesondere sollte geprüft werden, ob diese Form der Beweidung Landwirten genügend finanzielle Anreize bieten kann, um in den normalen Betriebsablauf integriert zu werden.


Beweidungsfläche

Durch eine angemessene wissenschaftliche Begleitung, die neben naturschutzfachlichen auch betriebswirtschaftliche Aspekte umfasste, sollte zudem sichergestellt werden, dass die Ergebnisse im hohen Maße auf andere vergleichbare Flächen übertragen werden können.

Es handelte sich somit um ein Projekt, dessen Ergebnisse weit reichende Bedeutung auch für andere Regionen Deutschlands haben und das zudem aufgrund der begleitenden ökonomischen Analyse wichtige Anregungen für eine künftige extensive Landwirtschaft geliefert hat. Außerdem ergaben sich auch Hinweise für die weitere Ausgestaltung von Ansätzen des Vertragsnaturschutzes die u.a. bei der Fortschreibung flankierender Maßnahmen der europäischen Agrarpolitik bedeutsam sind.


Projektdaten

Rinder auf Weidefläche

Träger des Hauptvorhabens war die  Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Von den Gesamtkosten des Hauptvorhabens in Höhe von über 1,1 Millionen Euro hat der Bund während einer Laufzeit von 5 Jahren knapp 700.000 Euro übernommen (Laufzeit: 15.8.1999 - 30.10.2004). Weitere Mittel wurden von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, dem Förderfonds Nord (aus Mitteln der Länder SH und HH) und der Umweltbehörde der Stadt Hamburg bereitgestellt.

Gefördert wurden u.a. die Projektkoordination, der Zaun- und Brunnenbau, ein Pflegehof und Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit.


Schafe (Heidschnucken) auf Weidefläche

Nach Einzäunung des Gebietes und Herstellung der Brunnen erfolgte am 3.4.2000 der offizielle Projektstart mit dem Auftrieb von Weidetieren (Rinder [Rotbunte x Galloway] und Schafe [Heidschnucken]).

Im Verlaufe des Projektes wurde auch ein Pflegehof errichtet. Hier finanzierte der Bund das Betriebsgebäude, die Mittel für das Stallgebäude wurden ebenso wie der Zaunbau durch den Kofinanzierer, den Förderfonds Nord, bereitgestellt.

Die angestoßenen Entwicklungen wurden von den Beteiligten so positiv beurteilt, dass die "Halboffene Weidelandschaft" inzwischen auf ca. 350 ha erweitert wurde. Außerdem hat die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein auf dem Höltigbaum ihre erste Integrierte Station mit festem Personal gegründet. Diese betreut neben der Weidelandschaft Höltigbaum weitere Naturschutzprojekte in der Metropolregion Hamburg und setzt auf ein attraktives Naturerlebnisangebot. Die Station wird von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein auch finanziell unterstützt.


Wissenschaftliche Begleituntersuchungen

Neben den Investionsmaßnahmen wurde die wissenschaftliche Begleitung, die von der Universität Lüneburg durchgeführt wird, zu nahezu 100 % durch den Bund gefördert. Hierzu wurden rd.und 1,3 Millionen Euro bewilligt.

Gegenstand der wissenschafltichen Begleitung waren folgende Untersuchungen:

  • naturschutzfachliche Analysen und Modellbildung für die Übertragung auf andere Gebiete
  • Dokumentation der edaphisch-strukturellen Parameter/Geomorphologie
  • Vegetationsentwicklung
  • Bestandsentwicklung ausgewählter Tiergruppen: Vögel, Amphibien, Heuschrecken, Nachtfalter, Libellen, Laufkäfer, epigäische Spinnen und Grabwespen
  • Verhalten der Weidetiere (Raum- und Habitatnutzung)
  • betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte

 Details zur Wissenschaftlichen Begleitung

Darüber hinaus wurde der internationale Sachverstand und die dortigen Erfahrungen mit ähnlichen Projekten durch eine internationale Fachtagung im März 2001 erschlossen und für dieses und weitere Vorhaben verfügbar gemacht. Durch die Publikation der Tagungsergebnisse (s.  Publikationen) wurden aber auch die nationalen Konzepte einem breiteren internationalen Kreis von Fachleuten bekannt gemacht und zur Diskussion gestellt. Im September 2003 wurden schließlich die  Ergebnisse einer Vielzahl nationaler Forschungs- und Modellvorhaben zu dieser Thematik bei einer Fachtagung an der Universität Lüneburg für die Praxis aufbereitet und veröffentlicht.

Die abschließenden Ergebnisse des E+E -Vorhaben sind in der BfN-Schriftenreihe  Naturschutz und Biologische Vielfalt als Heft 36 erschienen.

Letzte Änderung: 15.12.2006

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