Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Moorschutz - Situation und Handlungsbedarf


Situation in Deutschland

In Deutschland sind heute nahezu alle noch intakten Hochmoore in FFH - oder Naturschutzgebieten gesichert, Niedermoore hingegen nur zu einem geringen Teil.

Dies liegt auch daran, dass nach EU-Recht neben den Hochmooren (LRT 7110, LRT 7120), Übergangs- und Schwingrasenmooren (LRT 7140), Torfmoor-Schlenken (LRT 7150) und Moorwäldern (91D0) nur die kalkreichen Niedermoore (LRT 7230) dem Verschlechterungsverbot der   FFH -Richtlinie  (Anhang I)  unterliegen. Bodensaure Niedermoore und weitere nach der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands gefährdete Moorbiotoptypen fallen hingegen nicht unter diese Richtlinie. Zwar sind durch das Bundesnaturschutzgesetz (§ 30) alle Moore, Röhrichte, Großseggenrieder sowie seggen- und binsenreiche Nasswiesen als Biotope gesetzlich geschützt. Dies bezieht sich jedoch nur auf aktuell als Moorlebensräume anzusprechende Biotoptypen und nicht auf extensiv genutztes Moorgrünland, das einen hohen naturschutzfachlichen Wert haben kann.

Zum Schutz aller bedrohten Moorbiotoptypen in Deutschland, bedarf es also einer Ausweitung des Schutzes auch auf diese Moorlebensräume.

Auch innerhalb bestehender Schutzgebiete ist der Erhaltungszustand der Moore oft kritisch, da häufig der Wasserhaushalt gestört ist. Zudem tragen atmogene Stickstoffbelastungen und sonstige Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft zur weiteren Gefährdung bei.

So wird der  Erhaltungszustand von Mooren in FFH -Gebieten im zweiten nationalen Bericht nach  Art. 17 der FFH -Richtlinie im alpinen Raum noch weitestgehend als „gut“ eingestuft, im kontinentalen Raum befinden sich die Moore überwiegend in einem „unzureichenden“ und die atlantischen sogar in einem „schlechten“ Zustand. Oft fehlt in den Schutzgebieten eine konsequente Umsetzung einer, zum Erhalt der  Biodiversität und der  Ökosystemleistungen notwendigen Revitalisierung der Moore.


Revitalisierung von Mooren

Zur Revitalisierung von Mooren ist deren Wiedervernässung zu Erreichung eines intakten Wasserhaushalts der wichtigste Schritt. Dieser ist Grundlage zur Wiederherstellung der charakteristischen Biotopeigenschaften und damit für die Ansiedlung und den Schutz der moortypischen Flora und Fauna. Etablieren sich  auf den vernässten Standorten torfbildende Pflanzengesellschaften kann auch die Senkenwirkung der Moore wieder hergestellt werden. Zudem trägt die Wiedervernässung der Moore entscheidend zum Klimaschutz bei, da die Torfzersetzung durch Sauerstoffabschluss nahezu zum Erliegen kommt und damit die CO2 Emission drastisch reduziert wird. Fundierten Schätzungen zufolge würde eine klimafreundliche durchgeführte Wiedervernässung der drainierten Moore Deutschlands theoretisch bis zu 35 Mio. Tonnen CO2 –Äquivalente pro Jahr einsparen ( Freibauer et al. 2009). Durch eine erfolgreiche Revitalisierung lassen sich die  Ökosystemleistungen der Moore zumindest teilweise wiederherstellen. Dabei werden hohe Synergieeffekte zwischen Natur- und Klimaschutzzielen erreicht.


Regulierbares Anstauwehr, Allgäuer Moorallianz (Foto: Ulrich Weiland)
Regulierbares Anstauwehr, Allgäuer Moorallianz   (Foto: Ulrich Weiland)

Allerdings bedarf die Revitalisierung einer fundierten hydrologischen und ökologischen Planung. Die richtige Einstellung des Wasserstands unter Berücksichtigung der Hydrogenese ist dabei von enormer Bedeutung. Andernfalls besteht die Gefahr, noch vorhandene Populationen seltener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten zu vernichten und die klimaschädigende Wirkung der degradierten Moore weiter zu erhöhen. So ist ein flächiger Überstau i.d.R. zu Vermeiden, da er die Gefahr hoher Ausgasungen von Methan (CH4) birgt. Letztendlich sollte sich der einzustellende Wasserstand am jahreszeitlich schwankenden Wasserspiegel natürlicher Moore orientieren.

Die Renaturierung hat aber auch ihre Grenzen. Zu stark anthropogen überprägte Moore lassen sich nicht mehr in einen ursprünglichen Zustand überführen. Und auch die Torfschichten abgetorfter Moore benötigen tausende Jahre um wieder die ehemalige Mächtigkeit zu erlangen. Die Extensivierung der Nutzung stark degradierter Moore oder deren Wiedervernässung trägt dennoch zur Reduktion der Treibhausgasemissionen bei.

Im Hinblick auf den aktuellen  Zustand der Moore in Deutschland in Verbindung mit der zukünftig durch den Klimawandel steigenden Belastung ist die Revitalisierung degradierter Moore von großer Bedeutung.


Moorschutzstrategien und -programme

Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt des BMU  Gesamtdokument als PDF
Titelseite: Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt des BMU

Nationale Biodiversitätsstrategie (NBS):

Die 2007 vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) entwickelte  Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) enthält auch eine konkrete Vision zum Erhalt der Biodiversität der Moore. Darin sind konkrete Ziele formuliert, wie die Sicherung noch bestehender natürlich wachsender Moore, die Regeneration gering geschädigter Hochmoore und regenerierbarer Niedermoore, eine Extensivierung wesentlicher Teile heute intensiv genutzter Niedermoore, eine signifikante Reduktion des Torfschwunds und die Aufrechterhaltung der nährstoff- und kohlendioxidsenkenden Funktion der Moore. Da die Zuständigkeit für die Durchführung von Moorschutzmaßnahmen im Wesentlichen bei den Bundesländern liegt, wird die Erarbeitung von Moorentwicklungskonzepten in allen Bundesländern bis 2010 und deren Umsetzung bis 2025 angestrebt. Aspekte des Klimaschutzes und der Ökosystemdienstleistungen von Mooren spielen dabei zunehmend eine Rolle. Ein von den Länderfachbehörden der moorreichen Bundesländer erarbeitetes  Positionspapier "Potenziale und Ziele zum Moor- und Klimaschutz" konkretisiert die Rahmenziele für den Moorschutz, nennt Maßnahmen und Instrumente für deren Erreichung und zeigt expliziten Handlungsbedarf auf Seiten der Politik auf.

 Moorentwicklungskonzepte der Länder


Moorschutzprojekte

Zum Schutz einiger besonders bedeutsamer Moorgebiete in Deutschland werden auch Fördermittel des Bundes und der EU eingesetzt. Eine Bundesförderung ist zudem für Forschungsprojekte zum Moorschutz möglich.


Logo Bundesförderprogramm Chance.natur
Übersichtskarte der Naturschutzgroßprojekte mit Moorschutzaspekten in Deutschland

Naturschutzgroßprojekte mit Bundesförderung:

Im Rahmen des Förderprogramms des Bundes  "chanche.natur-Bundesförderung Naturschutz" werden auch viele Naturschutzgroßprojekte gefördert, die Maßnahmen zum Moorschutz und zur Moorrevitalisierung umfassen bzw. diese zum Schwerpunkt haben.

 

Die folgenden  Naturschutzgroßprojekte haben einen Schwerpunkt im Moorschutz:

Sonstige Moorschutzprojekte

Neben der Bundesförderung ist für den Schutz der Biodiversität von Mooren insbesondere das Förderprogramm  LIFE+ der EU von Bedeutung.

 European Commission - Environment - LIFE Programme


Finanzierungsmechanismen für den Moorschutz

Aufgrund der hohen Klimarelevanz stehen für den Moorschutz - neben den traditionellen Naturschutzinstrumenten - neuerdings weitere, unabhängige Finanzierungsmechanismen zur Verfügung.

Im Zuge der UN-Klimarahmenkonvention des 2005 in Kraft getretenen Kyoto-Protokolls haben sich die teilnehmenden Industriestaaten zur Reduzierung und Stabilisierung ihrer Treibhausgasemissionen verpflichtet. Der Handel mit Emissionsrechten ist ein Mechanismus, um dieses Ziel zu erreichen, sodass die EU 2005 unter anderem das System des Emissionszertifikathandels eingeführt hat . Neben den technischen Möglichkeiten zur Reduktion von THG-Emissionen wurde auch die Anrechenbarkeit von natürlichen CO2/THG-Senken einbezogen. Momentan liegt es bei den Ländern, ob sie die Moore hierbei mit berücksichtigen oder nicht.

Der freiwillige Kohlenstoffmarkt bietet unter anderem die Möglichkeit, sich für den Klima- und Naturschutz zu engagieren und so -  über die gesetzlichen Vorgaben hinaus - im Sinne der Corporate Social Responsibility einen freiwilligen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung zu leisten.

 MoorFutures

 Deutscher Moorschutzfonds des NABU


Option Paludikultur

Paludikultur („Paludus" = Sumpf; Moor) ist ein Verfahren zur nassen Bewirtschaftung von Mooren mit Torferhalt oder im Idealfall sogar Torfbildung. Diese Bewirtschaftungsform ist vorrangig auf degradierte, wiedervernässte Moorböden ohne Schutzstatus ausgerichtet. Zum Anbau eignen sich vor allem nachwachsende Rohstoffe wie Schilf, Röhricht, Großseggenried, Torfmoose oder Schwarzerlen die als Substratrohstoff für den Gartenbau, als Rohstoff für die Bau- und Möbelindustrie oder als Energieträger verwertet werden können. Zur schadlosen Ernte der Biomasse bedarf es spezieller Maschinen, wie z.B. Kettenfahrzeugen. Neben der Vermeidung von Treibhausgasen können potentiell auch bedrohte Tierarten der Moore, wie z.B. der Seggenrohrsänger davon profitieren. Paludikultur kann somit unter Umständen sowohl für die Landwirtschaft als auch für den Naturschutz neue Ansätze der nassen Bewirtschaftung bzw. des Managements von Mooren aufzeigen.

Das Konzept befindet sich allerdings augenblicklich noch im Erprobungs- und Entwicklungszustand. Als Voraussetzung für den Einsatz der Paludikultur muss eine Beeinträchtigung von Naturschutzzielen für Moorflächen ausgeschlossen sein. Um Risiken zu vermeiden, bedarf es einer Definition der Guten fachlichen Praxis für die Bewirtschaftung von organischen Böden, umfangreicher Risikoanalysen sowie weiterer Pilotprojekte und wissenschaftlicher Begleituntersuchungen. Auch zur energetischen Verwertung der Biomasse besteht noch Forschungsbedarf.

Damit Paludikultur ökonomisch konkurrenzfähig wird, müssen schädliche Subventionen entwässerungsbasierten Landnutzungen (z.B. Energiemais-Anbau) abgebaut und stattdessen die nasse, klimaschonende Bewirtschaftung organischer Böden gefördert werden. Möglichkeiten und Rahmenbedingungen zum finanziellen Ausgleich müssen ebenfalls noch geprüft und ggf. geschaffen werden.

 Diskussionsbeiträge “Neue Wege im Moorschutz - Paludikultur“ (Vilm, 2011)

 Paludikultur – Website der Universität Greifswald


Verzicht auf Nutzung von Torf

2010 befanden sich nach Angabe des Industrieverbands Garten (IVG) e.V. ca. 26.900 ha Hochmooreflächen im Torfabbau. Das entspricht ca. 8 % der gesamten Hochmoorbodenfläche in Deutschland. Werden die Moore weiter im derzeitigen Tempo abgebaut, sind die in Deutschland zum Abbau genehmigten Torfvorräte in spätestens zehn Jahren erschöpft. Der Torfverbrauch in Deutschland übersteigt die Produktion gegenwärtig massiv. Dabei ist Torf als Ressource endlich und kann nicht als nachwachsender Rohstoff betrachtet werden da der Torfabbau sehr viel schneller voranschreitet als das langsame Torfwachstum von ca. 1 mm Mächtigkeit pro Jahr.

Die abgetorften Flächen bieten keinen Lebensraum mehr für die Moorlebewesen und nicht nur die entwässerten Abbauflächen sondern auch der abgebaute Torf tragennoch weiter zur CO2-Freisetzung bei. Torfabbau ist somit sowohl aus Sicht des Naturschutzes als auch des Klimaschutzes weltweit nicht mehr vertretbar. Daher haben Länder wie die Schweiz und Großbritannien bereits offizielle Torfausstiegsstrategien verabschiedet. Auch für Deutschland sollte eine nationale Torfausstiegsstrategie entwickelt und beschlossen werden um den flächigen Torfabbau schnellstmöglich zu beenden. Ein etwaiger Rückgang des Torfabbaus in Deutschland darf jedoch nicht zu einem erhöhten Torfabbau in anderen Regionen führen. Dazu müssen verstärkt anwendungsorientierte Forschung zu Torfersatzstoffen sowie Aufklärungskampagnen und Verbraucher-Kennzeichnungspflichten durchgeführt werden.

Schon heute gibt es für den Torf zahlreiche geeignete Alternativen. Länder, die nur wenige Moore hatten, arbeiten schon länger mit anderen Medien (z.B. in Frankreich verstärkt mit Rindensubstraten). Kompost, Rindenhumus sowie Fasern aus Holz-, Kokos-, Chinaschilf- oder Hanf, enthalten Nährstoffe, speichern Wasser und sorgen für eine Verbesserung der Bodenstruktur. Durch Zusatz von Sand, Lavagranulat oder Tonmineralen, die die optimale Pflanzenversorgung ergänzen, wurde bereits eine Vielzahl von torffreien Erden für verschiedene Anforderungen entwickelt.

Einige Naturschutzverbände informieren gezielt Privatverbraucher über Alternativen, z.B.

BUND:  Gärtnern ohne Torf    Einkaufsführer "Torffreie Erde"

NABU:  Moorschutz – Was kann ich tun?    Faltblatt "Bunte Gärten ohne Torf"