Bundesamt für Naturschutz

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Einführung naturschutzorientierter Kriterien in die gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft


Eines der Ziele des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) ist die Erhaltung von Natur und Landschaft für die künftigen Generationen. Dazu zählt auch die Sicherung der langfristigen ökologischen Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts. Ein wichtiges Instrument des Gesetzes zur Integration in allen Landnutzungsbereichen ist die gute fachliche Praxis. Sie richtet sich an alle im Agrarraum tätigen landwirtschaftlichen Akteure und definiert verbindliche Mindeststandards. Diese waren bisher hinsichtlich naturschutzfachlicher Anforderungen nicht hinreichend konkretisiert.

Der um naturschutzfachliche Kriterien ergänzten guten fachlichen Praxis kommen zwei Bedeutungen zu. Zum einen liefert sie einen Beitrag zur Bestimmung für eine aus Sicht des Naturschutzes und der Landschaftspflege tolerable Landbewirtschaftung. Zum anderen markiert sie die Schwelle zur Bemessung und Honorierung darüber hinausgehender - von der Gesellschaft immer mehr nachgefragter - ökologischer Leistungen. Das BfN hat hierfür Kriterien einer guten fachlichen Praxis der Landwirtschaft aus Naturschutzsicht vorgeschlagen und in die Diskussion um die letzte Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik und die Novellierung des BNatSchG als dem Leitgesetz zum Schutz des Naturhaushaltes eingebracht. Sie wurden als Anforderungen, die die Ziele zu konkretisieren haben, in das Gesetz eingeführt, vgl.  Knickel et.al.,  Plachter et.al.

Um eine standortangepasste Bewirtschaftung zu erreichen, ergänzen die Anforderungen der guten fachlichen Praxis diejenigen des landwirtschaftlichen Fachrechtes und des Bundesbodenschutzgesetzes (§ 17)  um folgende Sachverhalte:


  • Bei der landwirtschaftlichen Nutzung muss die Bewirtschaftung standortangepasst erfolgen und die nachhaltige Bodenfruchtbarkeit und langfristige Nutzbarkeit der Flächen gewährleistet werden.
  • Die natürliche Ausstattung der Nutzfläche (Boden, Wasser, Flora, Fauna) darf nicht über das zur Erzielung eines nachhaltigen Ertrages erforderliche Maß hinaus beeinträchtigt werden.
  • Die zur Vernetzung von Biotopen erforderlichen Landschaftselemente sind zu erhalten und nach Möglichkeit zu vermehren.
  • Die Tierhaltung hat in einem ausgewogenen Verhältnis zum Pflanzenbau zu stehen und schädliche Umweltauswirkungen sind zu vermeiden.
  • Auf erosionsgefährdeten Hängen, in Überschwemmungsgebieten, auf Standorten mit hohem Grundwasserstand sowie auf Moorstandorten ist ein Grünlandumbruch zu unterlassen.
  • Eine schlagspezifische Dokumentation über den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln ist nach Maßgabe des landwirtschaftlichen Fachrechts zu führen.Eine Dokumentation über die Anwendung von Düngemitteln ist nach Maßgabe des § 7 der Düngeverordnung zu führen.

(siehe § 5 BNatschG)

 

Mit diesen Sachverhalten wird ein wesentlicher Beitrag zur Klarstellung der Betreiberpflichten geleistet und unter Einbeziehung der in der EU-Agrarpolitik verankerten Cross Compliance- Bestimmungen die Schwelle bestimmt, ab der naturschutzkonforme Agrarförderung beginnen kann.

Letzte Änderung: 24.04.2015

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