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Das Schutzgebiet Borkum-Riffgrund


 Transkript des Videos zum Borkum Riffgrund

Im Borkum-Riffgrund kommt auf vergleichsweise kleiner Fläche eine Fülle von Tierarten vor. Wie ein buntes Mosaik fügen sich die verschiedenen Lebensgemeinschaften zu einem großen Puzzle der Artenvielfalt zusammen. Im Zusammenwirken mit den Gezeitenströmungen offenbart sich eine der wichtigen Aufgaben dieses Gebietes: es stellt einen bedeutenden Trittstein für die Ausbreitung der Arten in der südlichen Nordsee dar.


Fakten zum Borkum Riffgrund
Steckbrief  Borkum Riffgrund
EU-Code: DE 2104-301
Lage (Gebietsmittelpunkt):
 6°20’00" E 53°55’00" N
Lebensraumtypen Sandbänke (521 km²)
Riffe (23 km²)
Arten/Anzahl Schweinswal
(Phocoena phocoena)    
51-100
Seehund
(Phoca vitulina)
251-500
Kegelrobbe
(Halichoerus grypus)
11-50
Finte
(Alosa fallax)
nachgew., z.Zt. keine Bestandszahlen

Charakteristische Epifauna im Schutzgebiet

Bäumchenröhrenwurm (Lanice conchilega) Foto: Hübner/Krause (BfN)
Bäumchenröhrenwurm (Lanice conchilega) Foto: Hübner/Krause (BfN)
Seenelken (Metridium senile) auf Blockstein. Foto: Hübner/Krause (BfN)
Seenelken (Metridium senile) auf Blockstein. Foto: Hübner/Krause (BfN)

Das etwa 625 km² umfassende Schutzgebiet mit Wassertiefen von 18 m bis 33 m wird durch eine große Sandbank (ca. 521 km²) mit eingestreuten Riffarealen gekennzeichnet. Im Westen grenzt das Gebiet an die Niederlande, im Süden an das deutsche Küstenmeer (12-Seemeilen-Grenze). Im Norden und Osten erfolgte die Abgrenzung nach Form und Verbreitung der Lebensgemeinschaften der Sandbank mit überwiegend Mittel- bis Grobsanden.

Charakteristisch ist die hohe Substrat- und Habitatvielfalt dieser Bank mit ihren eingestreuten Steinfeldern. Neben den für den Lebensraumtyp „Sandbänke“ typischen Grobsandgemeinschaften (Goniadella-Spisula = Knäuelwurm-Trogmuschel-Gemeinschaft) kommt hier kleinräumig eine mosaikartige Mischung von Benthosgemeinschaften vor. Auf den Riffen ist die charakteristische Epifauna mit Seenelken, Tote Mannshand, Zypressenmoos, Seescheiden, Moostierchen und Schwämmen sowie verschiedenen Krebsen zu finden.

In der engen Verzahnung dieser beiden Lebensraumtypen liegt auch eine besondere ökologische Qualität des Schutzgebietes, denn hier ist die Artenvielfalt besonders hoch. Seit 1998, dem Beginn der wissenschaftlichen Untersuchungen, wurden allein beim Makrozoobenthos (Bodentiere > 1 mm) 165 Arten nachgewiesen, davon zahlreiche Rote-Listen-Arten.

Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie

Auch Kegelrobben (Halichoerus grypus) kommen gelegentlich im Gebiet vor. Foto: K. Wollny-Goerke
Auch Kegelrobben (Halichoerus grypus) kommen gelegentlich im Gebiet vor. Foto: K. Wollny-Goerke

Von den Arten des Anhangs II der FFH -Richtlinie kommen hier Schweinswale, Kegelrobben und Seehunde vor und werden deshalb mitgeschützt. Die hier gesichteten Schweinswale kommen zwar mit einer niedrigen mittleren Dichte, aber mit kontinuierlicher Präsenz und z.T. auch mit Kälbern vor. Sie gehören vermutlich zur relativ kleinen, gefährdeten südlichen Nordsee-Teilpopulation, deren Verbreitungsschwerpunkt vor der niederländischen Küste liegt. Den beiden Robbenarten dient der Borkum-Riffgrund vor allem als Nahrungshabitat, aber auch als Migrationskorridor, zum Beispiel für Wanderungen zu den Fressplätzen oder anderen Robben-Liegeplätzen.

Als weitere Anhang II-Art der FFH -Richtlinie werden Finten mitgeschützt, die hier wichtige marine Habitate für die Nahrungssuche und Überwinterung finden. Dies gilt insbesondere für den Fintenbestand, der sich im äußeren Emsästuar konzentriert.

Schutz- und Erhaltungsziele

Für die abgrenzungsrelevanten Lebensraumtypen und Tierarten wurden allgemeine Schutz- und Erhaltungsziele festgelegt:

  • Erhaltung und Wiederherstellung der spezifischen ökologischen Funktionen, der biologischen Vielfalt und der natürlichen Hydro- und Morphodynamik des Gebietes;
  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der Lebensraumtypen „Sandbänke mit nur schwacher ständiger Überspülung durch Meerwasser“  Code 1110 und „Riffe“  Code 1170 mit ihren charakteristischen und gefährdeten Lebensgemeinschaften und Arten;
  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes folgender FFH -Arten und ihrer Habitate: Schweinswal, Seehund, Kegelrobbe und Finte.

Ruderkrabbe (Liocarcinus depurator) Foto: BfN
Ruderkrabbe (Liocarcinus depurator) Foto: BfN
Sandgrundeln (Pomatoschistus minutus) finden ideale Lebensbedingungen. Foto: BfN
Sandgrundeln (Pomatoschistus minutus) finden ideale Lebensbedingungen. Foto: BfN

Natura 2000-Gebiete in der AWZ der deutschen Nordsee:

 

 Nordsee

 Doggerbank

 Sylter Außenriff

Borkum-Riffgrund

 Östliche Deutsche Bucht

Karte Nordsee

Zeigt die Karte Nature 2000-Schutzgebiete nach FFH-Richtlinie und EU-Vogelschutzrichtlinie im Hoheitsbereich und in der deutschen AWZ der Nordsee.

Natura 2000-Schutzgebiete nach FFH -Richtlinie und EU-Vogelschutzrichtlinie im Hoheitsbereich und in der deutschen AWZ der Nordsee.
(Karte: Stand 04.2016)
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Zeigt die Grafik Natura 2000-Schutzgebiete in der deutschen AWZ der Nordsee mit Darstellung des Meeresbodens. Grafik: C.Terstegge

Natura 2000-Schutzgebiete in der deutschen AWZ der Nordsee mit Darstellung des Meeresbodens.
(Karte: Stand 07.2011)
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