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Monitoring gentechnisch veränderter Organismen

Gesetzliche Regelungen

Die Durchführung eines Monitorings der Auswirkungen gentechnisch veränderter Organismen und ihrer Verwendung auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt wird in der  EU Freisetzungsrichtlinie 2001/18/ EG und in der Verordnung über gentechnisch veränderte Lebensmittel und Futtermittel (1829/2003) verbindlich festgeschrieben. Die Umsetzung der EU-rechtlichen Vorgaben zum Monitoring in das nationale Recht erfolgte durch das Gesetz zur Neuordnung des Gentechnikrechts im Jahr 2005. Mit diesem wurden erstmals spezielle Vorschriften zum Monitoring in das Gentechnikgesetz aufgenommen.

Das Monitoring soll dazu beitragen, getroffene Entscheidungen über Zulassungen und Sicherheitsvorkehrungen in der Realität zu überprüfen und die Prognosesicherheit für zukünftige Risikobewertungen zu erhöhen. Es soll als Frühwarnsystem dienen, um bei einem Auftreten schädlicher Wirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit möglichst schnell reagieren und den Schaden minimieren zu können.

Das Gentechnikgesetz unterscheidet zwischen einer fallspezifischen Beobachtung und einer allgemeinen Beobachtung (§ 16c Abs. 2):


  • Das Ziel der fallspezifischen Beobachtung ist zu bestätigen, dass eine Annahme über das Auftreten und die Wirkung einer etwaigen schädlichen Auswirkung eines gentechnisch veränderten Organismus oder dessen Verwendung in der Risikobewertung zutrifft;
  • Das Ziel der allgemeinen Beobachtung ist, das Auftreten schädlicher Auswirkungen des gentechnisch veränderten Organismus oder dessen Verwendung auf die menschliche Gesundheit oder die Umwelt zu ermitteln, die in der Risikobewertung nicht vorhergesehen wurden.

Während die Durchführung und der Umfang einer fallspezifischen Beobachtung von den Ergebnissen der Umweltrisikobewertung abhängt, ist die allgemeine Beobachtung davon weitgehend unabhängig und ihre Umsetzung obligatorisch. Allgemeine Anforderungen an die Konzeption des Monitorings werden im Anhang VII der Freisetzungsrichtlinie und durch ergänzende  Leitlinien (2002/811/EG) ausgeführt.

Als Benehmensbehörde ist das BfN in den Vollzug des Gentechnikgesetzes eingebunden und bewertet die Monitoringpläne und Berichte aus naturschutzfachlicher Sicht. Die Bewertungsberichte werden an das Bundesamt für Verbraucherschutz (BVL) weitergeleitet, das unter Einbeziehung der Stellungnahmen der verschiedenen beteiligten Behörden eine nationale Stellungnahme verfasst und an die Kommission liefert

Umsetzung des GVO-Monitorings

Um aus natur- und umweltschutzfachlicher Sicht eine aussagefähige und effektive Beobachtung schädlicher Auswirkungen sicherzustellen und derzeitige Schwachstellen in den Monitoringplänen zu beseitigen, hat das BfN gemeinsam mit dem Umweltbundesamt Österreichs und dem Bundesamt für Umwelt der Schweiz ein  Grundsatzpapier zur Umsetzung des Monitorings gentechnisch veränderter Organismen (pdf-Datei) erstellt.

Über die konkrete Ausgestaltung und die Beobachtungsgegenstände des Monitorings gentechnisch veränderter Organismen wird von Fall zu Fall entschieden, das heißt die Beobachtung muss auf jeden einzelnen GVO und seine Verwendung zugeschnitten sein. Grundlage dafür sind die Umweltrisikobewertung, identifizierte Unsicherheiten, relevante Schutzgüter und hypothesengeleitete Wirkungsszenarien. Für ein anbaubegleitendes Monitoring der gentechnisch veränderten Kulturpflanzen insektenresistenter Mais, herbizidresistenter Raps und stärkeveränderte Kartoffel liegen Vorschläge für geeignete und fachlich erforderliche Beobachtungsparameter vor (u.a. Züghart & Breckling 2003, B/L-AG 2003). Eine Arbeitsgruppe der EU-Kommission zum GVO -Monitoring hat sogenannte  Checklisten zu diesen drei transgenen Kulturpflanzen erstellt, in denen Parameter, die bei einem Monitoring berücksichtigt werden sollten, aufgelistet werden.

Bei einer Zulassung von vermehrungsfähigen Bestandteilen transgener Pflanzen für den Import und die Verarbeitung sowie als Lebens- und Futtermittel, muss ebenfalls eine geeignete Beobachtung etabliert werden.  Für herbizidresistenten transgenen Raps wurde ein Konzept entwickelt und erprobt (barrierefreie pdf-Datei).

Für die Umsetzung des GVO -Monitorings werden neue Methoden entwickelt oder bereits vorhandene angepasst bzw. optimiert. Um eine hohe Aussagekraft der Erhebungsmethoden zu gewährleisten sowie die Auswertbarkeit und Vergleichbarkeit der Daten sicherzustellen ist es notwendig, abgestimmte und standardisierte Verfahren für das Monitoring auf nationaler und europäischer Ebene zur Verfügung zu stellen. Mit diesem Ziel haben Experten und Expertinnen unter dem Dach des  VDI (Verein Deutscher Ingenieure e.V.) bereits zahlreiche VDI-Richtlinien für das GVO -Monitoring erarbeitet. Die Ergebnisse daraus wurden 2013 im  BioRisk Journal veröffentlicht.

Grundsätzlich erscheint es sinnvoll bereits bestehende Beobachtungsprogramme in das GVO -Monitoring einzubinden bzw. vorhandene Beobachtungsdaten auszuwerten. Auch die Richtlinie 2001/18/EG empfiehlt für die allgemeine Beobachtung bestehende umwelt- und naturschutzfachliche sowie landwirtschaftliche Beobachtungsprogramme zu nutzen, sofern sie dafür geeignet sind. Vor diesem Hintergrund werden durch das BfN bestehende nationale Umweltbeobachtungsprogramme auf Nutzungsmöglichkeiten geprüft und Modelle für eine mögliche Einbindung entwickelt. In einem ersten Schritt wurden das  Boden-Dauerbeobachtungsprogramm der Länder (pdf-Datei), das  Tagfalter-Monitoring Deutschlands (TMD) (pdf-Datei) und das bundesweite  Vogelmonitoring (pdf-Datei) geprüft.

Die Genehmigungsinhaber müssen regelmäßig über die Durchführung und die Ergebnisse des Monitorings berichten. Die Monitoringberichte können auf der  BVL-Homepage abgerufen werden.

 Agro-Gentechnik - weitere Informationen

  GVO -Monitoring - weitere Veröffentlichungen

Literatur

Breckling, B., Dolek, M., Lang, A., Reuter, H. u. R. Verhoeven (2007) (Hrsg.): GVO -Monitoring vor der Umsetzung. - Naturschutz und Biologische Vielfalt 49: 243 S.

Bund/Länder-Arbeitsgruppe "Monitoring von Umweltwirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen" (2003): Entwurf eines Konzepts für das Monitoring von gentechnisch veränderten Organismen ( GVO ). - In: Umweltbundesamt (Hrsg.): Symposium "Monitoring von gentechnisch veränderten Pflanzen: Instrument einer vorsorgenden Umweltpolitik". - UBA-Texte 23/03, Umweltbundesamt, Berlin: 169-209.

European Commission, DG Environment (2016): German soil monitoring programme could assess impacts of GM crops. - Science for Environmental Policy 445, 2 S.

Lang, A., Bühler, C., Roth, T. u. M. Dolek (2014): Nutzungsmöglichkeiten des Tagfalter-Monitorings Deutschland (TMD) für das Monitoring der Umweltwirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen. Fachliche Anforderungen an eine  GVO  -Monitoring von Tagfaltern. -  BfN-Skripten 383, 96 S. (pdf-Datei, 2 MB

Lang, A., Bühler, C., Dolek, M., Roth, T. u. W. Züghart (2016): Estimating sampling efficiency of diurnal Lepidoptera in farmland. - Journal of Insect Conservation 20: 35-48.

Römbke, J., Jänsch, S., Roß-Nickoll, M u. A. Toschki: Nutzungsmöglichkeiten der Länder für das Monitoring der Umweltwirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen. BfN- Skripten 369. 105 S., (pdf-Datei, 3,7 MB)

Sudfeldt, C. u. S. Trautmann (2015): Eignung des bundesweiten Vogelmonitorings für die Erfassung schädlicher Auswirkungen eines GVP-Anbaus auf die Biodiversität. - BfN-Skripten 416, 115 S., (pdf-Datei, 4 MB)

Toschki, A., Jänsch, S., Roß-Nickoll, M., Römbke, J. u. W. Züghart (2015): Possibilities of using the German Federal States' permanent soil monitoring program for the monitoring of potential effects of genetically modified organisms (GMO). - Environmental Sciences Europe 27, 13 S.

VDI 4330 Blatt 1 (2006): Monitoring der ökologischen Wirkungen gentechnisch veränderter Organismen – Grundlagen und Strategien. VDI-Handbuch Biotechnologie, Band 1: GVO -Monitoring.

Wedlich, K. V., Franzaring, J. u. A. Fangmeier (2016): Entwicklung und Erprobung eines Konzepts für ein Monitoring von für den Import zugelassenem transgenem Raps nach Richtlinie 2001/18/EG. -  BfN-Skripten 430, 102 S. (barrierefreie pdf-Datei, 5,1MB)

Züghart, W. u. B. Breckling (2003): Konzeptionelle Entwicklung eines Monitoring von Umweltwirkungen transgener Kulturpflanzen. Teil 1 und 2. - UBA-Texte 50/03, Umweltbundesamt, Berlin: 543 S.

Züghart, W., Benzler, A., Berhorn, F., Sukopp, U. and Graef, F. 2008: Determining indicators, methods and sites for monitoring potential adverse effects of genetically modified plants to the environment: the legal and conceptional framework for implementation. - Euphytica 164, No. 3: 845-852. DOI: 10.1007/s10681-007-9475-6.

weitere Informationen

Abgeschlossene F+E -Vorhaben

 Kurzbeschreibung mehrerer F+E -Vorhaben

Letzte Änderung: 24.03.2016

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