Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Militär und Naturschutz

Bedeutung und Management von militärischen Übungsplätzen für den Naturschutz

Den Liegenschaften der Bundeswehr, insbesondere den Truppen- und Standortübungsplätzen, kommt neben ihrer militärischen Zweckbestimmung auch eine besondere Bedeutung für den Naturschutz zu. Für die drei Lebensraumtypen 2310 "Sandheiden mit Besenheide und Ginster auf Binnendünen", 2330 "Offene Grasflächen mit Silbergras und Straußgras auf Binnendünen" und 4030 "Trockene Heiden" nach Anhang I der FFH -Richtlinie sind großflächige Vorkommen fast ausschließlich auf aktiven oder ehemaligen militärischen Übungsplätzen erhalten geblieben (vgl.  Schröder et al. 2008,  NaBiV 127, Tagungsband).

Die Bedeutung der militärischen Übungsplätze für den Naturschutz wird darüber hinaus u. a. durch die Vorkommen von an die Offen- bzw. Halboffenlandlebensräume gebundenen Vogelarten des Anhangs I der Vogelschutzrichtlinie wie Brachpieper, Wiedehopf, Ziegenmelker und Neuntöter bestätigt.

Der heute anerkannt hohe Wert der militärischen Übungsplätze für den Biotop- und Artenschutz ist als Folge des teilweise jahrzehntelangen Übungsbetriebes und des damit verbundenen Landschaftsmanagements entstanden. Auf den Übungsplätzen gab es keine wirtschaftliche Nutzung und deshalb keine Flurbereinigung, bei der Hecken, Feldraine und andere wertvolle Landschaftselemente verschwanden. Ebenso gab und gibt es keine großflächigen Bodenversiegelungen und es wurden und werden dort keine Biozide eingesetzt. Während in der Landwirtschaft seit der Erfindung der Luftstickstofffixierung nahezu flächendeckend mit hohen Düngermengen gearbeitet wird, sind auf den militärischen Übungsplätzen durch ihre oft lange Bestandstradition oligotrophe Landschaften ohne Mineraldüngung mit hoher Biodiversität und zahlreichen konkurrenzschwachen Arten erhalten geblieben. Lediglich bei der Renaturierung devastierter Flächen wird kleinflächig schwach gedüngt. Die Übungsplätze sind zudem großflächig durch Freizeit und Erholung nicht oder kaum genutzte Bereiche, sodass sich gegenüber Störungen besonders anfällige Arten hier halten oder wiederansiedeln konnten.

Derzeit werden auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland 20 Truppenübungsplätze und 184 Standortübungsplätze sowie Pionierübungsplätze (Wasser/Land) durch die Bundeswehr betrieben. Die durchschnittliche Fläche der Truppenübungsplätze beträgt 7.000 ha. Sie reicht vom kleinsten Platz, Todendorf in Schleswig-Holstein, mit 28 Hektar, bis Bergen in Niedersachsen mit 28.500 Hektar. Insgesamt sind mehr als 50 % der Übungsplatzfläche in Deutschland als FFH - und/oder Vogelschutzgebiet gemeldet. Dazu kommen weitere von den Gaststreitkräften genutzte Übungsplätze.

Seit Anfang der 1990er Jahre werden auf Bundeswehrübungsplätzen flächendeckende Biotopkartierungen in Anlehnung an die jeweiligen Länderkartierungsstandards durchgeführt. Erfassungen und Bewertungen nach den Vorgaben der FFH -Richtlinie (Kartierung von Lebensraumtypen und Arten) gehören seit 2003 zusätzlich zum Standardverfahren der Bundeswehr.

Zur Umsetzung der Ziele des Umwelt- und Naturschutzes auf militärischen Übungsplätzen ist ein umfangreiches Regelwerk entstanden:

  • Die "Richtlinie zur nachhaltigen Nutzung von Übungsplätzen der Bundeswehr" ist Grundlage für die Planung, Entwicklung und Pflege der Plätze sowie den umweltverträglichen Betrieb darauf. Die militärische Nutzung hat sich an dieser Richtlinie zu orientieren.
  • Der "Leitfaden zur Durchführung der FFH -Verträglichkeitsprüfung bei Infrastrukturvorhaben und landschaftsbezogenen Vorhaben der Bundeswehr" und der "Leitfaden zur Umweltverträglichkeitsuntersuchung (UVU) bei Infrastrukturvorhaben der Bundeswehr" erfordern unter anderem eine Standortanalyse, die den Ansprüchen von Boden-, Wasser-, Biotop- und Artenschutz gerecht wird.
  • Die Berücksichtigung der Belange des Umweltschutzes im Rahmen der militärischen Nutzung erfolgt durch den Benutzungs- und Bodenbedeckungsplan (BB-Plan), der mit dem zivilen Flächennutzungsplan vergleichbar ist. Für Fragen des Natur- und Landschaftsschutzes ist dabei seit 1994 die Raumanalyse zur Naturausstattung und Geologie eine wesentliche Grundlage, die auch als Basis für Umweltverträglichkeitsuntersuchungen und FFH -Verträglichkeitsprüfungen genutzt wird.

Aus der Raumanalyse und dem BB-Plan werden für alle Übungsplätze Pflege- und Entwicklungs­pläne sowie forstliche Fachplanungen entwickelt, die militärische Erfordernisse, ökologische Aspekte und ökonomische Gesichtspunkte berücksichtigen. Dies beinhaltet auch die Erstellung von Managementplänen in Gebieten, die gemäß FFH - und Vogelschutzrichtlinie gemeldet sind. Die  Vereinbarung zum Schutz von Natur und Landschaft auf militärischen Übungsplätzen zwischen Bund und Ländern gibt dafür den Rahmen vor.

Wie die Erhaltung wertvoller Offenlandlebensräume unter den Bedingungen eines aktiven Übungsbetriebs sowie auf stillgelegten Plätzen trotz Munitionsbelastung gelingen kann, zeigen zahlreiche Beispiele, von denen einige bei einer BfN-Tagung im September 2010 vorgestellt und diskutiert wurden ( NaBiV 127, Tagungsband, s. a.  Offenlandmanagement).

 zurück

Letzte Änderung: 21.03.2011

 Artikel drucken