Coregonus oxyrinchus (Linnaeus, 1758)
"Nordseeschnäpel"
langgestreckter, silbrigglänzender Fisch aus der Familie der Renken
EU-Code: 1113*, Anh. II, IV (anadrome Populationen in bestimmten Gebieten der Nordsee)
Systematik/Taxonomie
Coregonus oxyrinchus (LINNAEUS, 1758) in der emendierten Fassung nach FREYHOF & SCHÖTER (2005) ist seit ca. 1940 weltweit ausgestorben und kam ausschließlich in Rhein, Meuse und Schelde sowie SO-England vor. Zum Zeitpunkt der Aufstellung der Richtlinie waren unter der Bezeichnung "* Coregonus oxyrhynchus (anadrome Populationen in bestimmten Gebieten der Nordsee)" u.a. die Population in der dänischen Vida gemeint, die heute zu C. maraena (BLOCH, 1779) gestellt werden (vgl. FREYHOF & SCHÖTER 2005, Journal of Fish Biology 67, 713-729). Bei diesen (in der Nordsee vorkommenden) Populationen von C. maraena handelt es sich damit um C. oxyrhynchus im Sinne von Anhang II und IV der FFH-Richtlinie.
Verbreitung
Der "Nordseeschnäpel" kommt - gestützt durch Besatzmaßnahmen - aktuell im Elbe- und Eider-Treene-System vor. Bis auf eine Population in der südjütlänischen Vida in Dänemark galt die Art bereits als ausgestorben. Seit 1987 werden in Deutschland Wiederansiedlungsprogramme durchgeführt. Bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts existierten große Populationen, die zum Laichen in die großen Flüsse wie Elbe und Weser bis weit ins Binnenland aufstiegen. Lebensräume sind die Küstengewässer und das Wattenmeergebiet.
Fortpflanzung/Biologie
Im Herbst und Winter steigt die Art in die Flüsse auf. Die Eiablage erfolgt an schnellströmenden Abschnitten mit kiesigem oder sandigem Substrat und guter Sauerstoffversorgung. Ein Weibchen legt zwischen 30.000 und 50.000 Eier ab. Die Hauptlaichzeit reicht von November bis Dezember. Die Art ernährt sich räuberisch.
Gefährdung
Querverbau in den Aufstiegsgewässern verhindert das Erreichen der Laichplätze. Außerdem führen die veränderten Fließgeschwindigkeiten in einigen Bereichen zu Verschlammung des Flussbettes. Die Netze und Reusen der Wattenmeerfischerei stellen eine weitere Gefahrenquelle für die Art dar.
Schutz
Die Durchgängigkeit sollte wiederhergestellt werden, da die Art nicht in der Lage ist, Fischtreppen o. ä. zu nutzen. Durch Kiesabbau oder Sandeintrag zerstörte Laichgebiete sollten durch Eintrag von Kiesmaterial neu geschaffen werden.
Literaturhinweis
verändert nach:
Steinmann, I. und Bless, R. (2004): Coregonus oxyrinchus (Linnaeus, 1758). In: Petersen, B., Ellwanger, G., Bless, R., Boye, P., Schröder, E., und Ssymank, A. (Bearb.): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Band 2: Wirbeltiere. - Bonn-Bad Godesberg (Landwirtschaftsverlag) - Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 69(2): 244-247.

