Bundesamt für Naturschutz

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Noch wärmer, noch trockener? Stadtnatur und Freiraumstrukturen im Klimawandel

Themengruppe:

Schutzziele, Methoden und Instrumente des Naturschutzes


FKZ:

3508 82 1800


Laufzeit:

01.10.2008 bis 31.03.2010


Problemstellung und Ziele:

Stadt und Gemeindetypen © BBR Raumbeobachtung
Karte Stadt und Gemeindetypen © BBR Raumbeobachtung
Durchgrünte Städte beeinflussen das Klima positiv
Stadt mit viel Grün
Wirkung von Bäumen auf die Oberflächentemperatur © S. Pauleit
Diagramm: Wirkung von Bäumen auf die Oberflächentemperatur © S. Pauleit
Neue Grünflächen auf nicht mehr genutzten Industriebrachen
Neue Grünflächen auf nicht mehr genutzten Industriebrachen
Aufwertung von Stadtteilen durch neue Grünflächen
Grünflächen
Schematische Darstellung des Radial-Ringsystem des Grünsystems von Leipzig © Irene Burkhardt
Grafik: Radial-Ringsystem des Grünsystems von Leipzig © Irene Burkhardt

Städte und Ballungsräume werden zum einen am deutlichsten von den Folgen des Klimawandels betroffen sein und zum anderen spielen sie eine zentrale Rolle bei der Realisierung einer klimagerechten Entwicklung. Angesichts der Tatsache, dass in Deutschland derzeit bereits über 80% der Bevölkerung in Städten und Ballungsräumen leben, gewinnt die Frage nach einer nachhaltigen und klimagerechten Stadtentwicklung an Bedeutung.

 

Schon heute muss sich eine nachhaltige Stadtentwicklung mit den absehbaren Auswirkungen des Klimawandels auf den Siedlungsraum auseinandersetzen. Aufgrund der im Vergleich zum Umland trockeneren, wärmeren und häufig gestörten Standortverhältnissen sowie erhöhter Schadstoffkonzentrationen lassen sich an Städten bereits heute die Auswirkungen des globalen Klimawandels auf Ökosysteme, Biodiversität und Lebensqualität exemplarisch ablesen. Unabhängig von regionalen Unterschieden der Auswirkungen wird der Klimawandel die extremen Standortbedingungen des urbanen Lebensraums grundsätzlich weiter verschärfen, wobei die lebensraumprägenden Mikroklimate in der Stadt durchaus unterschiedlich beeinflusst werden.

 

Grün- und Freiraumstrukturen stellen auf regionaler (Stadt-Umland), gesamtstädtischer und quartiers- bzw. (wohn-)standortbezogener Ebene wesentliche Einflussgrößen auf das Stadtklima dar. Damit kommen ihnen sowohl in Abhängigkeit von Quantität und Qualität, als auch unter Beachtung ihrer räumlichen Verteilung, Anordnung und Lage zukünftig wichtige Funktionen hinsichtlich der Entwicklung von Anpassungs- und Abpufferungsstrategien, der Erhaltung der Biodiversität und insbesondere hinsichtlich der Lebensqualität für den Menschen in urbanen Räumen und Landschaften zu.

 

Im Kontext der gesellschaftlichen Diskussion um Klimaschutz und mögliche Anpassungsstrategien an den Klimawandel ist es daher eine wichtige Aufgabe des Naturschutzes, die absehbaren Auswirkungen des Klimawandels auf Arten- und Biotopausstattung sowie auf Ausgleichs- und Wohlfahrtsfunktionen von Grünflächen und Freiraumsystemen im urbanen Raum zu analysieren und darzustellen, um darauf aufbauend sinnvolle Anpassungsstrategien zu entwickeln.

 

Eine konkrete, raumbezogene Positionierung ist seitens des Naturschutzes primär im Rahmen der Landschafts- und Grünordnungsplanung bzw. im Zuge der Integration von Naturschutzbelangen in die Bauleitplanung aber auch in informelle Stadtentwicklungskonzepte o. ä. zu leisten. Über die Stadtgrenzen und damit die Bauleitplanung hinaus sind ebenso regionale Steuerungsansätze (Stadt-Umland-Beziehungen) und damit die Integration in die räumliche Gesamtplanung von Interesse.

 

Angesichts der vielfältigen Zielsetzungen des Naturschutzes im urbanen Raum gilt es, zukunftsweisende Planungs- und Managementstrategien für Grün- und Freiflächen im urbanen Raum zu entwickeln, welche sowohl die Anpassung an den Klimawandel unterstützen, als auch einen Beitrag zum Klimaschutz, zur Erhaltung der Biodiversität, zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und insgesamt zur nachhaltigen Stadtentwicklung leisten und gleichzeitig dem demografischen Wandel Rechnung tragen.

 

Im Forschungsprojekt sollen aufbauend auf vorhandene Kenntnisse zu den Funktionen und Wohlfahrtswirkungen von Natur, Grün- und Freiraumsysteme im urbanen Raum anhand aktueller Klimaprognosen zukünftige Einflussgrößen auf diese Systeme ermittelt und ihre zukünftige Bedeutung für den Lebensraum Stadt herausgearbeitet werden.

 

Ziel des Vorhabens ist die Erarbeitung entsprechender Anpassungsstrategien auf Basis eines bundesweit übertragbaren Ansatzes für Planung und Management von Natur, Grün- und Freiraumsystemen im urbanen Raum vor dem Hintergrund des Klimawandels.

 

Die Ergebnisse des Vorhabens sollen einen Beitrag zur Unterstützung der Ziele und Maßnahmen der nationalen Biodiversitätsstrategie mit Hilfe räumlicher Planungen leisten. Ebenso sind Anknüpfungspunkte und Zielkonformitäten mit den Inhalten der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie sowie mit der in Erarbeitung befindlichen Nationalen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel herzustellen.

 

Zudem sollen die Ergebnisse des vorliegenden Forschungs- und Entwicklungsvorhabens als Grundlage für Leitlinien zur Natur- und Grünausstattung unterschiedlicher Siedlungstypen unter Berücksichtigung von verschiedenen Klimaszenarien dienen, welche dann aufbauend auf den hier zu erarbeitenden Projektergebnissen zu erarbeiten sein werden.


Forschungsnehmer:

Dr. Juliane Mathey, Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), Weberplatz 1, 01217 Dresden

Prof. Christian Bernhofer, TU Dresden, Professur für Meteorologie, 01062 Dresden


Ansprechpartner im BfN:

Alice Kube   FG II 3.1

Letzte Änderung: 17.12.2008

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