Bundesamt für Naturschutz

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Naturschutz, Artenschutz, Meeresnaturschutz

Meere brauchen Schutzgebiete und eine naturverträglichere Nutzung

  • 4. Europäische Meeresnaturschutzkonferenz in Stralsund mit Teilnehmern aus 20 Ländern vom 14. bis 18. September
  • BfN erwartet Impulse zum weiteren Schutz und zur Erforschung mariner Lebensvielfalt
wissenschaftlicher Taucher

wissenschaftlicher Taucher

Stralsund/Bonn, 9. September 2015: Die vierte Internationale Meeresschutztagung "Marine Conservation in Europe 2015" des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) findet vom 14. bis 18. September im OZEANEUM Stralsund statt. Erwartet werden rund 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 20 Ländern - auch aus Ländern außerhalb Europas. Renommierte Wissenschaftler und Naturschützer von staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen stellen den Zustand der Weltmeere, aktuellste Entwicklungen und neue Forschungsergebnisse vor und diskutieren diese. Zu dieser englischsprachigen europäischen Konferenz lädt das BfN in Kooperation mit dem OZEANEUM Stralsund alle drei Jahre ein.

Thematische Schwerpunkte der diesjährigen Konferenz sind:

•Schutzgebietsnetzwerke im Meer - weltweite Initiativen, Nordostatlantik und Nordsee, Mittelmeer, Ostsee;

•menschliche Aktivitäten im Meer, insbesondere Fischerei und Offshore-Windkraft: Aus-wirkungen auf die marine Lebenswelt und Maßnahmen zu deren Minimierung, Fischerei-Management;

•neue Methoden zur Erforschung und zum Monitoring schutzbedürftiger Arten und Lebensräume;

•Schutz bedrohter mariner Tierarten wie Schweinswale, verschiedene Seevogelarten und benthischer (am Meeresboden lebender) Organismen wie der Europäischen Auster.

"Unsere seit vielen Jahren etablierte Konferenzreihe ist inzwischen ein fester Bestandteil des eu-ropäischen und internationalen Meeresnaturschutzes. Auch in diesem Jahr erwarten wir wieder wichtige Impulse für die Arbeit zum Schutz der biologischen Vielfalt im Meer", sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. "Das Ziel des Übereinkommens zum Schutz der biologischen Vielfalt, bis zum Jahr 2020 zehn Prozent der Weltmeere unter Schutz zu stellen, liegt in einigen Gebieten noch in weiter Ferne. Doch in vielen Meeren Europas haben wir in den letzten Jahren auch entscheidende Fortschritte erzielt." Diese werden auf der Konferenz vorgestellt und können für andere Regionen beispielgebend sein. Gleichzeitig sind in den Meeren zunehmende wirtschaftliche Aktivitäten festzustellen - mit gravierenden negativen Auswirkungen auf viele Arten und Lebensräume. "Im Sinne eines an der Funktion von Ökosystemen orientierten Ansatzes geht es deshalb zum einen darum, Schutzgebiete zu schaffen und auch gut zu managen. Zum anderen müssen die Nutzungen im Meer deutlich naturverträglicher gestaltet werden, allen voran die Fischerei", erklärte Prof. Jessel.

Ein großer Themenblock umfasst mehrere Vorträge über Fischerei und Fischereimanagement, auch in Schutzgebieten. BfN-Präsidentin:" Vor dem Hintergrund der neuen EU-Fischerei-Reform erwarte ich, dass auf der Konferenz vor allem die europäischen und deutschen Initiativen zur Entwicklung nachhaltiger und umweltschonender Fanggeräte und -techniken großes Interesse finden werden".

Ein weiterer Themenschwerpunkt ist die Vorstellung von Projekten und Methoden zum Monitoring von marinen Lebensräumen und Arten. Denn die regelmäßige Umweltbeobachtung im Meer - das marine Monitoring - ist vielen Schwierigkeiten ausgesetzt. Diese reichen von Wind, Wetter und Wellengang über die Erreichbarkeit der Untersuchungsstandorte bis hin zu den Fluchtdistanzen der sensiblen marinen Arten. Hier bedarf es besonderer Techniken und Methoden, in denen Deutschland und seine europäischen Partner zukunftsweisend tätig sind.

Dies gilt auch bei den Forschungsprojekten zur Offshore-Windkraft. Wissenschaftler präsentieren auf der Konferenz Ergebnisse, die insbesondere die Auswirkungen der Windparks durch Lärm thematisieren - noch immer eines der Kernprobleme der Offshore-Windkraft. Doch auch der Status Quo und neue Entwicklungen bei den Maßnahmen zur Lärmvermeidung werden vorgestellt. "Hier hat Deutschland inzwischen eine Vorreiterrolle in Europa übernommen", erläuterte Prof. Jessel. "Der Einsatz für mehr Lärmschutz und damit zum Schutz der sensiblen Schweinswale hat sich schon gelohnt. Doch wir dürfen in unseren Anstrengungen nicht nachlassen. Dieses gilt ganz besonders für das noch weitgehend ungelöste Problem des Schutzes der Vögel vor Gefahren der Offshore-Windkraftanlagen. Die Konferenz trägt dazu bei, Erfolge weiter zu transportieren und Risiken für bedrohte Arten weiterhin im Auge zu behalten."

Eine andere, bodenlebende marine Art steht derzeit ebenfalls im Fokus des BfN: die Europäische Auster. Das BfN prüft die Möglichkeiten einer Wiederansiedlung dieser ehemals in der deutschen Nordsee sehr häufigen, heute aber ausgestorbenen