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Der Wert der Natur muss bei Entscheidungen mehr Berücksichtigung finden

  • Jessel: "Die Bewertung von Ökosystemleistungen kann zur Erhaltung unserer Lebensgrundlagen beitragen"

Bonn/Vilm, 24. Mai 2013: Der Wert der Natur muss bei Entscheidungen von Politikern und Investoren mehr Berücksichtigung finden, so die zentrale Forderung von Fachleuten aus 25 Staaten zum Abschluss eines Workshops an der Internationalen Naturschutzakademie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) auf der Insel Vilm. Dies betrifft neben den ökonomischen auch die sozialen und kulturellen Leistungen von Ökosystemen. Feuchtgebiete tragen zum Beispiel zur Wasserreinhaltung und damit zur menschlichen Gesundheit bei. Mangrovenwälder erbringen wertvolle Leistungen für den Hochwasserschutz und die Fischerei. Städtische Grüngürtel führen zu einer erheblichen Verbesserung der Luftqualität in Großstädten. Grundlage für die Erzeugung zahlreicher Nahrungsmittel ist die Bestäubung von vielen Kulturpflanzen durch Insekten.

Diese Leistungen der Natur müssen auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben. Dazu ist es erforderlich ihren Wert zu ermitteln und anschließend in räumliche Planungsansätze, betriebswirtschaftliche Bilanzen und Produktketten oder volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen einzubringen, so das Fazit der Fachleute. "Anhand nachvollziehbar aufbereiteter Bewertungen lassen sich Politikempfehlungen für Entscheidungsträger ableiten. Denn es geht nicht nur darum, die Auswirkungen von wirtschaftlichen Maßnahmen auf Natur und Umwelt einschätzen, sondern im Gegenzug auch deutlich zu machen, welche ökonomischen und darüber hinaus reichenden Werte und Leistungen die Natur für uns erbringt. Insbesondere über ökonomische Inwertsetzungen kann endlich eine Basis geschaffen werden, die Verursacher von Umweltproblemen an den Kosten der Wiederherstellung zu beteiligen", sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel aus Anlass des heute zu Ende gehenden Workshops zum Thema Ökonomie von Ökosystemen und Biodiversität (TEEB, The Economics of Ecosystems and Biodiversity) an der Internationalen Naturschutzakademie des BfN auf Vilm.

An dem Workshop nahmen Expertinnen und Experten aus 25 Staaten teil, die in ihren Ländern sogenannte TEEB-Studien durchgeführt haben. Die Studien zeigen, welcher enorme Nutzen für das menschliche Wohlergehen durch die Nutzung von Ökosystemleistungen und Biodiversität entsteht. Darüber hinaus können die Ergebnisse der Studien dazu beitragen die "Green Economy" umzusetzen, die von der UNO im vergangenen Jahr beim Rio+20-Gipfel als zentrales strategisches Instrument für nachhaltige Entwicklung benannt wurde und dem sich auch die Bundesregierung verpflichtet sieht. "In einer Green Economy sollen Investitionen aus öffentlichen Mitteln dorthin gelenkt werden, wo sie auch in Zukunft den Erhalt von natürlichen Ressourcen sicherstellen. Biodiversität und Ökosysteme stellen die Grundlage des menschlichen Wohlergehens dar. Die TEEB-Bewertungen können dabei helfen, geeignete Investitionen für ihren Erhalt auszuwählen", so Jessel.

Aber auch für die Nutzung der Ergebnisse auf lokaler oder sogar betrieblicher Ebene gibt es laut den Fachleuten großes Potenzial. So sind Unternehmen z.B. durchaus an Informationen über die Auswirkungen ihrer Handels- und Lieferketten auf Ökosystemleistungen interessiert. "Die Bemühungen in Deutschland von Seiten staatlicher Organisationen und der Wissenschaft, den Wert von Biodiversität auch im Unternehmenssektor bekannt zu machen, sind vorbildhaft", so Nicolas Bertrand, der Leiter des TEEB Büros des UN Umweltprograms.

Der Workshop wurde vom BfN gemeinsam mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und dem Forschungsinstitut Alterra aus Wageningen in den Niederlanden organisiert. Zu den Teilnehmern gehören auch Vertreter der EU Kommission und der Europäischen Umweltagentur.

Hintergrund:

Im Jahr 2005 haben die Vereinten Nationen die Ergebnisse des Millennium Ecosystem Assessments vorgestellt. Darin wurde der Zustand der Ökosysteme durch die Analyse und Bewertung ihrer Leistungen für das Überleben auf unserem Planeten dargestellt. Im Rahmen der deutschen G8-Präsidentschaft initiierte Deutschland 2007 gemeinsam mit der Europäischen Kommission die internationale TEEB-Studie. Ihr Ziel war es, Ökosystemdienstleistungen einen Wert beizumessen, um der weltweiten Naturzerstörung mit ökonomischen Gegenargumenten entgegenzutreten. In den vergangenen Jahren wurden Berichte für verschiedene Zielgruppen und zu unterschiedlichen Ökosystemen veröffentlicht. Deutschland arbeitet seit 2012 an einer nationalen TEEB-Studie (http://www.naturkapitalteeb.de/aktuelles.html). Schwerpunkte der deutschen Studie sind neben Biodiversität und Unternehmen die Ökosystemleistungen urbaner und ländlicher Räume sowie das Thema Klimapolitik und Naturkapital.


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Letzte Änderung: 24.06.2016

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