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Naturschutz, Artenschutz, Bundesprogramm Biologische Vielfalt

"ArKoNaVera": Verbundprojekt zum Erhalt von Muschelarten gestartet

  • Flussperlmuschel soll in heimische Gewässer zurückkehren
  • Übergreifende Wirkung für den Artenschutz und Gewässerschutz
Adulte Muscheln

Adulte Muscheln - Foto: Michael Lange

Nachzucht

Nachzucht - Foto: Michael Lange

Berlin/Bonn, 27. November 2015: Ein groß angelegtes Artenschutzprojekt zur Stabilisierung der Bestände und zur Wiederherstellung der Fortpflanzungsfähigkeit der Flussperlmuschel und der Großen Malermuschel hat begonnen. Es umfasst auf der Basis von aktuellen Forschungsergebnissen sowohl die Nachzucht und die Wiederansiedlung von Jungmuscheln als auch biotopverbessernde Maßnahmen. Das Verbundvorhaben wird gemeinsam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) mit insgesamt rund 5,3 Millionen Euro gefördert. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) begleitet das Projekt "ArKoNaVera" fachlich.

Auch wenn ihr Name anderes vermuten lässt: Flussperlmuscheln bilden nur sehr selten Perlen aus. Sie benötigen hierfür viele Jahre - häufig Jahrzehnte. Großmuscheln, zu denen Flussperl- und Malermuschel gehören, waren in den heimischen Fließ- und Stehgewässern bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch ausgesprochen häufig anzutreffen. Flussperlmuschel und Malermuschel gehören sowohl deutschlandweit als auch weltweit zu den stark gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Arten. Zurückzuführen ist der Rückgang insbesondere auf wasserbauliche Maßnahmen, den Eintrag von Feinschlamm in die Gewässer und die allgemeine Verschlechterung der Lebensraum- und Gewässerqualität.

"Weil in Deutschland ein Großteil der mitteleuropäischen Vorkommen der beiden Muschelarten lebt, haben wir eine besonders hohe Verantwortung diese Arten zu schützen", sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. "Beide Muschelarten reagieren als Filtrierer auf Veränderungen ihres Lebensraumes, wie Sedimenteinträge ins Wasser, besonders sensibel. Ihr Zustand lässt damit Rückschlüsse auf die Intaktheit von Gewässerökosystemen zu und ihr Schutz ist gleichzeitig auch Gewässerschutz. Zur Verbesserung der Lebensräume muss eine Reduzierung der Sedimenteinträge erfolgen. Maßgeblich ist hierfür auch die Einbeziehung der Landwirtschaft", erklärte Prof. Jessel.

Das Projekt "ArKoNaVera" soll unter anderem Erkenntnisse darüber liefern, an welchen Orten und mit welchen Maßnahmen die Flussperlmuscheln am wirksamsten erhalten werden können. Eine zentrale Rolle in der Forschung nimmt dabei auch der Einfluss des Klimawandels ein. Während der Projektlaufzeit von sechs Jahren entwickeln die Projektpartner außerdem Instrumente, über die potenziell geeignete Habitate für die Wiederansiedlung der Muscheln identifiziert werden sollen. Zudem wird untersucht, welche Maßnahmen zur Erhaltung und Renaturierung ihrer Lebensräume am besten geeignet sind. Spezielle Methoden der Muschelzucht sollen zu stabilen Populationen führen. Die Schutzmaßnahmen werden sich zunächst auf Niederbayern und Sachsen beschränken - das Projekt mündet jedoch langfristig in ein überregional anwendbares Artenschutzkonzept.

Das Muschelschutzprojekt wäre ohne die enge Zusammenarbeit von Forschern und Umsetzungspartnern nicht denkbar. Koordiniert wird "ArKoNaVera" von der Technischen Universität Dresden. Weitere Forschungspartner sind das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, die Technische Universität München und das Fraunhofer-Zentrum für Mittel- und Osteuropa. Umgesetzt wird das Projekt durch eine eigens gebildete Trägergemeinschaft zur Rettung der Flussperlmuschel in Niederbayern, den Naturschutzfonds der sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, die Untere Naturschutzbehörde des Vogtlandkreises und die Gesellschaft für Wasserwirtschaft, Gewässerökologie und Umweltplanung in Sachsen. "Forschung und Umsetzung sind in diesem Projekt vorbildlich miteinander verknüpft. Indem Expertenwissen gebündelt wird, entstehen Maßnahmen für die Praxis. Wir wollen so erreichen, dass die Flussperlmuschel wieder in unsere heimischen Gewässer zurückkehrt und gleichzeitig die biologische Vielfalt in Deutschland stärken", sagte die BfN-Präsidentin.

Hintergrund
Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt

Die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) wird seit 2011 durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt. Gefördert werden Vorhaben, denen im Rahmen der NBS eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung zukommt oder die diese Strategie in besonders beispielhafter Weise umsetzen. Die geförderten Maßnahmen tragen dazu bei, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und mittel- bis langfristig in einen positiven Trend umzukehren. Sie dienen dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung sowie der Entwicklung der biologischen Vielfalt und gehen über die rechtlich geforderten Standards hinaus. Akzeptanzbildende Maßnahmen der Informationen und Kommunikation tragen dazu bei, das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt zu stärken.

Weitere Informationen zum Bundesprogramm: www.biologischevielfalt.de/bundesprogramm.html

Die Förderinitiative F&U-NBS

Möglich wird das Projekt "ArKoNaVera" - Artenschutzkonzept für die beiden nationalen Verantwortungsarten Flussperlmuschel und Malermuschel - durch die gemeinsame Förderinitiative "Forschung zur Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie (F&U-NBS)" von BMBF und BMUB. Im Rahmen der Förderinitiative werden Projekte finanziert, die anwendungsorientierte Strategien und beispielhafte Maßnahmenkonzepte zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt entwickeln. Strategisches Ziel der beiden Bundesministerien ist es, Forschung und Umsetzung in lösungsorientierten Verbundprojekten eng miteinander zu verzahnen. Das BMBF finanziert aus Mitteln des Forschungsrahmenprogramms "Forschung für nachhaltige Entwicklung (FONA)" hierbei Teilprojekte, in denen die Forschungsfragen des Projektes bearbeitet werden, und das BfN fördert mit Mitteln des BMUB aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt Teilprojekte, die sich den Umsetzungsmaßnahmen widmen. Neben dem groß angelegten Artenschutzprojekt für die Perlmuscheln werden über die F&U-NBS Förderinitiative weitere Verbundprojekte zum Schutz der biologischen Vielfalt gefördert. Die Themen der Projekte sind so vielfältig wie die Ziele der Nationalen Strategie für Biologische Vielfalt.

Das Gesamtfinanzvolumen des Projektes liegt bei 6,1 Millionen Euro. Die Bundesmittelfördersumme von BMUB und BMBF liegt bei rund 5,3 Millionen Euro. 

Weitere Informationen zum Projekt unter:

www.nbs-forschung-umsetzung.de/285.php

www.biologischevielfalt.de/bp_projekte_laufend.html


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Letzte Änderung: 31.05.2016