Bundesamt für Naturschutz

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Naturschutz, Artenschutz

Zwergschwan und Brandgans im Sinkflug

  • Neue Publikation "Vögel in Deutschland 2011" bilanziert die Bestandssituation unserer Wasservögel
  • Erste Erfolge beim Wasservogelschutz

Bonn/Münster, 12. Juli 2012: Die Bemühungen um den Schutz wandernder Wasservogelarten haben in Deutschland erste Erfolge gebracht, wie die heute gemeinsam vom Bundesamt für Naturschutz (BfN), dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten herausgegebene Publikation "Vögel in Deutschland 2011" bilanziert. Trotzdem sind viele Wasservogelarten auf weitere Schutzmaßnahmen angewiesen.

"Die Fortschritte beruhen vor allem auf der Ausweisung wichtiger Überwinterungsgebiete als Schutzgebiete und auf Einschränkungen der Jagd", sagte BfN-Präsidentin, Beate Jessel. Die positive Bestandsentwicklung vieler Wasservogelarten, wie z.B. Kranich und Teichhuhn, werde zudem von einem Faktor begünstigt, der sonst eher mit dem Verlust von Artenvielfalt in Verbindung gebracht werde - dem Klimawandel. Mildere Winter verringern witterungsbedingte Verluste unter den hier überwinternden Wasservögeln. In einigen Fällen kam es zusätzlich zu einer Verlagerung der ehemals im Südwesten Europas gelegenen Winterquartiere nach Mitteleuropa, wodurch die hiesigen Bestandszahlen anstiegen.

Zurücklehnen könne man sich beim Vogelschutz aber nicht, denn "es gibt auch Sorgenkinder, die uns zu entschlossenem Handeln zwingen, wenn wir ihre Bestände nachhaltig sichern wollen", fügte die BfN-Präsidentin hinzu. Betroffen sind vor allem Zwergschwan und Waldsaatgans, die auf dem Zug und im Winter hauptsächlich in den Flussniederungen Norddeutschlands anzutreffen sind, sowie Ringelgans und Brandgans, die im Wattenmeer rasten und mausern. Ihre Bestände sind stark zurückgegangen. Für den Schutz dieser Arten trägt Deutschland eine besonders hohe Verantwortung, da sich im Bundesgebiet zeitgleich große Teile des Weltbestandes aufhalten. "Um eine Trendumkehr zu bewirken sind intensivere Schutzmaßnahmen erforderlich. Störungen müssen vermieden und die Jagd auf diese Arten eingestellt werden", so Jessel. Rückendeckung für weitreichende Maßnahmen sind ebenfalls von der Bevölkerung vor Ort zu erwarten, denn die alljährlich durchziehenden Massen von in der Arktis brütenden Ringelgänsen und ihren Verwandten ziehen inzwischen Scharen von Erholungssuchenden und Naturbegeisterten an. Dadurch sind sie zu einem beachtlichen Wirtschaftsfaktor geworden.

Zu den stark zurückgehenden Arten gehören auch viele Muscheln fressende Wasser- und Watvogelarten, "allen voran der Austernfischer, Charaktervogel des Wattenmeeres, dessen Rast- und auch Brutbestände in den vergangenen 20 Jahren um etwa die Hälfte abgenommen haben", sagte Bernd Hälterlein, Vorsitzender des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten. "Die Ursachen für diese besorgniserregende Entwicklung müssen dringend erforscht werden, um dann auf dieser Grundlage zusammen mit den anderen Wattenmeer-Anrainerstaaten möglicherweise notwendige Schutzmaßnahmen planen und umsetzen zu können", forderte Hälterlein.

Hintergrund

In Deutschland wurden seit den 1960er Jahren in über 3.000 Feuchtgebieten Wasservögel gezählt, davon jährlich in über 1.500 Gebieten. In allen international und national sowie den meisten landesweit bedeutenden Gebieten werden regelmäßig Zählungen durchgeführt. Über 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich aktuell beim Monitoring rastender Wasservögel. Sie erbringen jährlich eine Leistung von mehr als 100.000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit und machen Bilanzierungen, wie sie in "Vögel in Deutschland 2011" dargestellt werden, erst möglich. In Deutschland deckt das Monitoring rastender Wasservögel den Großteil der hier regelmäßig vorkommenden Wasservogelarten ab. Das Programm wird vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) bundesweit koordiniert, Bund und Länder leisten dauerhaft finanzielle Unterstützung.

Zum Schutz wandernder Wasservögel und von Feuchtgebieten wurden internationale Regelwerke,wie die bereits über 40