Bundesamt für Naturschutz

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Offshore-Windparks

Ausbauplanung und aktueller Stand

Für eine umweltschonende Energieversorgung plant die Bundesregierung den naturverträglichen Ausbau der Nutzung von Offshore-Windenergie bis 2020 mit 6,5 GW und 2030 mit 15 GW Leistung.

Mit Stand vom April 2016 sind in den deutschen Meeresbereichen von Nord- und Ostsee (Küstenmeer und AWZ) 14 Offshore-Windparks mit  789 Turbinen und rund 3200 MW (3,2 GW) installierter Leistung am Netz. 7 weitere Projekte mit über 378 Windenergieanlagen und zusammen über 2 GW sind im Bau.

Darüber hinaus sind weitere 18 Windparks mit mehr als 1.170 Turbinen und fast 6 GW Leistung genehmigt. Zusätzlich sind zurzeit noch 90 Windparks beantragt, die zusammen über 34,5 GW Leistung bringen sollen. In der Summe sind damit ca. 129 Offshore-Projekte (vgl. Tab. Aktueller Stand des Ausbaus) in Betrieb, im Bau, genehmigt oder geplant (Stand April 2016), die mit einer installierten Gesamtleistung von mehr als 45 GW dem Dreifachen der Ausbauziele für 2030 entsprechen.

Im März 2015 informierte das BSH, dass für verschiedene Offshore-Windenergievorhaben derzeit keine Planrechtfertigung besteht, weil gemäß  Offshore-Netzentwicklungsplan 2014 (2. Entwurf) in den nächsten 10 Jahren kein Netzanschluss vorgesehen ist und zusätzliche Planfeststellungen auf absehbare Zeit nicht von den Zielen des EEG und EnWG umfasst werden. In der Nordsee handelt es sich um mehr als 60 küstenfernere Vorhaben, in der Ostsee betrifft dies 5 Vorhaben.

Der  aktuelle Verfahrensstand zu den Offshore-Windparks in der AWZ (ohne Küstenmeer) ist auf der Internetseite des BSH abrufbar.

Aktueller Stand des Ausbaus von Offshore-Windpark in der AWZ

Darstellung der Anzahl Offshore-Windparks (geplant, im Bau, in Betrieb) sowie der Windkraftanlagen, in Ost- und Nordsee, in der AWZ und 12 Seemeilen-Zone. Schwerpunkt des Ausbaus ist in der AWZ der Nordsee (14 Windparks in Betrieb, weitere 7 im Bau).

Für den Bereich der AWZ ist das  BSH die zuständige Genehmigungs- bzw. Planfeststellungsbehörde. Das BfN als die für diesen Meeresbereich zuständige Naturschutzbehörde nimmt im Rahmen der Zulassungsverfahren für Offshore-Windparks in der AWZ Stellung. Innerhalb der 12 sm-Zone, d. h. im Bereich der Küstengewässer, liegt die Zuständigkeit für die Zulassung von Anlagen bei den jeweiligen Landesbehörden.

Die Bundesregierung hat in ihrer Strategie zur Windenergienutzung auf See 2002 als einen der strategischen Eckpunkte festgelegt, dass diese Energieform umwelt- und naturverträglich gestaltet werden soll. U. a. dazu wurden potenzielle Eignungsgebiete für Windkraftanlagen in der AWZ von Nord- und Ostsee identifiziert.  Auch um angesichts der großen Zahl an Verfahren innerhalb der deutschen Meeresgebiete vorausschauende Planung zu betreiben und dabei bereits im Vorfeld mögliche Nutzungskonflikte zu entschärfen, hat der Gesetzgeber mit der Novellierung des Raumordnungsgesetzes (ROG) zum 20. Juli 2004 die Grundlage für eine   Raumordnung in der AWZ geschaffen und in der Folge Vorranggebiete für Windenergie in der AWZ ausgewiesen.

Im Hinblick auf die strukturierte Entwicklung der Windkraftnutzung auf See stellen derzeit der jährlich durch das BSH aufzustellende  Bundesfachplan Offshore (BFO) sowie der  Offshore-Netzentwicklungsplan (O-NEP) der  Bundesnetzagentur (BNetzA) maßgebende Instrumente dar. Unter Zugrundelegung von Planungsgrundsätzen und standardisierten Technikvorgaben soll dabei die Netzanbindung der Offshore-Windparks im Sinne einer koordinierten und aufeinander abgestimmten Gesamtplanung durch Clusterlösungen optimiert werden.

Auswirkungen der Offshore-Windkraft

Durch den Bau und Betrieb von OWP sind über die unmittelbare Flächenbeanspruchung hinaus, die ggf. auch gesetzlich geschützte Biotope betrifft, weitere Auswirkungen zu beachten, die das marine Ökosystem z. T. erheblich beeinträchtigen können. Neben dem Verlust von Rast- und Nahrungshabitaten bestimmter Seevögel, der Kollisionsgefahr mit und Barrierewirkungen von Anlagen für den Vogelzug sind weitreichende Störungen mariner Säugetiere (bspw. des Schweinswals) durch Hydroschallemissionen, die bei der Installation der Gründungsstrukturen entstehen, möglich.

Einen Überblick über die besonders relevanten Auswirkungen aus Sicht des Naturschutzes gibt folgende Tabelle:


Dargestellt sind die wesentlichen Auswirkungen von Offshore- Windkraftanlagen aus Sicht des Naturschutzes. Unterschieden wird zwischen Bau- und Betriebsphase, Ursachen, den damit verbundenen Auswirkungen sowie Beeinträchtigungen.

Weitergehende Informationen zum Thema sind auf der  Seite des BfN zum Meeresnaturschutz zusammengestellt.

Position des BfN

Ziel des BfN ist es, den Ausbau der Offshore-Windkraftnutzung möglichst naturverträglich zu gestalten. Um erhebliche Beeinträchtigungen der marinen Arten und Lebensräume sowie des Vogelzugs zu vermeiden, sind nach Ansicht des BfN zur Nutzung der Offshore-Windenergie geeignete Vermeidungs- und Verminderungsmaßnahmen beim Bau von Offshore-Windparks durchzuführen. Hierzu zählen unter anderem:

  • Wahl geeigneter Standorte für die Windenergieanlagen,
  • Wahl möglichst geräuscharmer Gründungsvarianten (z. B. Schwergewichts- oder Bucketfundamente) oder Einsatz  schallminimierender Maßnahmen bei der Rammung von Fundamenten  (z. B. Blasenschleier), um die Lärmbelastung und dadurch auftretende Gehörschädigungen von marinen Säugetieren und Fischen zu vermeiden,
  • in besonders wichtigen Fortpflanzungsgebieten für Schweinswale Durchführung lärmintensiver Bauarbeiten außerhalb der sensiblen Paarungs- und Kalbungszeiten,
  • Festsetzung geeigneter Minderungs- oder Vermeidungsmaßnahmen, um bspw. Seevögel vor Kollisionen mit den Rotoren und den Anlagenmasten zu schützen (z. B. Wahl einer Anlagenbeleuchtung mit möglichst geringen Anlockeffekten bzw. Abschaltung der Anlagen bei besonders intensiven Vogelzugaufkommen)

Bewertungsgrundlagen des BfN

 Schallschutzkonzept
Rammungen von Fundamenten ohne aktiven Schallschutz sind unzulässig. Die Einhaltung der vom UBA empfohlenen und durch BSH verbindlich etablierten Lärmschutzwerte (160 dB (SEL5) und 190 dB (SPL) in 750 m Entfernung zur Schallquelle) ist jahreszeitenunabhängig zu gewährleisten, um zu verhindern, dass es zu einer Tötung oder Verletzung von marinen Säugetieren wie dem Schweinswal als einzige in deutschen Gewässern vorkommende Walart kommt. Des Weiteren enthält das Schallschutzkonzept Maßgaben für die Bewertung schallintensiver Rammarbeiten in bestimmten Bereichen zu besonders sensiblen Zeiten.

 Positionspapier zur Bewertung des Seetaucherhabitatverlustes
Stern- und Prachttaucher zeigen nach derzeitigem Kenntnisstand aufgrund der von den Anlagen ausgehenden Scheuchwirkung ein starkes Meidungsverhalten gegenüber Offshore-Windparks. Eine störungsbedingte Vertreibung stellt einen direkten Verlust von Nahrungs- und Rasthabitaten dar. Daher wurde auf der Basis der aktuellen Erkenntnisse zu Seetaucherdichten ein sogenanntes „Hauptkonzentrationsgebiet von Seetauchern“ in der dt. AWZ der Nordsee identifiziert. Damit liegt ein qualitatives Kriterium bei der Bewertung der kumulativen Auswirkungen hinsichtlich des Habitatverlusts für Seetaucher vor.

 Fachkonvention zur Bewertung der Erheblichkeit bei § 30-Biotopen in der AWZ
Die Methodik zur Bewertung der Erheblichkeit von Beeinträchtigungen gesetzlich geschützter Biotope in der AWZ lehnt sich eng an die inzwischen verwaltungsgerichtlich anerkannten  BfN-Fachkonventionen von LAMBRECHT & TRAUTNER (2007) zur FFH -Verträglichkeitsprüfung an. Da es, anders als bei der für FFH -Gebieten entwickelten Fachkonvention, für den Biotopschutz gem. § 30 BNatSchG keinen „Schutzgebietsbestand“ gibt, ist das jeweils abgrenzbare betroffene Biotop (Vorkommen) der Bezugsgegenstand für die Bewertung. Eine Beeinträchtigung kann im Einzelfall als nicht erheblich eingestuft werden, wenn Kriterien zu verschiedenen qualitativ-funktionalen, quantitativ absoluten und relativen sowie kumulativen Aspekten erfüllt sind und alle Wirkfaktoren berücksichtigt werden.

Weitergehende Hinweise zur Definition und Abgrenzung der Biotope können auch den  BfN-Kartieranleitungen und Hinweisen für § 30-Biotope in der deutschen AWZ (sowie dem  Interpretation Manual der EU-Kommission (2007)) entnommen werden

Letzte Änderung: 06.06.2017

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