Bundesamt für Naturschutz

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Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg

Hintergrund

Typische Landschaft des Vogelsberges außerhalb der geschlossenen Waldgebiete. Foto: Sebastian Stang
Landschaft des Vogelberges

Beim mitten in Hessen gelegenen Vogelsberg handelt es sich um das größte zusammenhängende Basaltmassiv Mitteleuropas. Die höchsten Lagen werden von Buchenwäldern, Fichtenforsten, Edellaubholz-, und Bruchwäldern und einem Hochmoor eingenommen. Dem vorgelagert ist im Regelfall montanes Grünland, zumeist in Form blütenreicher Bergmähwiesen, zuweilen auch als Borstgrasrasen. In tieferen Lagen nimmt der Ackeranteil zu, dort finden sich neben Flachland-Mähwiesen und Feuchtwiesen auch Teiche und zahlreiche Hecken. Das gesamte Bergmassiv ist Ausgangspunkt zahlreicher kleinerer Fließgewässer inkl. einer Vielzahl von Quellen.

Besonders gefährdet sind insbesondere die verschiedenen Grünland-Biotope. Zu den bundesweit gefährdeten Pflanzenarten zählen u. a. Kleines Knabenkraut, Moor-Klee, Trollblume, Arnika, Wald-Läusekraut und Pracht-Nelke. Die naturschutzfachliche Qualität des Gebietes belegen zudem die Vorkommen von u. a. Sumpfspitzmaus, Grauem Langohr, Raubwürger, Bekassine, Schwarzstorch, Bachneunauge, Randring-Perlmuttfalter, Edelkrebs, Eremit, Hirschkäfer, Rhön-Quellschnecke und Bachmuschel.

Das gesamte Fördergebiet ist Bestandteil eines EU-Vogelschutzgebietes sowie des Naturparkes Vogelsberg, große Anteile sind auch als FFH -Gebiete ausgewiesen.

Das Projekt

Das Leitbild des Projekts verfolgt drei Hauptzielrichtungen:

  • Erhalt und Entwicklung der einzigartigen Kulturlandschaft, insbesondere der Offenlandlebensräume
  • Naturschutzfachliche Aufwertung der Waldlebensräume sowie der gewässerreichen Lebensräume
  • Erhalt und Förderung des Reichtums an seltenen bzw. gefährdeten Arten und Lebensgemeinschaften

Eine typische Art der Bergmähwiesen ist die bundesweit stark rückläufige Arnika
Wiese mit Schmetterlingen auf zwei Arnikablüten

Aus den Gefährdungen und dem Leitbild wurden folgende Projektziele für die 53 Fördergebiete, die insgesamt 7590 ha umfassen, abgeleitet:

Für die Offenland-Lebensräume die Erhaltung und Sicherung extensiver Grünlandgesellschaften, die Schaffung artenreichen Grünlandes, die Einbindung der naturschutzgerechten Grünlandbewirtschaftung in ökonomisch tragfähige Produktionskreisläufe, die Erhaltung und Sicherung extensiver Ackergesellschaften, die Sicherung der Heckenlandschaft sowie die Erhaltung und Sicherung von Niedermooren und Quellen.

Projektziel für die Wald-Lebensräume sind die Erhaltung und Sicherung der wertvollen Wald-Lebensräume, insbesondere der Buchenwälder, die Entwicklung von Prozessschutzflächen auf 240 Hektar, die Regeneration forstlich überformter Bestände sowie die Erhaltung und Sicherung von Sonderstandorten wie Felsen, Quellen und Blockhalden.

In den Feuchtlebensräumen werden folgende Projektziele verfolgt: die Regeneration der überprägten Quellen, die Fließgewässer-Renaturierung und Schaffung von Durchgängigkeit, die Regeneration von Mooren, Feuchtwäldern und Stillgewässern sowie eine dezentrale Wasserrückhaltung.

Im Projekt I wurde in enger Abstimmung mit der Region als Planungsgrundlage für die Projektumsetzung der flächenscharfe Pflege- und Entwicklungsplan für die Fördergebiete erstellt. Für das Projekt II (die Umsetzungsphase) wurden ab 2015 für 10 Jahre insgesamt rd. 9,4 Mio. € zur Verfügung gestellt, wobei der Bund 6,1 Mio. € und das Land Hessen 2,4 Mio. € übernehmen. Der Verein Natur- und Lebensraum Vogelsberg e.V. als Projektträger beteiligt sich mit 0,9 Mio. €.


Ausblick

Flachland-Mähwiesen des Vogelsberges beherbergen noch Populationen der FFH -Art Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Foto: Wolfgang Wagner
Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling auf Mähwiesen

Die ersten Projektmaßnahmen umfassten die Entfichtung und Grabenverfüllung eines Übergangsmoores, um dessen Wiedervernässung und Renaturierung zu fördern, die Detailplanung zur Renaturierung des Eisenbaches (geplant ist die Entnahme aller Wanderhindernisse zur Förderung wassergebundenen Organismen) sowie die Gewinnung von Wiesendrusch zur Beimpfung von artenarmen Grünlandbeständen, um deren Artenvielfalt zu fördern. Diese Maßnahme soll im Fördergebiet großflächig angewendet werden, was aus bundesweiter Sicht beispielgebend ist und zur Nachahmung anregt.

In den Folgejahren sind eine Vielzahl von Maßnahmen geplant, um die Biotopqualität der 53 Fördergebiete zu bewahren bzw. erhöhen. Dazu zählen insbesondere Flächenerwerb, Langfristpacht, die Gewährung langfristiger Ausgleichzahlungen sowie diverse biotoplenkende Maßnahmen.

Die im Gebiet eingetretenen und zukünftigen Entwicklungen sollen durch Erfolgskontrollen, u.a. durch fortgesetzte Untersuchungen zur Grünland-, Moor-, und Waldentwicklung, zur Gewässerökologie sowie zur Entwicklung ausgewählter Ziel- und Indikatorarten begleitet werden.

Publikationen / weiterführende Links

 Projektwebseite

Laufzeit

Projekt I: November 2010 bis Dezember 2013

Projekt II: Januar 2015 bis Dezember 2024

Projektnehmer

Verein Natur- und Lebensraum Vogelsberg e. V. 

Adolf-Spieß-Str. 34

36341 Lauterbach

Tel: 06641-9773528

Beteiligte Partner

  • BMUB/BfN
  • Hess. Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
  • Verein Natur- und Lebensraum Vogelsberg e. V.

Fachbetreuung

 Dr. Volker Scherfose, FG II 2.3 "Gebietsschutz/Großschutzgebiete"

Weitere Informationen

Märzenbecher - eine charakteristische Art der Feuchtwälder des Vogelsberges (Foto: Wolfgang Wagner)
Märzenbecher - eine charakteristische Art

Letzte Änderung: 01.09.2015

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