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Naturschutz/ Stadtökologie/ Wissenschaft / Stadtwälder

Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben in Leipzig:

  • Wälder inmitten der Stadt – ein neuer Ansatz im Stadtumbau

Leipzig/Bonn 22. Februar 2008: Gefördert vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) führt das Stadtplanungsamt als Projektträger der Stadt Leipzig ein Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E-Vorhaben) zum Thema "Urbane Waldflächen" durch. Zum Abschluss der Voruntersuchung fand gestern ein Expertengespräch im Neuen Rathaus statt.
"In der integrierten Stadtentwicklung ist heute die Verbindung von städtebaulichen Zielen mit Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltsituation selbstverständlich. Wir betrachten die Entwicklung von Freiräumen als wesentlichen Faktor für die Stabilisierung und Aufwertung von Stadtquartieren im Nutzungswandel", erklärte Bürgermeister Martin zur Nedden. "Bei allen Vorteilen stellt der Zuwachs an Freiflächen die Städte vor neue Herausforderungen, weil der Herstellung und dauerhaften Bewirtschaftung intensiv gestalteter Grünflächen finanzielle und naturschutzfachliche Grenzen gesetzt sind. Dank der Voruntersuchung kennen wir jetzt für urbane Waldflächen eine Reihe von Gestaltungsmöglichkeiten, um die hohen Anforderungen im innerstädtischen Bereich zu erfüllen."

Das BfN erwartet sich von diesem E+E-Vorhaben einen neuen Ansatz für den Naturschutz und Antworten auf den Klimawandel im Siedlungsbereich. Die Präsidentin des BfN, Prof. Dr. Beate Jessel, ist zuversichtlich: "Die Ergebnisse der Voruntersuchung sind viel versprechend. Die Anlage urbaner Waldflächen in Leipzig könnte einen wichtigen praktischen Impuls für den Stadtumbau in anderen Kommunen geben. Wir sehen darin auch ein Beispiel für die Zusammenarbeit von Stadt- und Landschaftsplanung."

Bei dem Expertengespräch informiert das Stadtplanungsamt der Stadt Leipzig gemeinsam mit dem Büro für Landschaftsarchitektur Irene Burkhardt über die Ergebnisse der Voruntersuchung: Urbane Wälder sind als eigene Freiflächenkategorie gegenüber klassischen Grünflächen zu verstehen. Ihr Einsatz im Stadtumbau begründet sich mit den Leistungen für den Klimaschutz, die Erholungsvorsorge sowie den Naturschutz und mit ihrer Wirtschaftlichkeit gegenüber Grünflächen. Urbane Wälder bedürfen – im Gegensatz zu Wäldern in der freien Landschaft – bei der Planung, Gestaltung und Unterhaltung einer engen Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Forstwirtschaft, um den hohen Anforderungen an Ästhetik, Akzeptanz, Nutzbarkeit und Wirtschaftlichkeit in der Stadt gerecht zu werden. Grundvoraussetzung ist ferner, dass das Erscheinungsbild der kompakten europäischen Stadt, das gerade für Leipzig von besonderer Bedeutung ist, nicht in Frage gestellt wird. Die Gestaltungsspielräume für urbane Wälder werden anhand von Waldstrukturtypen aufgezeigt. Mit den Experten soll die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Städte erörtert werden. Zugleich werden Hinweise für die Umsetzung erwartet.

Die Voruntersuchung hat zu einem konstruktiven Dialog zwischen Planern, Forstwirten und Wissenschaftlern geführt, der mit einem geförderten Hauptvorhaben fortgesetzt werden soll. Zur Erprobung der Anlage von urbanem Wald sind unterschiedliche Modellflächen im Stadtgebiet in der Diskussion.

Hintergrund:
In der aktuellen Diskussion um Schrumpfungsprozesse in den Städten werden Wälder in der Stadt als Alternative zu brachliegenden Flächen oder intensiv gestalteten Grünflächen gesehen. Damit wird an ein Landschaftselement angeknüpft, das in früheren Epochen wichtiges Element des Stadtgefüges war und in einigen Städten bis heute seine Qualität bewahrt. Als Beispiele seien genannt: in Leipzig Teiles des Rosentals oder in Hannover die Eilenriede. Bisher konzentrierte sich die Diskussion auf Wälder am Stadtrand. Ziel des Förderprojekts ist es, die besonderen Bedingungen für innerstädtische Waldflächen zu erkunden. Auf Modellflächen soll erprobt werden, wie die Anlage von Wald gelingen könnte. Dabei sollen wirtschaftliche, soziale, naturschutzfachliche und stadtökologische Aspekte einbezogen werden.

 

Letzte Änderung: 22.02.2008

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