Bundesamt für Naturschutz

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Naturschutz, Küsten und Meere, CBD

Biologische Vielfalt der Küsten und Meere regional und in den Ozeanen erhalten

  • Meereschutzgebiete in Deutschland auf dem richtigen Weg
  • Guter ökologischer Zustand im Meer nur mit einer weiteren Reduzierung des Eintrags von Schad- und Nährstoffen möglich
  • Weitere ökologische Ausrichtung der Fischerei und anderen Nutzungen unabdingbar

Schwerin/Bonn, 30. April 2008: Die Küstengebiete in Deutschland und in der Welt haben eine einmalige Naturausstattung. Über Jahrhunderte war die biologische Vielfalt durch die Größe der Meere und Ozeane ausreichend geschützt. Doch mit dem technischen Fortschritt wuchsen die Ansprüche und die Möglichkeiten die marinen Ressourcen zu nutzen. "Heute sind durch verbesserte Fischereitechniken ein Viertel der wichtigsten Nutzfischarten übernutzt und Meeresbiotope auch auf tausende Kilometer vor der Küste liegenden Tiefseebergen geschädigt", sagte Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz. "Deshalb hat die Bundesregierung in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt auch konkrete Visionen und Ziele festgelegt. Wir wollen die Menschen an den Küsten, aber auch an Land weit ab vom Meer in den Städten für das Thema Erhaltung der Biodiversität an unseren Küsten und in unseren Meeren gewinnen, um mit ihnen Gemeinsam den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen," so Beate Jessel heute auf der Regionalkonferenz zur "Küsten und marine Biodiversität" in Schwerin.

Die Gefahr wächst, dass die Meere mit der steigenden Kohlendioxidaufnahme im Zuge des Klimawandels saurer werden können, mit bisher nicht quantifizierbaren Auswirkungen auf die für die Meeresökosysteme wesentlichen kalkbildenden Organismen wie Korallen, Muscheln und Schnecken. „Diese neue Bedrohung wirkt auf Küsten und Meere, die schon stark belastet sind – durch zu hohe Schad- und Nährstoffeinträge, Plastikmüll, Rohstoffabbau, Umgestaltung der Küsten und Flussmündungen und immer mehr Unterwasserlärm“, sagte Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes.

"Die Erhaltung der Biodiversität an den Küsten und in den Meeren Deutschlands kommt den Menschen zu Gute, die jedes Jahr zu Millionen die Küsten zur Erholung aufsuchen. Intakte Lebensräume für Pflanzen und Tiere in den Meeren sind aber auch ein Voraussetzung für gesunde Fischbestände", sagte Beate Jessel. „Diese müssen dann gemeinsam von den ansässigen Fischern so nachhaltig genutzt werden, dass gleichzeitig auch die Populationen von Schweinswalen, Seehunden, Robben sowie Küsten- und Seevögeln gestärkt werden können“, hob Beate Jessel hervor. "Das ist eine große Aufgabe gerade für die für heimische Touristen und Gäste aus der ganzen Welt attraktiven Küstenbundesländer mit ihren weltweit einmaligen Nationalparken", erläuterte Beate Jessel, “eine Aufgabe die auch die Unterstützung aller in Deutschland bedarf.“

Nach Ansicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) sind ausreichend große Schutzgebiete an den Küsten und Meeren für den Erhalt der marinen Biodiversität notwenig. Weltweit wurden zwar bis jetzt über 4000 Schutzgebiete im Meer eingerichtet, doch decken sie nur 0,65 % der Meeresfläche ab. Das ist deutlich zu wenig, denn die Meere und Ozeane bedecken 71% der Erdoberfläche und geben durch ihr enormes Volumen 90% der Biosphäre Raum. Deutschland hat seine internationalen und nationalen Verpflichtungen zum Erhalt der Meere ernst genommen. Das zeigen die Einrichtung von fünf Küstennationalparks an der Nord- und Ostsee sowie die zügige Ausweisung von zehn küstenfernen Schutzgebieten, für die Deutschland 2007 von der Naturschutzorganisation WWF als vorbildlich in Europa ausgezeichnet wurde. „Doch vor uns liegen noch viele Aufgaben im Management der Meeresschutzgebiete als Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt an den Küsten und Meeren“, stellte Beate Jessel klar.

Die Meere spielen eine Schlüsselrolle bei der so genannten Globalisierung und die Schifffahrt- und Hafenwirtschaft sind wesentliche Handlungsfelder für die Politik in Deutschland und Europa. Fast gleichzeitig wurde das „Blaubuch zur Maritimen Entwicklung von Europa“ und die "Europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie" verabschiedet. "Mit dem Ziel den guten ökologischen Zustand an allen europäischen Küsten bis 2015 und in den Meeren bis 2021 zu erreichen, haben sich die Europäer verpflichtet, den Ausbau der maritimen Wirtschaft im Einklang mit den Zielen der Biodiversitätsstrategie und des Gewässerschutzes voranzutreiben", erläuterte Andreas Troge den Fahrplan für die nächsten Schritte des Natur- und Umweltschutzes im Meer.

Die nationale Biodiversitätsstrategie formuliert für die Meere und Küsten die zukünftige Vision, dass diese nicht nur Lebensraum für viele - auch seltene und gefährdete - Tier- und Pflanzenarten bieten sollen, sondern auch eine hohe Lebensqualität für die Menschen und somit umfassende Möglichkeiten für Erholung, nachhaltige Nutzung und Naturerleben bieten. Entsprechend ambitioniert sind die konkret benannten Ziele der Bundesregierung. So soll beispielsweise möglichst zügig der gute ökologische und chemische Qualitätszustand der Meere erreicht werden und bei uns schon ausgestorbene Arten wie der Stör wieder heimisch werden.

Ziel der Konferenz in Schwerin ist ein Beitrag zum Umsetzungsprozess der nationalen Biodiversitätsstrategie zu leisten. Die Inhalte der Biodiversitätsstrategie wurden dabei in Schwerin anhand von Beispielen für das Miteinander von Mensch und Natur an unseren Küsten und Meeren diskutiert.

Und das steht in der nationalen Biodiversitätsstrategie zum Thema "Biodiversität an den Küsten und Meeren“:
Küsten und Meeren ist in der Strategie ein eigenes Kapitel gewidmet. Ziel der Strategie ist es, die die natürlichen Küstenregionen und Meere als faszinierende Naturlandschaften, als miteinander vernetztet naturnahe Ökosystemen in ihrer Vielfalt und natürlichen Dynamik zusammen mit dem Vorkommen aller typischen Arten und Lebensräume zu erhalten. Dazu sollen
- bis zum Jahre 2015 die Gewässer im Küstenraum einen guten ökologischen und chemischen Qualitätszustand und
- die Meeresgewässer bis zum 2021 eine gute Umweltqualität erreichen.
- Bis 2010 soll der Rückgang von Arten und die Degradierung von Lebensräumen gestoppt sein,
- bis 2020 für alle Arten und Lebensräume eine signifikante Verbesserung des Erhaltungszustands erreicht sein und
- bis 2015 der Stör und andere in Deutschland ausgestorbene marine Arten wieder präsent sein.

Durch internationale und regionale Kooperationen, Übereinkommen und EU - Richtlinien ( CBD , OSPAR, HELCOM, Nordseeschutz Konferenz, Trilaterale Wattenmeerkooperation, ASCOBANS, FFH - und Vogelschutzrichtlinie, WRRL, Meeresstrategie-Rahmenrichtline) ist Deutschland zu vielfältigen Maßnahmen in festgelegten Zeiträumen zum Schutz der Küsten- und Meeresumwelt sowie von Lebensräumen, Biotoptypen und Arten verpflichtet.

Dazu wird folgendes angestrebt:
- Anwendung des Ökosystemansatzes (HELCOM, OSPAR) unter Wahrung des Vorsorge- und Verursacherprinzips spätestens ab 2010
- Verwirklichung eines gemeinsamen OSPAR-/HELCOM-Netztes von gut gemanagten Küsten- und Meeresschutzgebieten, die Kernzonen natürlicher Entwicklung einschließen, bis 2010 und deren Integration in internationale Netzwerke
- Implementierung eines integrierten Küstenzonenmanagements aufbauend auf der nationalen IKZM-Strategie vom 22.März 2006
- Nachhaltige und ökosystemverträgliche Ausgestaltung der Fischerei bis 2010
- Erhaltung von naturnahen Küsten- und Meeresgebieten durch Arten- und Biotopschutzmaßnahmen
- Vermeidung der Einschleppung invasiver gebietsfremder Arten sowie weiterhin nur Freisetzung und kommerzielle Nutzung von transgenen Organismen, die für die Meeres- und Küstenökosysteme keine Gefahr erwarten lassen, wobei den besonderen Bedingungen dieser Ökosysteme Rechnung zu tragen ist.

Damit werden alle Akteure auf Ebene von Bund, Ländern und Kommunen aufgefordert, diese Maßnahmen umzusetzen bzw. zu unterstützen.
Informationen über die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt sowie den Umsetzungsprozess mit den verschiedenen Regionalen und Nationalen Foren findet man unter www.biologischevielfalt.de

Weitere Hintergrundinformationen zur biologischen Vielfalt im Bereich Küsten und Meere erhalten Sie hier.

Hinweis:
Das BfN führt im Rahmenprogramm der UN-Naturschutzkonferenz ( CBD ) in Bonn vom 12. bis 16.5, 20.5 bis 23.5. und vom 26.5. bis 30.5 täglich ab 18:00 Uhr eine Musikveranstaltung als Happy Hour auf dem Robert-Schuman-Platz durch. Informationen über die Musikgruppen finden Sie unter www.bfn.de
Am 18. Mai führt das BfN den "NATURATHLON 2008 – Der Lauf der Welt" durch. Hierfür können sich internationale Freizeitsportler unter www.NATURATHLON.de bewerben.
Informationen zur CBD Konferenz erhalten Sie unter www.BFN.de ,www.naturallianz.de und www.umweltbundesamt.de.

 

Letzte Änderung: 30.04.2008

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