Fischarten des Anhang II der FFH-Richtlinie

Foto einer Finte (Alosa fallax)

Finte (Alosa fallax)

Die Finte, eine typische Wanderfischart, verbringt ca. ½ Jahr als Larve und Jungfisch im Süßwasser sowie als ausgewachsenes Tier 3-8 Jahre im Meer. Zum Laichen wandert sie wieder in die Unterläufe großer Flüsse wie Elbe, Weser und Ems zurück.
Die Finte ist eine der Fischarten des Anhang II der FFH Richtlinie, für die die häufigsten Nachweise in der deutschen AWZ der Nord- und Ostsee vorliegen. In den wissenschaftlichen Fängen wurden Finten zwar im gesamten deutschen Meeresgebiet nachgewiesen, doch zeigt sich deutlich, dass die Verbreitungsschwerpunkte in den Mündungsbereichen der großen Flüsse (v.a. Elbe) liegen. Die Wahrscheinlichkeit eines Fangs nimmt seewärts mit der Entfernung zur Küste ab. Im Rahmen eines vom BfN in Auftrag gegebenen Forschungs- und Entwicklungsvorhabens des Deutschen Meeresmuseums Stralsund (DMM) wurden seit der Jahrtausendwende in der deutschen AWZ und den Küstengewässern der Ostsee verstärkt Finten nachgewiesen.
Wesentliche Gefährdungsursachen für Finten sind neben Gewässerverschmutzung, gegenüber der diese Fischart sehr empfindlich ist, die Errichtung von Wanderhindernissen, die Veränderung der Gewässermorphologie (Flussvertiefungen) und der Beifang in verschiedenen pelagischen Fischereien.

Foto einer Alse (Alosa alosa)

Alse (Alosa alosa)

Die Alse verbringt ½ Jahr nach dem Schlupf als Larve und Jungfisch im Süßwasser, dann als Adulttier 3-11 Jahre im Meer, worauf sie zum einmaligen Laichen bis in die Oberläufe großer Flüsse aufsteigt. Im Nordseeeinzugsbereich werden ca. 5-10 adulte Individuen pro Jahr beobachtet, mit dem vermutlich einzigen Laichfischbestand im Rheingebiet (geschätzte Gesamtzahl von 15-25 Laichtieren pro Jahr, geschätzte Gesamtpopulation von 250-600 Exemplaren). Im Ostseegebiet wird weniger als 1 adultes Individuum pro Jahr nachgewiesen (geschätzte Gesamtzahl von 1-10 Laichtieren pro Jahr, geschätzte Gesamtpopulation von 1-200 Exemplaren).
Diese Wanderfischart war früher in allen Nordseezuflüssen verbreitet. Der Bestand der Alse ist durch eine Vielzahl menschlicher Eingriffe, wie die Fischerei, Errichtung von Sperrwerken, und der Wasserverschmutzung vom Aussterben bedroht. Ein ehemals dicht besiedelter Fluss ist der Rhein.

Foto eines Schnäpels (Coregonus oxyrinchus)

Schnäpel (Coregonus oxyrinchus)

Die Taxonomie dieser Art ist unklar, da Coregonus-Arten schon unter natürlichen Bedingungen regelmäßig hybridisieren, die Artgrenzen unklar sind und durch Besatzmaßnahmen seit über 125 Jahren die genetischen Strukturen weitgehend verändert wurden. Neuere Veröffentlichungen vertreten die Hypothese, dass diese Art in der Vergangenheit auf die Rheinpopulation beschränkt gewesen sei und ausgestorben sei. Im Sinne der FFH-Richtlinie werden unter dem Code 1113 allerdings alle wandernden Schnäpel oder Maränen im Nordseegebiet erfasst, mit besonderem Schwerpunkt auf der Population des dänisch/deutschen Widaugebiets. Die Schnäpelart, die in der Ostsee vorkommt (Coregonus maraena), fällt nicht unter den Schutz der FFH-RL und die Bestände werden durch Besatzmaßnahmen in deutschen Küstengewässern gestützt.

Foto eines Meerneunauges (Petromyzon marinus)

Meerneunauge (Petromyzon marinus)

Nach Abschluss ihrer 2-5 jährigen larvalen Entwicklungsphase, in der sich die Meerneunaugen im Feinsediment von Fließgewässern aufhalten, wandern die Fische ins Meer, wo sie sich 3-5 Jahre vom Körpergewebe großer Fische und Meeressäugetiere ernähren, um dann zum Laichen wieder in die Binnengewässer aufzusteigen. Im Vergleich zu dem verwandten Flussneunauge, das eher eine küstennahe Verbreitung aufweist, erstreckt sich das Verbreitungsgebiet der Meerneunaugen bis zu 350 km vom Festland entfernt. Die aktuellen Nachweise des Meerneunauges in der Ostsee im Rahmen des Forschungsvorhabens des deutschen Meeresmuseums stammen aber ausschließlich aus küstennahen Gewässern. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bis jetzt keine geeignete Nachweismethode gefunden wurde, um Meerneunaugen quantitativ zu fangen. Als Hauptgefährdungsursache gilt neben der Errichtung von Wanderhindernissen und der Wasserverschmutzung der Beifang in der kommerziellen Fischerei, sowie insbesondere die Dezimierung der Bestände großer Wirtsfische (zum Beispiel Kabeljau- und Dorschbestände).

Foto eines Flussneunauges (Lampetra fluviatilis)

Flussneunauge (Lampetra fluviatilis)

Flussneunaugen sind in den Küstengewässern der Nord- und Ostsee verbreitet und haben einen ähnlichen Lebenszyklus wie die Meerneunaugen. Das Flussneunauge verbringt 3-5 Jahre als Larve im Süßwasser, dann als Adulttier 4-6 Jahre im Meer (Gesamtalter bis 10 Jahre), worauf es wieder zum Laichen in die Binnengewässer aufsteigt. Im Meer lebt diese Art parasitisch an großen Fischen (größer als 80 cm), aber nicht an Meeressäugetieren. Als Probleme für diese Art werden neben gewässerbaulichen Maßnahmen, der direkte Beifang in verschiedenen Fischereien, aber vor allem sekundäre Effekte durch das Wegfangen großer Wirtsfische (Kabeljau / Dorsch) angesehen. In aktuellen Forschungsvorhaben wurden Verbreitungsschwerpunkte im Rheingebiet und im Odermündungsbereich identifiziert.

Foto eines Atlantischer Störs (Acipenser oxyrinchus)

Europäischer Stör (Acipenser sturio)
Atlantischer Stör (Acipenser oxyrinchus)

Unter dem Namen (Acipenser sturio), der im Sinne der FFH-Richtlinie juristisch den taxonomischen Stand von 1992 fixiert, werden heute zwei Stör-Arten zusammengefasst: Acipenser sturio (Europäischer Stör) im Nordseegebiet und Acipenser oxyrinchus (Ostseestör) im Ostseegebiet.
Europäische Störe waren bis Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Bestandteil der Lebensgemeinschaft der Flüsse Nordwestdeutschlands. Durch die umfassende Umweltverschmutzung und Gewässerverbauung, die in Folge der industriellen Revolution stattfand, wurden ihre Lebensgrundlagen weitgehend zerstört. Drastische Überfischung besiegelte das Schicksal der Art bis zum Anfang des 20. Jh. In Deutschland kam der letzte Störbestand bis 1969 in der Eider vor. Seitdem gilt die Art in westdeutschen Gewässern als verschollen oder ausgestorben. Die weltweit einzige bekannte Restpopulation dieser Art ist auf den Fluss und Estuarbereich der Gironde (Frankreich) beschränkt.
Die in der Ostsee vorkommenden heimischen Störe (letzter Fang 1996 vor Estland) unterscheiden sich genetisch und im Aussehen von denen der Nordsee. Sie sind die Nachfahren der vor ca. 1.000 Jahren eingewanderten Art, des Ostseestörs, Acipenser oxyrinchus . In der Nordsee gilt A. sturio als reproduzierende Art als ausgestorben, vereinzelt werden wandernde Tiere der Gironde-Population in der Nordsee gefangen. 1996 hat das BfN ein mehrjähriges 'Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben' zur Bestandsstützung bzw. Wiederansiedlung der Störarten A. oxyrinchus in der Ostsee und A. sturio in der Nordsee gestartet. Im Rahmen des Projektes zur Wiederansiedlung des Ostseestörs (Acipenser oxyrinchus) wurden in den letzten Jahren seit 2007/2008 mehrere tausend, z.T. besenderte Jungtiere in der Oder ausgesetzt. In Frankreich wurden 2008 zum zweiten Mal in Folge erfolgreich Europäische Störe (A. sturio) nachgezüchtet. Einige dieser Tiere werden regelmäßig im Rahmen internationaler Kooperation Deutschland zur Verfügung gestellt; und es ist geplant, diese versuchsweise in einem der deutschen Nordseezuflüsse auszusetzen.

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Stand der Aktualisierung 28.03.2012