Taucher bei Unterwasser-Filmaufnahmen
Ein Sonderforschungsprogramm des BfN und des BMU wurde für die Identifizierung, Ausweisung und Meldung der Natura 2000 - Gebiete in der deutschen AWZ im Jahre 2002 gestartet. Inzwischen sind alle hierzu gehörende Projekte beendet. Dieses Forschungsprogramm wird auf den nächsten Seiten beschrieben.
Veranlassung
Im Jahr 2002 bekam das Bundesamt für Naturschutz den gesetzlichen Auftrag, die für das Netzwerk Natura 2000 erforderlichen, schützenswerten Gebiete in den deutschen Meeren zu identifizieren und auszuwählen. Die bis dahin vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnisse internationaler Erfassungs- und Schutzprojekte enthielten zwar wichtige Basisdaten über solch ökologisch wertvolle Gebiete in Nord- und Ostsee. So entstanden zwei erste Karten der ökologisch besonders wertvollen Gebiete in Nord- und Ostsee, die als PDF zum Download angeboten werden Erste Karten ökologisch besonders wertvoller Gebiete . Die Ergebnisse reichten jedoch nicht aus, um Verbreitung, Vorkommen und Bestände der in der FFH- und Vogelschutz-Richtlinie als besonders schutzwürdig eingestuften Arten und Lebensraumtypen zu beurteilen.
Umsetzung
Um diese Wissenslücken zu schließen, starteten das Bundesamt für Naturschutz und das Bundesumweltministerium ein umfangreiches Forschungsprogramm mit zahlreichen Einzelvorhaben. Es umfasst sowohl Forschungs- und Entwicklungsvorhaben des
BfN
(F+E-Vorhaben) als auch Vorhaben der ZIP-Forschung der Bundesregierung (ZIP = Zukunfts-Investitions-Programm). Den Schwerpunkt der Forschung bildeten zum einen die Erfassung der Verbreitung und des Bestands von Sea birdsn, Benthosorganismen, Marine mammalsn und Fishn. Darüber hinaus war die Standortermittlung und Abgrenzung der Lebensraumtypen „Sandbank“ und „Riff“ mit den für sie jeweils typischen Sedimentstrukturen und Lebensgemeinschaften wichtig für die Einschätzung der ökologischen Bedeutung einzelner Meeresgebiete.
Die Auswertung teilweise langjähriger wissenschaftlicher Datenreihen und der Ergebnisse der neuen Vorhaben bildeten die Entscheidungsgrundlage für das
BfN
zur Identifizierung und Abgrenzung ökologisch besonders wertvoller Gebiete (insbesondere NATURA 2000 - Gebiete) im Meer. Als Resultat konnte Deutschland im Rahmen eines Gesamtkonzeptes als erster EU-Mitgliedsstaat im Mai 2004 die komplette nationale Meldung von acht FFH- und zwei Vogelschutzgebieten in der
AWZ
der deutschen Nord- und Ostsee als Natura 2000 - Gebiete an die EU vornehmen.
Forschungsinstitute
Namhafte deutsche Meeresforschungseinrichtungen sind an den langjährigen Forschungsprojekten beteiligt. Hierzu gehören Universitäts-Institute (zum Beispiel in Kiel, Oldenburg, Rostock), Bundesforschungsanstalten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und unabhängige Wissenschaftler in freien Unternehmen. Die fachliche Betreuung der Projekte und Zusammenführung aller Ergebnisse liegt in der Hand des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), welches das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) unter anderem in allen Fragen des nationalen und internationalen marinen Naturschutzes berät. Auf der Insel Vilm südöstlich von Rügen befindet sich die Außenstelle des BfN mit dem Fachgebiet Meeres- und Küstennaturschutz. Dieses Fachgebiet betreut u.a. die Koordinierung der Natura 2000 - Forschung im Meer und erarbeitet die naturschutzfachlichen Grundlagen zu den Meeresnaturschutz-Gebieten.
Research methods
Die Erforschung der verschiedenen Tierarten auf dem offenen Meer, fernab der Küste, erfordert aufwändige Methodik und den Einsatz von Schiffen und Flugzeugen. Zum Einsatz kommen dabei zum einen seit langen Jahren anerkannte und erprobte Verfahren wie die Flugzählungen der Schweinswale oder die Schiffszählungen der Sea birds. Zum anderen werden auch neue, wissenschaftlich abgesicherte, Verfahren eingesetzt, die die herkömmlichen Research methods ergänzen. Hierzu gehören beispielsweise die hydro-akustischen und telemetrischen Untersuchungen und Erfassungsmethoden bei Schweinswalen und Seehunden. Zur Identifizierung und Erforschung der Sandbanks und Reefs, die zum Teil in mehr als 40 Metern Tiefe weit draußen in Nord- und Ostsee liegen, werden neben der Meeresboden-Erfassung mit dem Seitensicht-Sonar insbesondere die Videodokumentationen mit Schleppkameras und Tauchbeobachtungen eingesetzt.
Im einzelnen setzen die Wissenschaftler folgende Methoden ein, um Erkenntnisse über Arten und Lebensraumtypen im offenen Meer zu gewinnen:
- Flugzeug- und Schiffszählungen von Vögeln und Marine mammalsn
- Hydroakustische Erfassungen von Schweinswalen
- Telemetrische Untersuchungen zum Raum-Zeit-Verhalten von Seehunden
- Akustische Untersuchungen von Seehunden und Schweinswalen
- Fangfahrten zur Erfassung der Fish
- Probennahmen mit Backengreifern und Dredgen zur Bestimmung von Bodenlebewesen (Benthos) und Sediment
- Abtasten des Meeresbodens mit dem Seitensicht-Sonar zur Ermittlung der Bodenstruktur
- Foto- und Videodokumentationen der Reefs und Sandbanks mit geschleppten Kameras
- Auswertung von z.T. jahrzehntelangen Datenreihen aus vorhandenen Datenbanken zu Sea birdsn, Fishn und Marine mammalsn
Erst die Zusammenschau aller Ergebnisse der unterschiedlichen wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen ermöglichte schließlich die Identifizierung und genaue Beschreibung der ökologisch wertvollen Meeresflächen und ihrer Arten.
Weitere Infos:
Die vollständige Liste des
Natura 2000 - Forschungsprogramms finden Sie hier:
Abgeschlossene Forschungsvorhaben
vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) (Stand: Oktober 2007):
Liste_der_Forschungsvorhaben.pdf
Weitere Berichte
aus den einzelnen Forschungsprojekten finden Sie in unserer Rubrik DOWNLOADS unter
Berichte der Forschungsvorhaben.
Sehen Sie das Video:
Unterwasserdokumentation
Sehen Sie das Video:
Akustische Erfassung von Schweinswalen in der Ostsee
Vogelzählung auf See
Das Seitensichtsonar wird über Bord gelassen.
Untersuchung der Fischfauna - Erfassung der Arten.
Auf jeder Fangfahrt ermitteln die Forscher u.a. Wassertemperatur und Salzgehalt im jeweiligen Gebiet.

