Geschützte Lebensraumtypen

Foto eines Essbaren Seeigels (Echinus esculentus) auf dem Meeresgrund

Essbarer Seeigel (Echinus esculentus)

Im Anhang I der FFH-Richtlinie der EU sind die natürlichen Lebensräume von EU-Gemeinschaftlichem Interesse genannt, für deren europaweite Erhaltung national besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. In den deutschen Meeresgebieten der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) kommen zwei dieser Lebensraumtypen vor: Riffe und Sandbänke (gemeint sind hier ständig wasserbedeckte Sandbänke, die auch bei Niedrigwasser nicht trockenfallen).

Für die natürlichen Lebensräume ist nach Art. 1(e) der FFH-Richtlinie ein günstiger Erhaltungszustand zu bewahren oder wieder herzustellen. Das bedeutet vereinfacht ausgedrückt:

  • dass die Lebensraum-Flächen und auch deren natürliche Ausdehnung über viele Jahre beständig sind, von negativen menschlichen Einwirkungen unbeeinträchtigt bleiben oder sich ausdehnen sollen,
  • dass die für diesen Lebensraum typischen Elemente (zum Beispiel Sediment, Salinität, Strömung) und spezifischen Funktionen langfristig in ihrer natürlichen Dynamik fortbestehen können,
  • dass die für diesen Lebensraum typischen Tier- und Pflanzenpopulationen langfristig überlebensfähig sind oder sich sogar vergrößern.

Aus diesen Gründen werden Schutzgebiete für das ökologische Netz NATURA 2000 eingerichtet. Für die zu schützenden Gebiete legen die EU-Mitgliedstaaten gemäß Artikel 6 der FFH-Richtlinie die Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen fest und treffen Maßnahmen, die eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes bzw. die Störung der Lebensräume vermeiden. Außerdem werden über die FFH-Richtlinie die Verträglichkeitsprüfung bei Plänen und Projekten, die möglicherweise das Gebiet beeinträchtigen könnten, sowie das Verfahren im Falle eines Eingriffs geregelt.

Foto von Miesmuscheln und Laminarien auf dem Meeresgrund

Miesmuscheln und Laminarien

Riffe und Sandbänke

Sandbänke und Riffe weisen spezifische Lebensgemeinschaften von Tier- und Pflanzenarten auf, sind Aufwachs- und Ausbreitungsgebiet, bieten Schutz und Nahrung. Sie übernehmen daher wichtige ökologische Funktionen, zum Beispiel als Wiederaufbau-, Nahrungs- und Rasthabitat für Vögel, Meeressäugetiere und Fische. Eine besonders hohe Artenvielfalt zeigen vor allem diejenigen Gebiete, in denen beide Lebensraumtypen verzahnt miteinander vorkommen.

Die in der AWZ vorkommenden Lebensraumtypen wurden in sechs Forschungsvorhaben des BfN untersucht. Hierzu gehörten die Erforschung der Sediment- und Meeresbodenstruktur, die Untersuchung der Benthos-Gemeinschaften sowie die Erarbeitung von Abgrenzungskriterien dieser Lebensraumtypen zu ihrer Umgebung.

Grafische Darstellung des Adlergundes

Beispielhaftes Ergebniss einer
benthologischen Kartierung des Meeresbodens.
Größere Ansicht der Grafik

Foto eines Schlangensterns (Amphiura spp.) auf dem Meeresgrund

Schlangenstern (Amphiura spp.)

Weiter mit dem Thema
Sandbänke

Foto eines Taschenkrebses  (Cancer pagurus) auf dem Meeresgrund

Taschenkrebs (Cancer pagurus)

Weiter mit dem Thema
Riffe

© Bundesamt für Naturschutz (BfN) | IMPRESSUM | SHAREPOINT
Stand der Aktualisierung 26.10.2011