Schweinswal (Phocoena phocoena)
Drei Arten der Meeressäugetiere
die im Rahmen der FFH-Richtlinie unter dem Anhang II geschützt sind, leben in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee:
- Schweinswal (Phocoena phocoena)
- Seehund (Phoca vitulina vitulina)
- Kegelrobbe (Halichoerus grypus)
Der Schweinswal genießt zusätzlich als Anhang IV-Art einen generellen strengen Artenschutz gem. Art. 12 und 16 der FFH-RL.
Darüber hinaus wurden vereinzelt Arten wie der Schwertwal (Orcinus orca), der Gewöhnliche Delphin (Delphinus delphis), der Große Tümmler (Tursiops truncatus), der Weißschnauzendelphin (Lagenorhynchus albirostris) und der Weißseitendelphin (Lagenorhynchus acutus) in der deutschen Nordsee bzw. die Ringelrobbe (Phoca hispida) in der deutschen Ostsee beobachtet. Einige dieser Arten (Weißschnauzendelphin und Großer Tümmler) wurden auch in den aktuellen Forschungsprojekten nachgewiesen. Auf der Doggerbank wurde auch z.B. der Zwergwal (Baleonoptera acutorostrata) sowohl bei den Flugzählungen im Mai 2003 als auch während Seismischer Untersuchungen 2007 beobachtet.
Die wichtigsten Ergebnisse der Forschungsprojekte:
Die Ergebnisse von Befliegungen und die Auswertungen der „Seabirds-at-Sea“-Datensätze zeigen deutliche Verbreitungsschwerpunkte der Schweinswale in Nord- und Ostsee einschließlich der jeweiligen deutschen AWZ.
Schweinswal (Phocoena phocoena) in der Nordsee
In der AWZ der Nordsee sind die Vorkommen vor allem in drei Gebieten von hoher Bedeutung:
Sylter Außenriff
(Nordsee, westlich der Inseln Sylt und Amrum)
- Gebiet mit der höchsten Schweinswal-Dichte in deutschen Gewässern; „Kerngebiet“ für Schweinswale in der deutschen AWZ.
- mit einer kontinuierlichen Präsenz (Vorkommen) auch im Winter
- mit einem hohen Kälberanteil im Mai und Juni
- Die Schweinswale haben in diesem Gebiet besonders häufig „sensible Verhaltensweisen“ (z.B. Ruhephasen).
Borkum-Riffgrund
(Nordsee, nordwestlich der ostfriesischen Inselkette)
- Gebiet mit mittlerer Dichte, aber kontinuierlicher Präsenz
- Seit 2004 hohe Dichten im Frühling
- im Juni / Juli Kälber gesichtet
- Die dortigen Wale gehören möglicherweise zur Subpopulation der südlichen Nordsee.
Doggerbank
(Nordsee, im sog. „Entenschnabel“ der AWZ)
- Die relativ hohe Anzahl Sichtungen in diesem Gebiet war unerwartet.
- Im Gebiet wurden auch Kälber gesichtet.
- Trotz der großen Entfernung der Doggerbank zur Küste und schwer abschätzbaren Wetterbedingungen vor Ort konnten jedoch bisher regelmäßig Erfassungen durchgeführt werden.
Schweinswal (Phocoena phocoena) in der Ostsee
In der AWZ der Ostsee sind 3 Gebiete von Bedeutung:
Fehmarnbelt
(Ostsee, nördlich von Fehmarn)
- regelmäßiger Nachweis von Schweinswalen im Jahresverlauf
- im Sommer häufige „sensible Verhaltensphasen“ (z. B. Ruhen)
Westliche Rönnebank und Oderbank
(Ostsee, östliche Pommersche Bucht)
- wahrscheinlich Teil der östlichen stark bestandsgefährdeten Schweinswal-Population (westliche Verbreitungsgrenze etwa an der Darßer Schwelle)
- erstmals konnte hier im Mai und Juli 2002 eine besondere Ansammlung, die jahreszeitlich und populationsökologisch bedingt sein kann, beobachtet werden
- sehr geringe Dichte in allen anderen Erfassungsjahren (2003-2005)
Ergebnisse der akustischen Erfassungen (mit „PODs“) in der Ostsee zeigten weitere Vorkommen von Schweinswalen in Gebieten, von denen dieses bisher weder aus Flugzählungen noch Schiffszählungen bekannt war, wie z.B:
Kadetrinne
(Ostsee, Hauptschifffahrtsstraße nordwestlich von Darß / Fischland)
- Schweinswale sind während des Untersuchungszeitraumes kontinuierlich präsent
- die Rinne wird vermutlich als „Wanderkorridor“ genutzt
Sehen Sie das Video zum
Schutzgebiet Kadetrinne...
Auftauchender Schweinswal (Phocoena phocoena)
Schweinswal (Phocoena phocoena)
Blick während eines Zählflugs auf die Sylter Küstenlinie
Robben
Seehunde weisen hohe Dichten auf Sandbänken der deutschen Nordseeküste auf, die Kegelrobbenbestände weisen zunehmende Tendenz auf niedrigem Niveau auf (Wattenmeer und Helgoland). An der deutschen Ostseeküste sind derzeit keine ständigen Seehund-Liegeplätze bekannt. Seit einigen Jahren scheint sich eine kleine Gruppe von Kegelrobben auf dem Stubber in den Gewässern um Rügen zu etablieren.
Die Erfassung von Robben auf hoher See – also in der AWZ - ist sehr schwierig: meist tauchen Robben, wie Tauchprofile aus den Auswertungen der Seehund-Sender ergaben, nur sehr kurz mit der Nase zum Atmen an der Oberfläche auf. Sie sind daher vom Flugzeug oder Schiff aus nur bei ruhiger See und sehr klarem Wasser dicht an der Oberfläche, zu erkennen. Darüber hinaus ist die Chance, bei den minimalen Auftauchzeiten der Tiere eines beim Überfliegen eines Zählstreifens (Transektes) zu sehen, sehr gering. Trotz dieser unzureichenden Erfassungsmethoden wurden am Sylter Außenriff im Bereich des Elbe-Urstromtals und der Amrumbank, am Borkum-Riffgrund und insbesondere um Helgoland (Funktion als „Drehscheibe“ für Wanderungen) relativ hohe Robbendichten festgestellt.
Im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsprojektes wurden daher Seehunde mit satellitengestützten Time-Depth-Recordern und Fahrtenschreibern ausgestattet. Die Ergebnisse zeigen, dass die besenderten Tiere den größten Teil ihrer Zeit in Offshore-Gebieten zwischen 30 km und 60 km von Land verbringen, aber auch Gebiete bis zu 150 km entfernt zur Nahrungssuche nutzen. Seehunde von Helgoland nutzen primär das Gebiet bis zu einem Radius von 25 km um die Insel. In den deutschen Meeresgebieten bevorzugen Seehunde aus dem Wattenmeer Tiefen zwischen 12 m und 25 m, während Seehunde von Helgoland ein weitaus größeres Tiefenspektrum (bis 60 m) nutzen.
Seehund (Phoca vitulina vitulina) an der Eiskante
Kegelrobbe (Halichoerus grypus) an der Eiskante
Kegelrobbe (Halichoerus grypus) mit Jungtier von Helgoland
Seehund (Phoca vitulina vitulina) an Wasserkante
Meeressäugerarten
Schweinswale gehören zu den Zahnwalen, es sind keine Delphine. Mit einer Maximallänge von knapp 2m gehören sie zu den kleinsten Walen. Seehunde und Kegelrobben sind die weiteren regelmäßig auftretenden heimischen Meeressäugetiere in der Nord- und Ostsee und gehören zu den Hundsrobben.
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Auftauchender Schweinswal (Phocoena phocoena)
Meeressäugetiere Forschungsmethoden
Die Ausrüstung von Seehunden mit Fahrtenschreibern und Sendern, die sich nach einer gewissen Zeit von den Tieren wieder ablösen und dann von Wissenschaftlern geborgen werden, ist nur ein kleiner Teil der Forschung über Meeressäugetiere in der AWZ. Besonders aussagekräftig und aufwändig sind die regelmäßigen Flugzählungen der Schweinswale, bei denen auch Robben mit erfasst werden. Darüber hinaus werden hydro-akustische Erfassungsmethoden (sog. „PODs“) für Schweinswale eingesetzt.
Ein Einblick in die Forschungsmethoden ...
Seehund (Phoca vitulina vitulina) mit (großem) Sender
