Fischerei

Foto eines im Stellnetz gefangenen Dorsches

Dorsch im Stellnetz

Außerhalb der 12-Seemeilen - Zone fischen nicht nur deutsche, sondern in ganz erheblichem Umfang auch Fahrzeuge anderer europäischer Staaten. Zahlreiche der kommerziell genutzten Fischbestände wie zum Beispiel Kabeljau und Seehecht in der Nordsee sowie die Dorschbestände in der Ostsee sind stark übernutzt und ihre Biomasse liegt weit unterhalb der fischereibiologisch definierten Vorsorge-Referenzwerte. Die Biomasse des Nordseekabeljaus hat beispielsweise von 252.700 Tonnen im Jahre 1971 auf 46.400 Tonnen im Jahre 2004 abgenommen und der Dorschbestand der östlichen Ostsee sank von 696.700 Tonnen (1980) auf 36.866 Tonnen (2007).

Trotz einer Abnahme der Zahl der Fischereifahrzeuge in den letzten Jahren ist der Fischereiaufwand in europäischen Gewässern aufgrund einer gesteigerten Effizienz der verbliebenen Fahrzeuge (höhere Maschinenleistung, satellitengestützte Navigation, elektronische Suchgeräte, effizientere Fanggeräte) noch immer viel zu hoch. Mit dem Ziel einer nachhaltigen Bewirtschaftung empfiehlt der Internationale wissenschaftliche Rat für Meeresforschung (ICES) auf der Grundlage wissenschaftlicher Bestandsabschätzungen Fangquoten für die kommerziell genutzten Fischbestände in Nord- und Ostsee. Aufgrund politischer und sozioökonomischer Gründe liegen die vom europäischen Ministerrat beschlossenen Fangquoten oft leider deutlich über diesen wissenschaftlichen Empfehlungen. Diese Praxis verhindert seit vielen Jahren eine Erholung der übernutzten Fischbestände.

Zusätzlich beeinträchtigt die heutige intensive Fischerei in erheblichem Maße das gesamte Meeresökosystem, dessen Arten und Lebensräume. So werden durch den Einsatz von Grundschleppnetzen und Baumkurren die Lebensgemeinschaften im und auf dem Meeresboden schwer geschädigt oder zerstört.
Insbesondere Stellnetze sind für den Beifang von marinen Säugetieren und Seevögeln verantwortlich. Wie dicht gestaffelte Zäune durchziehen sie, von der Meeresoberfläche nahezu unsichtbar, manche Küsten- und Meeresgebiete der Ostsee. Die Netze haben verschiedene Maschenöffnungen in Abhängigkeit davon, welche Fischarten gefangen werden sollen - doch oft verstricken sich auch Vögel und Meeressäugetiere darin und ertrinken qualvoll.

Schließlich werden durch den gezielten Fang aller größeren Fische die Altersstrukturen der Bestände und der Genpool massiv verändert und die Anpassungsfähigkeit an klimatische Veränderungen herabgesetzt.

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Stand der Aktualisierung 28.03.2012