Nutzungen und Schutzgebiete in Nord- und Ostsee
Das offene Meer - ein unberührter Naturraum?
In den letzten Jahren nahm der Nutzungsdruck in den deutschen Meeresgebieten erheblich dazu, so dass man mehr von einem „Wirtschaftsraum“ als von einem „Naturraum“ sprechen möchte. In diesem Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Nutzung und ökologisch wertvollem Naturraum stehen Nord- und Ostsee heute.
Wenn jedoch der Naturraum Meer erhalten bleiben und die natürlichen Ressourcen auch noch zukünftigen Generationen zur Verfügung stehen soll, dann können nur ökologisch tragfähige Nutzungen und Nutzungswünsche zugelassen werden. D.h., dass die Grenzen der Tragfähigkeit und Belastbarkeit der marinen Ökosysteme anerkannt, respektiert und bei allen menschlichen Nutzungen berücksichtigt werden müssen. Um das zu gewährleisten, aber auch um bestehende Nutzungskonflikte zu lösen, bedarf es u.a. einer verantwortungsvollen, integrierten Raumordnung im Meer. Dies ist eine neue Herausforderung. Bisher war die Raumordnung nur an Land und innerhalb der 12-Seemeilen-Zone möglich, wo sie in die Zuständigkeit der Bundesländer fällt. Mit der Neuregelung des Raumordnungsgesetzes (2004) obliegt die Raumordnung in der AWZ dem Bund. Zuständig sind das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS) und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH).
Die Ausweitung der Raumordnung auf das offene Meer wird auch wichtiger Bestandteil der Strategie des integrierten Küsten- und Meereszonenmanagements (IKMZM) sein, deren Entwicklung von der EU von den Mitgliedsstaaten gefordert wird. Das IKMZM wird daher den Schutz von Arten und Lebensräumen sowie die nachhaltige Nutzung und Konfliktminimierung nicht nur in Küstenzonen, sondern insbesondere auch in den vorgelagerten Meeresgebieten beinhalten.
Die Vielzahl von Nutzungen belastet die Meeresgebiete von Nord- und Ostsee und führt zu Konflikten zwischen Mensch und Naturhaushalt. Während sich küstennah die Effekte von Tourismus, Küstenschutz und wasserbaulichen Maßnahmen in Häfen und Flussmündungen erheblich bemerkbar machen können, sind diese im offenen Meer gegenüber anderen Belastungen von untergeordneter Bedeutung. In den marinen Lebensräumen werden Stoffkreisläufe und Artenzusammensetzung zunächst einmal durch Schadstoffeinleitungen aus Industrie, Gewerbe und Haushalten ebenso wie durch hohe Nährstoffeinträge aus Landwirtschaft, Haushalten und Verkehr - durch den Eintrag über die Flüsse und den Luftweg - beeinflusst. Jedoch können weitere Nutzungsformen das Ökosystem zum Teil erheblich beeinträchtigen.
In Nord- und Ostsee sind dies vor allem folgende Nutzungen:
Offshore-Windenergieanlage

