Riffe

Taschenkrebs (Cancer pagurus)

Taschenkrebs (Cancer pagurus)

Charakteristische Merkmale von "Riffen" (EU Code 1170)
in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee

  • Riffe sind vom Meeresboden schwach bis stark aufragende mineralische Hartsubstrate wie Felsen, Geschiebe, Steine, hauptsächlich auf Moränenrücken mit Block- und Steinbedeckung in kiesig-sandiger Umgebung
  • oder biogene Hartsubstrate wie zum Beispiel Sandkorallen-Riffe und Miesmuschelbänke;
  • sie sind dauerhaft überflutet und
  • häufig mit Muscheln und einer charakteristischen Makrofauna bewachsen, in der Ostsee auch mit Großalgen.

Ergebnisse der Forschungsarbeiten

Riffe und riffartige Strukturen fanden Wissenschaftler in vielen Bereichen der Nord- und Ostsee. Als ökologisch besonders wertvoll erwiesen sich in der Nordsee Gebiete im Bereich des Borkum-Riffgrundes, des östlichen Hanges des Elbe-Urstromtales sowie des Helgoländer Steingrundes, abgesehen von dem ohnehin für die südliche Nordsee einmaligen Helgoländer Felssockel. Auf dem Borkum-Riffgrund wurden über 165 Makrozoobenthosarten (Bodentierarten) nachgewiesen, darunter über 20 Rote-Liste-Arten. Die Verzahnung von kleinräumigen Riffen mit dem Lebensraumtyp Sandbank führt hier zu einer besonders hohen Artenvielfalt bei mehreren typischen Benthos-Lebensgemeinschaften.
Am östlichen Hang des Elbe-Urstromtales haben sich z.T. markante Riffe ausgebildet. Diese sind überwiegend in einer Tiefe von etwa 25-40m zu finden. Sie sind Lebensraum einer großen Artenzahl festsitzender Lebewesen wie zum Beispiel Seescheiden, Seenelken, See-Anemonen, Moostierchen, Muscheln und vieler Meereswürmerarten.
In der AWZ der Ostsee treten Riffe und riffartige Strukturen überwiegend als Blockfelder auf Moränenrücken auf. Sie wurden vor allem im Bereich des Adlergrundes, der Rönnebank, der Kadetrinne und des Fehmarnbelts festgestellt. Dort liegen auch ausgeprägte Miesmuschelbänke mit ihren Begleitarten, die für die Ostsee vergleichsweise hohe Artenzahlen aufweisen. Von herausragender Bedeutung ist hier zusätzlich der Pflanzenbewuchs mit großen Algen, vor allem mit Laminarien (Zuckertang), Rotalgen oder der Meersaite. In der Kadetrinne kommen sie bis in eine Tiefe von über 20m vor.

Foto einer Seenelke (Metridium senile)

Seenelken (Metridium senile) auf einer Sandbank

Foto von Blättermoostierchen (Flustra sp.)

Blättermoostierchen (Flustra sp.)

Wichtige ökologische Funktionen von Riffen

  • Lebensraum und Rückzugshabitat z.T. seltener und zum Beispiel durch Fischerei gefährdeter Tier- und Pflanzenarten
  • Aufwachsgebiet („Kinderstube“) mit hoher Artenvielfalt
  • Lebensraum, Laichplatz und Nahrungshabitat von Fischen
  • Nahrungshabitat für Vögel und Meeressäugetiere
  • Trittstein- und Regenerationsreservoir bei der Ausbreitung von Benthosorganismen.

Die Definition des FFH-Lebensraumtyps „Riffe“ des aktuellen EU-Manuals finden Sie als PDF-Dokument auf http://ec.europa.eu (auf Englisch):
The Habitats Directive, Interpretation Manual

Foto von muschelbewachsenen Blocksteinen auf dem Meeresgrund

Muschelbewachsene Blocksteine

Typische Riffbewohner

Bei den Riffen in den deutschen AWZ konnten Wissenschaftler mehrere typische Lebensgemeinschaften feststellen, deren Namen sich nach den jeweiligen Charakterarten bzw. dominierenden Arten richten. In der Nordsee dominieren auf Riffen sehr häufig Seeanemonen; diese sind in der Ostsee deutlich kleinwüchsiger und finden wegen des zunehmend geringeren Salzgehalts im Bereich der Kadetrinne ihre natürliche östliche Verbreitungsgrenze. Hier gedeihen bis in Tiefen von 20 m ausgeprägte Algenbestände.
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Foto von See-Anemonen in der Ostsee

Seeanemonen in der Ostsee

Riffe Forschungsmethoden

Ähnlich wie die Sandbänke werden auch Riffe mit vielfältigen Methoden im Auftrag des BfN erforscht. Zur ersten Erfassung wird der Meeresboden in den Untersuchungsgebieten zunächst mit einem Seitensichtsonar abgetastet. Dann werden festgelegte Strecken mit der geschleppten Videokamera aufgenommen. In genau definierten Bereichen kommen zur Probenahme Baumkurren und Dredgen zum Einsatz, aber auch Bodengreifer sowie tauchergeführte Kameras.
Ein Einblick in die Forschungsmethoden ...

Grafische Darstellung der Funktionweise des Seitensichtsonars

Funktionweise des Seitensichtsonars

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Stand der Aktualisierung 28.03.2012