Sandbänke

Foto eines Schlangensterns (Amphiura spp.) unter dem Mikroskop

Schlangenstern (Amphiura spp.) unter dem Mikroskop

Charakteristische Merkmale von "Sandbänken mit nur schwacher ständiger Überspülung durch Meerwasser" (EU Code 1110) in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee

  • diese Sandbänke sind sandige Rücken, die sich deutlich aus ihrer weiteren Umgebung heraus erheben,
  • sie müssen entsprechend der FFH-Anhang-Definition ständig mit Wasser bedeckt sein.
  • Bei ihrem Substrat überwiegen flächenhaft Sande, eingestreut können sich kiesige Gemische finden; eine Mindestmächtigkeit von 30 bis 40 cm muss vorliegen, um Lebensraum für typische Sandbodengemeinschaften zu bieten;
  • sie sind oft vegetationsfrei oder nur mit einer spärlichen Makrophytenvegetation bewachsen;
  • sie heben sich in ihren ökologischen Funktionen und Lebensgemeinschaften von der weiteren Umgebung ab.

Ergebnisse der Forschungsarbeiten

In der AWZ von Nord- und Ostsee haben Wissenschaftler in mehreren BfN-Untersuchungen schützenswerte Sandbänke identifiziert. Besonders große Sandbänke sind die Oderbank in der Ostsee sowie die Doggerbank und die etwas kleinere Amrum-Außenbank in der Nordsee. Darüber hinaus ist der Borkum-Riffgrund ein Beispiel für eine Sandbank mit Steinfeldern oder steinig-kiesigen Arealen als riffartige Strukturen. Diese Substratvielfalt bedingt dort verschiedene Habitate mit einem entsprechend großen Artenspektrum. Wissenschaftler konnten mehrere typische Sandboden-Lebensgemeinschaften nachweisen, die sich in Abhängigkeit vom Sedimenttyp (Fein-, Mittel-, Grobsand) und der Wassertiefe entwickeln. Besonders schützenswert stellen sich Bereiche dar, bei denen verschiedene Sandtypen im Wechsel und somit verschiedene Lebensgemeinschaften nebeneinander auftreten.

Wichtige ökologische Funktionen von Sandbänken

  • Nahrungs- und Aufwachsgebiet für viele Fisch- und diverse Benthosarten
  • Nahrungshabitat für rastende und überwinternde Vögel, zum Beispiel Meeresenten (u.a. Trauerente) und Seetaucher (Pracht- und Sterntaucher)
  • Regenerations- und Rekolonisierungsreservoir für tiefer gelegene Meeresgebiete nach katastrophalen Sauerstoffmangelereignissen oder nach Eiswintern in küstennahen Flachwassergebieten
  • Trittsteinfunktionen für die Ausbreitung von Bodenorganismen in der gesamten Nordsee (zum Beispiel Doggerbank) und dadurch Vermeidung der Isolation und genetischen Verarmung von Populationen

Die Definition des FFH-Lebensraumtyps „Sandbänke“ des aktuellen EU-Manuals finden Sie als PDF-Dokument auf http://ec.europa.eu (auf Englisch):
The Habitats Directive - Interpretation Manual

Foto eines Schlangensterns (Ophiura albida) auf Sandboden unter Wasser

Schlangenstern (Ophiura albida) auf Sandboden

Foto eines Bäumchenröhrenwurm (Lanice conchilega) auf dem Meeresgrund

Bäumchenröhrenwurm (Lanice conchilega) auf einer Sandbank

Typische Sandbankbewohner

Der Lebensraumtyp Sandbank beherbergt eine Reihe von gut bekannten Arten, die schon beim ersten Hinsehen auf der Sandoberfläche zu erkennen sind. Sehr viel mehr und vielfältige Organismen leben versteckt in der Tiefe vergraben oder als Winzlinge in den Lücken zwischen den Sandkörnern („Sandlückenfauna“). Je nach Ausprägung des Sediments, zum Beispiel als Fein- oder Grobsand, hat sich eine spezielle Lebensgemeinschaft entwickeln können.
Weiter zu den typischen Sandbankbewohnern

Foto eines Seesterns (Asterias rubens) auf Sand unter Wasser

Seestern (Asterias rubens) auf Sand

Sandbänke Forschungsmethoden

Zur Identifizierung und Erforschung des Lebensraums Sandbank setzen die Forscher vielfältige Methoden ein.
Beste Ergebnisse liefern Unterwasser-Aufnahmen mit geschleppten und handgeführten Kameras, Greifer- und Dredgeproben, Baumkurrenfänge und die differenzierte Erfassung mit dem Seitensichtsonar.
Ein Einblick in die Forschungsmethoden

Foto eines Forschers neben einem Videoschlitten für Unterwasser-Videoaufnahmen

Ein Videoschlitten wird vorbereitet.

© Bundesamt für Naturschutz (BfN) | IMPRESSUM | SHAREPOINT
Stand der Aktualisierung 28.03.2012