FFH-Schutzgebiet Borkum Riffgrund

Im Borkum-Riffgrund kommt auf vergleichsweise kleiner Fläche eine Fülle von Tierarten vor. Wie ein buntes Mosaik fügen sich die verschiedenen Lebensgemeinschaften zu einem großen Puzzle der Artenvielfalt zusammen. Im Zusammenwirken mit den Gezeitenströmungen offenbart sich eine der wichtigen Aufgaben dieses Gebietes: es stellt einen bedeutenden Trittstein für die Ausbreitung der Arten in der südlichen Nordsee dar.

Das etwa 625 km² umfassende Schutzgebiet mit Wassertiefen von 18 m bis 33 m wird durch eine große Sandbank (ca. 521 km²) mit eingestreuten Riffarealen gekennzeichnet. Im Westen grenzt das Gebiet an die Niederlande, im Süden an das deutsche Küstenmeer (12-Seemeilen-Grenze). Im Norden und Osten erfolgte die Abgrenzung nach Form und Verbreitung der Lebensgemeinschaften der Sandbank mit überwiegend Mittel- bis Grobsanden.

Charakteristisch ist die hohe Substrat- und Habitatvielfalt dieser Bank mit ihren eingestreuten Steinfeldern. Neben den für den Lebensraumtyp „Sandbänke“ typischen Grobsandgemeinschaften (Goniadella-Spisula = Knäuelwurm-Trogmuschel-Gemeinschaft) kommt hier kleinräumig eine mosaikartige Mischung von Benthosgemeinschaften vor. Auf den Riffen ist die charakteristische Epifauna mit Seenelken, Tote Mannshand, Zypressenmoos, Seescheiden, Moostierchen und Schwämmen sowie verschiedenen Krebsen zu finden.
In der engen Verzahnung dieser beiden Lebensraumtypen liegt auch eine besondere ökologische Qualität des Schutzgebietes, denn hier ist die Artenvielfalt besonders hoch. Seit 1998, dem Beginn der wissenschaftlichen Untersuchungen, wurden allein beim Makrozoobenthos (Bodentiere > 1 mm) 165 Arten nachgewiesen, davon zahlreiche Rote-Listen-Arten.

Von den Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie kommen hier Schweinswale, Kegelrobben und Seehunde vor und werden deshalb mitgeschützt. Die hier gesichteten Schweinswale kommen zwar mit einer niedrigen mittleren Dichte, aber mit kontinuierlicher Präsenz und z.T. auch mit Kälbern vor. Sie gehören vermutlich zur relativ kleinen, gefährdeten südlichen Nordsee-Teilpopulation, deren Verbreitungsschwerpunkt vor der niederländischen Küste liegt. Den beiden Robbenarten dient der Borkum-Riffgrund vor allem als Nahrungshabitat, aber auch als Migrationskorridor, zum Beispiel für Wanderungen zu den Fressplätzen oder anderen Robben-Liegeplätzen.

Als weitere Anhang II-Art der FFH-Richtlinie werden Finten mitgeschützt, die hier wichtige marine Habitate für die Nahrungssuche und Überwinterung finden. Dies gilt insbesondere für den Fintenbestand, der sich im äußeren Emsästuar konzentriert.

Name Lebensraumtyp Art Anzahl
Borkum-Riffgrund Sandbänke:
521 km²
Riffe: 23 km²
Schweinswal 51 - 100 *
Seehund 251 - 500 *
Kegelrobbe nachgewiesen,
z.Zt. keine Bestandszahlen
Finte nachgewiesen,
z.Zt. keine Bestandszahlen


STANDARD-DATENBOGEN für Natura 2000-Gebiete:
Gebiete, die als Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung in Frage kommen (GGB) und besondere Erhaltungsgebiete (BEG).
2104-301_Borkum-Riffgrund_2011_08_30.pdf

Schutz- und Erhaltungsziele

Für die abgrenzungsrelevanten Lebensraumtypen und Tierarten wurden allgemeine Schutz- und Erhaltungsziele festgelegt:

  • Erhaltung und Wiederherstellung der spezifischen ökologischen Funktionen, der biologischen Vielfalt und der natürlichen Hydro- und Morphodynamik des Gebietes;
  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der Lebensraumtypen „Sandbänke mit nur schwacher ständiger Überspülung durch Meerwasser“ (Code 1110) und „Riffe“ (Code 1170) mit ihren charakteristischen und gefährdeten Lebensgemeinschaften und Arten;
  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes folgender FFH-Arten und ihrer Habitate: Schweinswal, Seehund, Kegelrobbe und Finte.

Erhaltungsziele für das FFH-Gebiet
„Borkum-Riffgrund“ (DE 2104-301) in der deutschen AWZ der Nordsee

Bundesamt für Naturschutz, Stand Januar 2008
Erhaltungsziele_Borkum_Riffgrund_2009_03_06.pdf

Foto von Seenelken auf dem Grund der Nordsee

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Schutzgebiet Borkum Riffgrund...

Foto eines Bäumchenröhrenwurms (Lanice conchilega) auf dem Meeresgrund

Bäumchenröhrenwurm (Lanice conchilega)

Foto von Seenelken auf Blockstein unter Wassser

Seenelken auf Blockstein

Foto einer Ruderkrabbe (Liocarcinus depurator) unter Wassser

Ruderkrabbe (Liocarcinus depurator)

Foto von Sandgrundeln (Pomatoschistus minutus) auf dem Meeresgrund

Sandgrundeln (Pomatoschistus minutus) finden ideale Lebensbedingungen

Foto einer auftauchenden Kegelrobbe (Halichoerus grypus)

Auch Kegelrobben (Halichoerus grypus) kommen gelegentlich im Gebiet vor.

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Stand der Aktualisierung 26.10.2011