FFH-Schutzgebiet Sylter Außenriff

Am Sylter Außenriff, einem Schutzgebiet mit besonderer Größe und hoher Artenvielfalt, wechseln nahrungsreiche Sandbänke mit für die Nordsee geradezu farbenprächtigen Riffen. Zahlreiche Fischarten, seltene und bedrohte Seevögel und Meeressäugetiere haben hier ihren Lebensraum.

Das etwa 5.314 km² umfassende Schutzgebiet mit nach Westen abfallenden Wassertiefen von 8 m bis 48 m beinhaltet die Sylt-Amrumer Außengründe und die nordöstlichen Flanken des Elbe-Urstromtales. Die Abgrenzung erfolgte vor allem nach den Verbreitungsschwerpunkten der Schweinswale sowie den Vorkommen der Lebensraumtypen „Sandbänke“ und „Riffe“.

Die Amrumbank ist eine repräsentative Sandbank, die durch eine hohe Biotop- und Habitat-Vielfalt gekennzeichnet ist, mit grobsandigen bis kiesigen und feinsandigen Bereichen. Dementsprechend haben sich verschiedene typische Lebensgemeinschaften der Bodentiere entwickeln können.

Charakteristisch für die Amrumbank sind die Grobsandgemeinschaften wie:

  • Goniadella-Spisula (Knäuelwurm-Trogmuschel)
  • Gemeinschaft und Feinsandgemeinschaften wie Tellmuschel (Tellina-fabula)
  • Gemeinschaft mit langlebigen Muschelarten.

Die Riffe im Schutzgebiet gelten als einmalig in den küstenfernen Gebieten der deutschen Nordsee. Sie ziehen sich als bandartige Steinfelder entlang der Flanken des Elbe-Urstromtales. Darüber hinaus durchdringen Blöcke und Steinfelder wie ein Fenster die sandigen Flächen u.a. auch im zentralen Bereich der Amrumbank. Charakteristisch sind hartsubstrat-typische Epifauna-Gemeinschaften mit Arten wie Seenelke, Essbarer Seeigel, Tote Mannshand sowie Seescheiden, Blättermoostierchen und Schwämmen.

Von besonderer Bedeutung ist das Schutzgebiet für Schweinswale: hier wurden die höchsten Konzentrationen von Schweinswalen in der gesamten deutschen Nordsee nachgewiesen, wodurch das Gebiet eine zentrale Bedeutung für die Erhaltung dieser Art hat. Regelmäßige Sichtungen von Mutter-Kalb-Paaren und Konzentrationen mit bis zu 50 Tieren innerhalb einer Sichtungsdauer von 10 min. (sogenannte „hot spots“) belegen, dass das Gebiet eine wichtige Rolle als Kalbungs- und Paarungshabitat spielt. Das Sylter Außenriff grenzt direkt an das Schweinswal-Schutzgebiet westlich vor Sylt, dem bisher einzigen Walschutzgebiet in der Nordsee.
Die hohen Schweinswaldichten lassen auch Rückschlüsse auf gute Vorkommen potenzieller Beutefische zu.

Darüber hinaus nutzen Seehunde und Kegelrobben das Gebiet als Nahrungshabitat bzw. durchschwimmen es auf dem Weg von ihren Fressplätzen zu ihren Ruhe- und Reproduktionsplätzen. Kegelrobben nutzen derzeit nur die Knobsände vor Amrum und Helgoland als Fortpflanzungsgebiete. Aufgrund der saisonal stark schwankenden Bestandszahlen ist davon auszugehen, dass ein starker Austausch mit Tieren von anderen Liegeplätzen und Kolonien rund um die Nordsee, zum Beispiel aus Großbritannien, besteht. Dem Schutz geeigneter Migrationskorridore kommt daher eine hohe Bedeutung zu.

Als weitere Anhang II-Arten der FFH-Richtlinie werden im Gebiet Finten und Flussneunaugen mitgeschützt, die hier wichtige marine Habitate für die Nahrungssuche und Überwinterung finden.

Name Lebensraumtyp Art Anzahl
Sylter Außenriff Sandbänke, 87 km²
Riffe, 154 km²
Schweinswal 1.001 - 10.000 *
Seehund 1.001 - 10.000 *
Kegelrobbe 11 - 50 *
Flussneunauge nachgew., z.Zt. keine Bestandszahlen
Finte nachgew., z.Zt. keine Bestandszahlen


STANDARD-DATENBOGEN für Natura 2000-Gebiete.
Gebiete, die als Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung in Frage kommen (GGB) und besondere Erhaltungsgebiete (BEG).
1209-301_Sylter_Aussenriff_2011_08_30.pdf

Schutz- und Erhaltungsziele

Für die abgrenzungsrelevanten Lebensraumtypen und Tierarten wurden allgemeine Schutz- und Erhaltungsziele festgelegt:

  • Erhaltung und Wiederherstellung der spezifischen ökologischen Funktionen, der biologischen Vielfalt und der natürlichen Dynamik des Gebietes;
  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der Lebensraumtypen „Sandbänke mit nur schwacher ständiger Überspülung durch Meerwasser“ (Code 1110) und „Riffe“ (Code 1170) mit ihren charakteristischen und gefährdeten Lebensgemeinschaften und Arten;
  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes folgender FFH-Arten und ihrer Habitate: Schweinswal, Seehund, Kegelrobbe, Flussneunauge und Finte.

Erhaltungsziele für das FFH-Gebiet
„Sylter Außenriff“ (DE 1209-301) in der deutschen AWZ der Nordsee

Bundesamt für Naturschutz, Stand Januar 2008
Erhaltungsziele_Sylter-Aussenriff_2011-04-28.pdf

Foto von Seenelken auf Steinen unter Wasser

Sehen Sie das
Video zum Sylter Aussenriff ...

Foto von Köpfchenpolypen (Tubularia larynx) im Wasser

Köpfchenpolyp (Tubularia larynx)

Foto eines Seeigels (Echinus esculentus) und Seeanemonen auf dem Meeresgrund

Seeigel (Echinus esculentus) und Seeanemonen

Foto einer Toten Mannshand (Alcyconium digitatum) an einem Stein unter Wasser

Tote Mannshand (Alcyconium digitatum)

Foto eines Einsiedlerkrebses (Pagurus bernhardus) auf dem Meeresgrund

Einsiedlerkrebs (Pagurus bernhardus)

Foto eines Leierfisches (Callionymus lyra) auf dem Meeresgrund

Leierfisch (Callionymus lyra)

Foto eines mit dem Bauch nach oben tauchenden Seehunds (Phoca vitulina vitulina)

Seehund (Phoca vitulina vitulina)

Foto einer Kegelrobbe (Halichoerus grypus) an der Wasserkante

Kegelrobbe (Halichoerus grypus)

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Stand der Aktualisierung 26.10.2011