Wiederansiedlung des Störs

Junger Europäischer Stör (Acipenser sturio)

Junger Europäischer Stör (Acipenser sturio)

Wiederansiedlung des Europäischen und Atlantischen Störs

Primäres Ziel des Vorhabens ist es, zur Arterhaltung eines der historisch bedeutendsten Wanderfische Deutschlands beizutragen. So sollen wieder selbst-reproduzierende Bestände der beiden historisch im Einzugsgebiet der Nord- und Ostsee vorkommenden Arten (s.u.) aufgebaut werden. Zudem sollen die Arbeiten zur Wiederansiedlung auch als Mittel zur Verbesserung der Lebensgrundlagen der Tiere in den von ihnen bewohnten Ökosystemen dienen; zum Beispiel durch integriertes Gewässereinzugsgebietsmanagement mit den Zielen einer Redynamisierung und Verbesserung der Strukturvielfalt. Der Stör hat hier durch die Vielzahl der von ihm genutzten Lebensräume auch eine Funktion als Wegbereiter für andere Arten (Lachs, Meerforelle, Schnäpel, Maifisch (Alse), Finte aber auch viele andere typische Arten der Fließgewässerfauna) mit ähnlichen Ansprüchen an den Lebensraum.

Foto des Aussetzgebietes für junge Störe an der Oder

Das Aussetzgebiet an der Oder.

Foto des Aussetzgebietes für junge Störe an der Oste

Das Aussetzgebiet an der Oste.

Foto mit Plakaten und Fahnen für das Wiederansiedlungsprojekt

Plakate und Fahne.

Aufbau eines Elterntierbestandes

Aufgrund der Anpassung von Arten an ihren jeweiligen Lebensraum müssen Tiere, die ausgewildert werden, sich auch für diesen Lebensraum „eignen“. Da der Europäische Stör (Acipenser sturio) historisch verschiedene, geographisch getrennte Populationen einschloss, war die genetische Analyse und Beschreibung dieser Populationen anhand von Museumsproben und gefangenen Tieren ein wichtiger Teilaspekt des Vorhabens. Diese haben gezeigt, dass die letzten noch lebenden A. sturio aus der Gironde praktisch identisch mit den Stören sind, die historisch in der Nordsee und ihren Zuflüssen vorkamen. Für die Wiederansiedlung der Art im Nordseeeinzugsgebiet ist daher der Besatz mit dem Nachwuchs des europäischen Atlantischen Störs A. sturio aus der Gironde eine optimale Möglichkeit.

Die ehemals in der Ostsee vorkommenden Störe jedoch sind die Nachfahren des vor ca. 1.000 Jahren eingewanderten Art, des Amerikanischen Atlantischen Störs, Acipenser oxyrinchus. Folglich können geeignete Besatzfische für die Oder aus dem St. Lawrence Fluss und dem St. John Fluss in Kanada bezogen werden.

Für die Nachzucht der zwei Störarten ist es unabdingbar, einen Bestand an Elterntieren verfügbar zu haben. Aufgrund der neuen genetischen Erkenntnisse zur Herkunft der Störe in Nord- und Ostsee werden derzeit Elterntierbestände für die Vermehrung und Besatzproduktion aufgebaut. Für den Aufbau des Bestandes von A. sturio wurden im Rahmen der Zusammenarbeit mit der französischen Forschungseinrichtung CEMAGREF Tiere aus kontrollierter Nachzucht an das IGB gebracht. In Frankreich gelangen erste erfolgreiche Nachzuchten in den Jahren 2007 und 2008. Mit Hilfe von Tieren aus diesen Nachzuchten soll der Elterntierbestand in Deutschland ausgebaut und für erste experimentelle Besatzmaßnahmen genutzt werden.

Potentielle Lebensräume für frühe Entwicklungsstadien

Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Wiederansiedlung ist die Verfügbarkeit intakter Laichplätze in den drei potentiell für die Wiederansiedlung vorgesehenen Flüssen Oder, Elbe und Rhein oder ihren Nebengewässern. Im Rahmen der laufenden Arbeiten wurden bislang an der Oder und ihren Zuflüssen die historisch aus Literaturangaben belegten Laichplätze untersucht. Nach dem bisherigen Kenntnisstand eignen sich von den Gewässern des Odereinzugsgebietes einige Abschnitte grundsätzlich als Laichplätze. Einige Abschnitte bedürfen noch einer Renaturierung. Insbesondere die Nährstoffbelastung der polnischen Oderzuflüsse stellt die größte Einschränkung bezüglich der Qualität der Laichplätze dar. In der Mittelelbe konnte das Vorkommen von Kiesbänken, die potentiell als Laichsubstrat dienen, bestätigt werden.

Entwicklung alternativer Fischereitechniken

Um den Beifang von Stören in der kommerziellen Fischerei zu minimieren, werden Versuche zur Modifikation von Stellnetzen für die Küstenfischerei durchgeführt. Hierbei gilt es, neben der Vermeidung des Beifanges von Stören die Fangeffizienz für Zielfische (Zander und Barsch) in der kommerziellen Stellnetzfischerei im Stettiner Haff zu sichern. Die Versuche zur Fangeffizienz und Selektivität von modifizierten Fanggeräten werden im deutschen Teil des Stettiner Haffs durchgeführt. Zu diesem Zweck werden Versuche in Zusammenarbeit mit der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern mit den verschiedenen Netztypen und Maschenöffnungen realisiert.

Erste Besatzmaßnahmen
mit dem Atlantischen Stör (A. oxyrinchus)

Im Mai 2007 wurden die ersten markierten und zum Teil mit Sendern versehenen Jungstöre in die Oder eingesetzt. Diese Besatzmaßnahmen wurden 2008 fortgesetzt und inzwischen wurden rund 35.000 Tiere in die Oder und ihre Nebengewässer entlassen. Sie sind Teil der Untersuchungen zum Wanderverhalten und der Habitatnutzung der Tiere im Odergebiet. Hierbei soll die Eignung des Flussgebietes für den Aufbau eines Störbestandes bestimmt werden. Im Rahmen eines Monitorings werden zudem Risikofaktoren für das Überleben der Jungtiere identifiziert und quantifiziert. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden die Grundlage für das Management eines möglichen, nachfolgenden Besatzes in größerem Maßstab schaffen.

Erste Besatzmaßnahmen
mit dem Europäischen Stör (A. sturio)

Im September 2008 haben die ersten markierten und teilweise mit Sendern ausgestatteten Störe ihre Reise in der Elbe antreten. Eine weitere experimentelle Besatzmaßnahme hat im April 2009 in der Oste stattgefunden. Die Untersuchungen zum Wanderverhalten und der Habitatnutzung der Tiere im Elbegebiet sollen helfen, die Ansprüche der Art zu bestimmen und die Eignung des Flussgebietes für den Aufbau eines Störbestandes zu ermitteln.

Weiterführende Informationen:

Dipl. Biol. Dr. J. Geßner
Gesellschaft zur Rettung des Störs e.V.
sturgeon@igb-berlin.de
Telefon: (030) 641 81 626

Broschüre:
Nationaler Aktionsplan zum Schutz und zur Erhaltung des Europäischen Störs (Acipenser sturio)

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Buchcover der Broschüre Nationaler Aktionsplan zum Schutz und zur Erhaltung des Europäischen Störs (Acipenser sturio)

Viele weitere Informationen über dieses Projekt finden Sie in unserer neuen Broschüre :
Nationaler Aktionsplan zum Schutz und zur Erhaltung des Europäischen Störs (Acipenser sturio)
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oder beim BMU bestellen: www.bmu.de


Grafische Darstellung eines Störs in blau vor weißem Hintergrund auf einer Fahne

Der Stör
ist ein lebendes Fossil

Seine prähistorischen Spuren reichen 200 Mio. Jahre zurück bis in die Zeit der Dinosaurier. Von den weltweit 27 Arten sind heute alle gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Störe waren aber bis Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Bestandteil der Lebensgemeinschaft der Flüsse Norddeutschlands.
Durch die umfassende Umweltverschmutzung und Gewässerverbauung, die in Folge der industriellen Revolution stattfand, wurden seine Lebensgrundlagen weitgehend zerstört. Drastische Überfischung besiegelte das Schicksal der Art am Anfang des 20. Jhd. Der letzte Störbestand in Deutschland existierte bis 1969 in der Eider. Seitdem gilt die Art in deutschen Gewässern als verschollen oder ausgestorben. Eine Restpopulation des Europäischen Störs existiert heute nur noch in der französischen Gironde.

Foto mit Forschen und Journalisten beim Aussetzen junger Störe

Ein spannendes Medienereigniss. Die ersten Störe werden ausgesetzt.

Foto mit Forschen über einem Transportbehälter für die jungen Störe

Kleine Störe mit großer Zukunft.

Foto eines jungen Störes in den Händen eines Forschers

Atlantischer Stör (Acipenser oxyrinchus) mit Markierung.

© Bundesamt für Naturschutz (BfN) | IMPRESSUM | SHAREPOINT
Stand der Aktualisierung 26.10.2011