Wintersport und Naturschutz
Wenn es Winter wird, dann haben Rodeln, Snowboarden und Skifahren Hochsaison. Die Mittelgebirge und alpinen Hochgebirge sind dann Ziel vieler Wintersportler, wobei die meisten von ihnen direkt bis in die Alpen fahren. Schließlich gibt es dort längere, steilere Hänge und mit ziemlicher Sicherheit Schnee von November bis März. Aber: Die Alpen sind ein Lebensraum, der besonders sensibel auf Störungen reagiert und vielen Tier- und Pflanzenarten eine Rückzugsmöglichkeit bietet.
Welche Auswirkungen hat der Wintersport auf die Natur?
In den Skigebieten der Alpen sind es nicht die Skisportler selbst, von denen die Umweltbelastung ausgeht, sondern die mit dem Sport verbundene Infrastruktur. Mit der Erschließung sind erhebliche Eingriffe in die Landschaft verbunden. Seilbahnen, Lifte, Restaurants, Hotels und Parkplätze werden gebaut, Wälder gerodet und in wärmeren Wintern Kunstschnee aufgebracht. Dies alles hat gravierende Folgen für die empfindliche Natur.
Auswirkungen auf den Wasserhaushalt im Gebirge
Die asphaltierten und bebauten Flächen können kein Wasser mehr aufnehmen. Deshalb kommen auf die verbliebenen Naturflächen während der Schneeschmelze oder nach heftigen Regenfällen große Wassermengen zu, die sie allein nicht mehr speichern können. Durch die großen und schnell abfließenden Wassermengen droht dann Erosionsgefahr, also das Abtragen der fruchtbaren Erdschicht - vor allem dort, wo die geschlossene Pflanzendecke aus Gräsern durch die schweren Pistenfahrzeuge zur Planierung und Pistenpräparation zerstört wurde. Im Extremfall kann es dann sogar zu Schlamm- und Gerölllawinen kommen.
Überall wo Kunstschnee verwendet wird, wird auch der natürliche Wasserhaushalt gestört. Seltene, anspruchslose Pflanzen, die einen Magerrasen bilden, werden verdrängt, weil das Wasser für den Kunstschnee nährstoffreicher ist. Pflanzen, die auf diesen Standorten ohne die künstlich zugeführten Nährstoffe nicht wachsen könnten, verdrängen sie dann.
Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere der Berge
Durch den Einsatz von Pistenfahrzeugen wird die nährstoffreiche Humusauflage der Hänge zerstört, Gräser und Zwergsträucher können nicht mehr wachsen. Vielen pflanzenfressenden Insekten, wie Schmetterlingen und Blattkäfern, wird die Nahrungs- und Lebensgrundlage entzogen.
Wenn der Schnee nicht von oben kommt, werden in vielen Skigebieten Schneekanonen eingesetzt. Die verbrauchen nicht nur enorm viel Wasser und Energie, sondern sind auch noch so laut, dass man die Lärmbelastung mit der an einer stark befahrenen Straße vergleichen kann. Gerade weil sie meistens abends eingesetzt werden, können Wildtiere in ihren Ruhephasen gestört werden. Der Stress führt zu einem zu hohen Energieverbrauch, den die Wildtiere durch den Nahrungsmangel im Winter nicht wieder ausgleichen können.
Wenn der Kunstschnee erst einmal liegt, hat er weitere negative Auswirkungen auf die darunter liegenden Pflanzen: Die künstliche Schneedecke verkürzt ihre Wachstumszeit und ist auch noch dichter als natürlicher Schnee. Deshalb hat er viel weniger Luftporen als natürlicher Schnee, so dass empfindliche Pflänzchen den Winter unter einer Kunstschneedecke nicht überstehen.
Welche Folgen hat der Skibetrieb langfristig?
Unterhalb der Waldgrenze von 1500-1700 m ist es möglich, dass sich die Pflanzen- und Tierwelt von den Umweltbelastungen vollständig erholt. Das kann allerdings bis zu 20 Jahre lang dauern. Oberhalb der Waldgrenze besteht jedoch kaum Hoffnung, dass Flächen, die für den Wintersport planiert werden, sich auf eine natürliche Art und Weise wieder begrünen. Die Landschaft kann dann ihrer Funktion als Nahrungs- und Lebensraum für Tiere und Pflanzen nicht mehr gerecht werden.











