Wintersport und Naturschutz
Rodeln, Snowboarden und Skifahren haben gerade Hochsaison in den Mittelgebirgsregionen und Alpen! Die Mittelgebirge und alpinen Hochgebirge sind jedes Jahr ein beliebtes Reise- und Ausflugsziel für viele begeisterte Wintersportler, Gruppen und Familien. Das Skifahren ist zwar auch in Mittelgebirgen möglich, der Schwerpunkt liegt jedoch vorwiegend in den Alpen mit ihren längeren und steileren Hängen und Pisten. Ein Lebensraum, der besonders sensibel auf Störungen reagiert und vielen Tier- und Pflanzenarten auch im Hinblick auf den Klimawandel eine Rückzugsmöglichkeit bietet.
Wenn ein Skigebiet erschlossen wird, sind damit erhebliche Eingriffe in die Landschaft verbunden. Seilbahnen, Lifte, Restaurants, Hotels und Parkplätze werden auf Flächen gebaut, die sonst im Frühjahr zur Schneeschmelze große Wassermengen gespeichert haben. Die unverbauten Flächen können das Wasser z. B. auch nach heftigem Regen aber nicht mehr allein aufnehmen. Durch die großen und schnell abfließenden Wassermengen droht dann Erosionsgefahr, also das Abtragen der fruchtbaren Erdschicht. Vor allem dort, wo die geschlossene Pflanzendecke aus Gräsern durch die schweren Pistenfahrzeuge zur Planierung und Pistenpräparation zerstört wurde. Im Extremfall kann es dann sogar zu Schlamm- und Gerölllawinen kommen.
Durch den Einsatz von Pistenfahrzeugen werden nicht nur die nährstoffreiche Humusauflage, Gräser (vor allem Seggen) und Zwergsträucher zerstört. Die Planierung führt dazu, dass vielen pflanzenfressenden Insekten, wie Schmetterlingen und Blattkäfern, die Nahrungs- und Lebensgrundlage entzogen wird.
Es ist also weniger der einzelne Wintersportler selbst, von dem die meist schwerwiegende Umweltbelastung für die Pflanzen- und Tierwelt ausgeht, sondern die mit dem Wintersport verbundene Infrastruktur.
Dazu gehört zum Beispiel auch Kunstschnee. Der Einsatz von Schneekanonen führt zu einer so großen Lärmbelastung, der mit einer stark befahrenen Straße vergleichbar ist. Gerade weil sie meistens abends zur Pistenpflege eingesetzt werden, können Wildtiere in ihren Ruhephasen gestört werden. Der Stress führt zu einem zu hohen Energieverbrauch, den sich die Wildtiere durch den Nahrungsmangel im Winter nicht leisten dürfen. Das kann dann zu verstärkten Verbiss- oder Schälschäden führen. Das bedeutet, dass Wildtiere, wie Rehe oder Rotwild, an Knospen oder Baumrinden knabbern und die betroffenen Bäume und Sträucher in ihrem Wachstum eingeschränkt werden.
Überall wo Kunstschnee verwendet wird, wird auch der natürliche Wasserhaushalt gestört. Seltene, anspruchslose Pflanzen, die einen Magerrasen bilden, werden verdrängt, weil das Wasser für den Kunstschnee nährstoffreicher ist. Pflanzen, die auf diesen Standorten ohne die künstlich zugeführten Nährstoffe nicht wachsen könnten, verdrängen sie dann.
Die künstliche Schneedecke verkürzt nicht nur die Zeit, in der die Pflanzen wachsen können. Kunstschnee ist dichter als natürlicher Schnee und hat viel weniger Luftporen, die wie kleine Luftpölsterchen wirken. Sie sollen die darunterliegenden Pflanzen mit Sauerstoff versorgen und isolierend schützen. Bei Kunstschnee besteht deshalb die Gefahr, dass die Pflanzendecke darunter geschädigt wird. Das zusätzliche Schmelzwasser erhöht außerdem die Gefahr der Bodenerosion.
Für den Betrieb der Schneekanonen wird außerdem enorm viel Wasser und Energie verbraucht. Die Alpen mit ihren Gletschern sind allerdings auch der Trinkwasserspeicher für ganz Mitteleuropa! Durch den Gletscherbetrieb entstehen weitere Probleme. Denn dieses Trinkwasser kann durch Förderanlagen, Fahrzeuge, Schmiermittel oder die Wintersportler selbst unter starker Verschmutzung leiden.
Unterhalb von 1500-1700 m (das ist die Waldgrenze) ist es möglich, dass sich die Pflanzen- und Tierwelt von den Umweltbelastungen vollständig erholt. Das kann allerdings bis zu 20 Jahre lang dauern. Oberhalb der Waldgrenze besteht jedoch kaum Hoffnung, dass Flächen, die für den Wintersport planiert werden, sich auf eine natürliche Art und Weise wieder begrünen. Die Landschaft kann dann nicht nur ihrer Funktion als Nahrungs- und Lebensraum für Tiere und Pflanzen nicht mehr gerecht werden, sondern sieht auch im Sommer nicht mehr schön aus.
Damit der Spaß am Wintersport also nicht auf Kosten der Natur geht, hat jeder einzelne jedoch die Möglichkeit, die Umweltbelastung so gering wie möglich zu halten. Zum Beispiel durch die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die Auswahl einer umweltfreundlichern Unterkunft oder indem man die ausgewiesenen Wege nicht verlässt.
Text nach Stefan Effelsberg & Tobias Luthe, www.natursportinfo.de







