Unser Naturgarten
Der Naturgarten

(Quelle Natdet, HU) Wer sein häusliches Ambiente mit Wildblumen bestückt, muss in puncto Schönheit keinerlei Abstriche machen: Blühaspekt im Juni einer Wildstaudenrabatte am BfN (im Vordergrund die Sinnspruchtafel "Wer mithilft, die Schöpfung zu bewahren, baut Brücken in die Zukunft" v. A. L. Balling).
Heutzutage haben viele Privatgärten mehr exotische Fremdgehölze und gezüchtete Kulturformen, als Wildblumen. Einheimische Wildpflanzen kommen meist nur noch selten vor. Dieses Missverhältnis kann man verbessern. Seht euch einmal in eurem Garten zu Hause oder in der Schule auf dem Schulhof um und ermittelt die Hemerobiestufe! Ein komplett umgegrabener Garten ist das Gegenteil von „Natürlich“, er ist nahezu naturfern (Hemerobiestufe 4), ein allmählich verwildernder Garten nähert sich immer mehr der (Hemerobiestufe 3) an. Ist der Garten dagegen ein gepflasterter Hof, dann entspräche das mindestens der Hemerobiestufe 5. Ein versiegelter, asphaltierter Schulhof mit lauter Gebäuden und ohne Bäume wäre Hemerobiestufe 6. Näheres dazu lest ihr in der rechten Spalte.
Tipps für die Naturgartenanlage:

(Quelle Natdet, BfN) Der vielleicht schönste Tagfalter, der Schwalbenschwanz, saugt hier an einer Leinkrautblüte (Linaria vulgaris)

(cc-by-sa,Darkone_Acker-Witwenblume Knautia arvensis @wikipedia.de) Wiesenblumen sind ein El Dorado für die unterschiedlichsten Blütenbestäuber

(Quelle Natdet, HU) Die Witwenblume, sieht auch in Rabatten dekorativ aus. Sie ist außerdem attraktiv für eine Vielzahl Bestäuber (hier: Widderchen)
Selbst ein Naturgarten bedarf einer geringfügigen Pflege (Eingriff) durch den Menschen. Insofern ist ein Garten niemals ahemerob oder oligohemerob (siehe rechter Kasten). Aber trotzdem kann er einen wertvollen Lebensraum für die Natur darstellen.
Um eine bunte Blumenwiese auf Dauer zu erhalten, darf der Gartenboden nicht zu fett (kein Dünger) und mit möglichst viel Sand durchmischt sein (s.g. „Abmagern“, Sandanteil 50 %). Auf „fetten“ Garten- und Ackerböden obsiegen im Wettstreit des Überlebens nur wenige stickstoffhungrige Arten (Mastgräser, Disteln und Löwenzahn).
Auch Staudenrabatten mit einheimischen Pflanzen können sehr dekorativ sein. Einheimische Stauden haben zudem den Vorteil, dass sie weniger Gießwasser brauchen, wuchskräftiger sind und sich oft selbstständig aussäen. Auch sind solche Rabatten in der Regel pflegeleichter. Allerdings sollte man ein gewisses Maß an Wildwuchs tolerieren können. Ansonsten würde man sich der üblichen Gartenpflege angleichen und der Garten würde wieder naturferner.
Alle Pflanzen sollten möglichst nicht der Natur entnommen werden, oder nur, wenn sichergestellt ist, dass a.) das Gebiet keinem Naturschutzstatut unterstellt ist und b.) die Pflanzen selbst nicht nach BundesNaturschutzGesetz/ Artenschutzverordnung geschützt sind. Es gibt inzwischen ein reiches Angebot durch Wildpflanzenhändler und Baumschulen.
Naturgärtner achten darauf, dass sie eine möglichst umfangreiche Palette an natürlicher Verschiedenheit sicherstellen. Manche Pflanze wächst nur im trockenen, manche nur im nassen Milieu. Auch sind sie entweder für den Einsatz in der Wiese, oder am Waldrand (halbschattig) oder im Wald-Unterstand (schattig) optimiert. Ebenso taugen kalkliebende Pflanzen nicht für Moorböden (torfsauer) und saure Böden liebende Pflanzen nicht für kalkhaltige Böden.
Erhöhung der Ausstattung und des Naturinventars, damit der Garten als Lebensraum zusätzlich an Wert gewinnt: z.B. ein Bienenhaus für Wildbienen, Nistkästen für Vögel und Siebenschläfer, Steinhaufen und Trockenmauern für Kleintiere, eine „Wilde Ecke“, die aus der Nutzung genommen wird und wo auch Brennnessel (wichtigste Schmetterlingsraupen-Futterpflanze) wachsen darf, ein abgestorbener Obstbaum, der stehen bleiben darf, oder ein kleiner Tümpel für Wasserpflanzen und Libellen. Natürlich ist ein Plastikteich niemals so ökologisch wertvoll wie ein richtiges Gewässer mit Grundwasseranschluss. Aber trotzdem hilft solch ein Becken, die Vielfalt und Variabilität der Lebensraumtypen im Garten zu erhöhen.
Natürlich darf in einem Naturgarten auch geerntet werden! Aber die Naturgärtner achten darauf, dass weder Kunstdünger, noch chemische Schädlings-Bekämpfungsmittel eingesetzt werden.
Vorschläge für einheimische Stauden / Kleingehölze (Auswahl)

(cc-by-sa, Bergwiese-Kaernten-2008-Thomas Huntke @wikipedia.de) Je weiter man südlich kommt, desto artenreicher die Wiesen. Bergwiesen in den Alpen haben eine unübertroffene Artenfülle

(Foto: Natdet, HU) Attraktiv ist auch der Blutweiderich. Er hat zwar gern "nasse Füsse", kommt aber auch im nicht zu trockenen, sonnig bis halbschattigen Staudenbeet zurecht.

(Foto: Natdet, HU) Wiesensalbei. Dieser attraktive Lippenblütler ist sowohl für die Wiese, als auch für das Staudenbeet geeignet. Er mag frische bis trockene Standorte und jedenfalls Sonne.
Frühjahr: Z. B. alle Zwiebel-Frühjahrsblüher, Aronstab, Scharbockskraut, Märzbecher, Kornelkirsche, Winterling, Bärlauch, Schlüsselblume, Lungenkraut, Veilchen, Wiesenschaumkraut, Ehrenpreis, Waldsternmiere, Milchstern, Trollblume, Salomonsiegel, Mauerpfeffer, Buschwindröschen, Vergissmeinnicht, Eberesche, Polsterphlox, Sumpfdotterblume, Wasserlilien
Frühsommer/ Sommer: Borretsch, Ferkelkraut, Besenginster, Farne, Acker-Leinkraut, Schneeball, Mähdesüß, Augentrost, Günsel, Karthäusernelke, Taubenkropf rot und weiß, Taglichtnelke, Eisenhut, Fingerhut, Gilbweiderich, Blutweiderich, Waldstorchnabel, Wiesenstorchschnabel, Witwenblume, Klatschmohn, Leinkraut, Margerite, Witwenblume (Knautie), Flockenblume, Kornblume, Großer Wiesenknopf, Hasenohr, Habichtskraut, Wiesenknopf, Kardendistel, Zimbelkraut, Herbstzeitlose, Glockenblumen, Frauenmantel, Klee.
Von "Trocken" bis "Nass"

(Foto: natdet, HU) Verrottendes Totholz im Garten? Warum nicht? Es ist ein kleiner Kosmos und ein Lebensraum für viele Tierarten, die auf dieses Moderholz angewiesen sind

(cc-by-sa, 2.5, Roger Kreja_Trockenmauer eines Weinbergs in Süddeutschland mit typischen Bewuchs @wikipedia.de) Molche, Kröten und Eidechsen überwintern hier

(cc-by-sa,2.5, Frank Mikley,Tree disc 4 solitary bees @wikipedia.de) präparierte Baumscheiben ermöglichen es solitär lebenden Wildbienen zu brüten. Besiedelte Löcher werden verschlossen
Der Nachbau unterschiedlicher Lebensbereiche macht auch im Garten Sinn, denn er erfüllt über das Ästhetische hinausgehende Zwecke: Möglichst verschiedene Verhältnisse ermöglichen es einer größeren Vielzahl an Arten in demselben Raum zusammenzuleben und stabilisieren so gleichzeitig Lebensräume. Diese Maßnahmen können aber nur als Ergänzung und nicht als Ersatz für zerstörte Originallandschaften sinnvoll sein.






