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Sportart Auswahl Mountainbiking
 
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Text: Martina Porzelt &
Swiss Cycling

 

Mountainbiking


Die Geschichte des Mountainbikens begann in den 1970er Jahren in den Hügeln Nordkaliforniens. Zu Beginn der 1990er Jahre erlebte auch Europa einen eigentlichen Bikeboom, und heute ist aus der Trendsportart eine weit verbreitete Freizeit-Beschäftigung geworden, die von immer mehr Sportlern ausgeübt wird. Der Reiz des Mountainbikens resultiert in erster Linie aus der Tatsache, dass man nicht auf befestigte Strassen angewiesen ist, und dem so ermöglichten Naturerlebnis. Voraussetzungen für die Ausübung der Sportart sind neben der entsprechenden Ausrüstung eine gute physische und psychische Konstitution. Im Laufe der Jahrzehnte sind viele Varianten des Mountainbikens entstanden, die alle ihre speziellen Bedürfnisse ans Material und an die Charakteristik der Wege haben. Neben der klassischen, inzwischen auch olympischen Disziplin Cross Country traten weitere wie Marathon, Downhill oder der Biker-Cross. Auf Grund der Geländegängigkeit der Mountainbikes können Lebensräume mit empfindlicher Flora und Fauna beeinträchtigt werden. Um diese Auswirkungen zu minimieren, haben sich in Deutschland z.B. die Deutsche Initiative Mountainbiking e.V. (DIMB) und in der Schweiz die „Arbeitsgruppe Politik und Umwelt“ von Swiss Cycling gebildet: Diese setzen sich nicht nur für die Anliegen des Bikesports ein, sondern auch für die Aufklärungsarbeit hinsichtlich der ökologischen Auswirkungen ihres Sports ein.
 
Beschreibung der Sportart
 
Sportausübung

Wie der Name «Mountainbike» schon sagt, stellen Berge oder zumindest hügeliges Gelände den Naturraum dar, in dem Mountainbiken ausgeübt wird. Abhängig von den Fähigkeiten oder Ansprüchen des jeweiligen Fahrers sind eher gemäßigte Hügel oder aber extreme Steigungen auf schwierigstem Untergrund gefragt. Für Mountainbiker sind in der Regel gleichmäßige Anstiege und steile Abfahrten interessant, wobei auf letzteren Hindernisse wie Wurzeln oder Steine sowie ein variierender, unebener Untergrund für Abwechslung sorgen.

 

  • Voraussetzung
    Mountainbiker im felsigen Gelände
    Mountainbiker im felsigen Gelände
    © Joachim Jenrich

    Fürs Mountainbiken bedarf es weder einer Ausbildung noch der Zugehörigkeit zu einem Verein. Je nach Anspruch und Streckenprofil erfordert die Ausübung der Sportart aber ein gewisses Maß an Kondition. Bei steilen Anstiegen sowie auf äußerst unebenen Abfahrten sind zudem rasche Reaktionen und eine gute Koordination sowie eine vorausschauende Fahrweise gefragt. Die Mehrzahl der Breitensportler im Cross-Country- sowie im Marathon-Bereich übt den Bikesport aus Motiven der Freizeit, der Erholung sowie der Fitness aus, und zwar vor allem an Wochenenden sowie nach Feierabend: Vom Nutzungsverhalten her entsprechen diese Biker Wanderern oder Spaziergängern auf zwei Rädern.
    Die fürs Mountainbiken notwendige Ausrüstung sollte mindestens einen Helm, Schuhe mit griffiger Sohle oder spezielle, für Systempedale passende Radschuhe sowie dem Wetter angepasste Fahrrad-Kleidung umfassen. Das Mountain Bike selbst zeichnet sich vor allem durch eine großzügige Gangpalette und breite Reifen aus. Auf der Strasse rollen diese etwas rauher, dafür ermöglichen gut profilierte Reifen das Befahren unbefestigter Wege. Auch der robuste, immer öfters an beiden Rädern mit Federungs-Systemen versehene Rahmen eines Mountainbikes ist für grobes Geläuf konzipiert, sollte aber im Hinblick auf steile Anstiege dennoch nicht zu schwer sein. Bei der Anfahrtsplanung sollte berücksichtigt werden, dass Mountainbikes in der Regel nicht mit der im Straßenverkehr geforderten Sicherheits-Ausrüstung wie Licht und Rückstrahlern ausgestattet sind. Eine seriöse Planung bezüglich Route, Distanz und zu erwartender Fahrzeit vor einer Tour ist sowieso unerlässlich, um eine Ausfahrt mit dem Mountainbike voll genießen zu können.

    In Deutschland sind rechtliche Beschränkungen für das Mountainbiking auf Bundesebene nur über Rahmengesetze vertreten und unterscheiden sich in dessen Ausformulierung von Bundesland zu Bundesland erheblich. So gibt es in einigen Bundesländern Bestimmungen über die Breite der zu befahrenen Wege, die sich in der Maßzahl untereinander aber wiederum unterscheiden. Die rechtliche Situation ist in der Schweiz vergleichbar, wobei Unterschiede nicht nur auf Kantonsebene sondern auch auf Gemeindeebene bestehen (siehe Studie unter http://www.vsmf.ch). Grundsätzlich sieht das schweizerische Bundesgesetz kein Befahren unbefestigter Wege im Wald vor. Diese Bestimmung ist älter als das Mountainbiken als Sportart. Aus touristischen Erwägungen stehen einzelne Wege dennoch offen. Überall verboten in Deutschland und der Schweiz ist das „Off-Road“-Fahren, also das Fahren abseits der Wege. Dies wird auch in den Verhaltensregeln für Biker ausdrücklich ausgeschlossen.


  • Reiz und Einfluss der Natur auf den Sportler
    Zwei Hauptmotive sind beim Mountainbiken zentral: Erstens stellen das Naturerlebnis und die Möglichkeit einer Flucht ins Grüne einen Hauptanreiz zur Ausübung des Sports dar. In diesem Punkt unterscheiden sich Biker kaum von Wanderern, einzig dass ihr Aktionsradius auf Grund ihrer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit deutlich größer ist. Zweitens kann bei zunehmender, sportlicher Ambition auch die Herausforderung in den Vordergrund rücken, besonders knifflige Wege ohne Probleme zu meistern. Das Erlebnis, mit eigener Muskelkraft auch Routen mit anspruchsvollem Höhenprofil zu meistern, ist eine weitere, wichtige Motivation für Bikesportler.
  • Geschichte
    Ausgeschilderte Bikerouten (rot) im Emmental (Schweiz)
    Ausgeschilderte Bikerouten (rot) im Emmental (Schweiz)
    © Markus Ruff
    Wie manch andere, junge Sportarten stammt auch das Mountainbiken ursprünglich aus Kalifornien. Im Norden des «Sunshine States» motzten einige Pioniere alte Alltagsräder mit Gangschaltungen und tauglichen Bremsen auf, um damit die Hügel des Marin County unsicher zu machen. In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre wurden in der gleichen Region die ersten Abfahrts-Rennen veranstaltete. Der Durchbruch gelang erst einige Jahre später, als 1982 erste Serien-Mountainbikes auf den Fahrrad-Messen vorgestellt und spezielle Schaltungen sowie Bremsen für den Einsatz im Gelände entwickelt wurden. Gut zehn Jahre nach den ersten Schritten schwappte der Bike-Boom nach Europa über, erste Rennen fanden statt. Bereits 1996 erlebte das Mountainbiken an den Spielen von Atlanta die olympische Premiere.
    In der Schweiz setzten die Biker organisatorisch anfänglich noch auf einen eigenen Verband. Erst nachdem dieser durch Misswirtschaft aufgelöst worden war, erfolgte die Integration der neuen Disziplin in den Radsportverband Swiss Cycling.
    Verbreitung der Sportart

    Die Größe und Heterogenität der Starterfelder bei den wichtigsten Marathon-Rennen der Saison zeigt, dass das Mountainbiken den Status einer Trend-Sportart längst hinter sich gelassen hat. In den letzten Jahren war das Mountainbike der Fahrradtyp mit den höchsten Verkaufszahlen: So war 2004 fast jedes zweite verkaufte Fahrrad in der Schweiz ein Mountainbike – die Citybikes nicht einmal mitgerechnet. Diese weite Verbreitung liegt neben der Robustheit und der Vielseitigkeit der Mountainbikes auch in der relativ unkomplizierten Sportausübung begründet. Zudem kann ein Mountainbike nicht nur als Sportgerät, sondern auch als Stadtfahrzeug, Urlaubsbegleiter oder als «normales» Fahrrad zur Fortbewegung genutzt werden.
    Da viele Käufer ihre Mountainbikes in erster Linie für andere Zwecke und nicht zur Ausübung des Bikesports selbst nutzen, kann nicht direkt von den Verkaufszahlen auf die Verbreitung der Sportart geschlossen werden.
    Im Vergleich zu anderen Sportarten ist Mountainbiken in der Ausübung relativ kostengünstig und oft ohne größere Vorbereitung oder spezifische Ausbildung durchführbar. Das erklärt, weshalb in touristisch intensiv erschlossenen Regionen Mietangebote, geführte Touren und spezielle Übernachtungsangebote für Mountainbiker florieren. Manche Bergbahnen im Alpenbogen sind gar dazu übergegangen, ihr Sommergeschäft mit Hilfe permanenter Abfahrtsstrecken und des Biketransports per Bahn anzukurbeln – auch mit dem Ziel, das Stammpublikum zu verjüngen.
    Vertreten wird die Sportart Mountainbiking in Deutschland von mehreren Vereinen und Verbänden. Dazu gehören der Bund Deutscher Radfahrer (BDR), der Allgemeine Deutsche Fahrradclub e.V. (ADFC) und die Deutsche Initiative Mountainbiking (DIMB) mit 500 angeschlossenen Vereinen bzw. Einzelmitgliedern. Die DIMB wurde Anfang der 1990er Jahre als gemeinnützige Organisation von Mountainbikern, Bike-Clubs, Bikehändlern, Herstellern und Firmen gegründet. Organisationsgrad der deutschen Mountainbiker ist gering. Weniger als 15 % der Fahrer gehörten 1998 Vereinen an. (Aus: Thomas Wörstein: Mountainbike und Umwelt. Saarbrücken: Verlag Pirrot, 1998).
    Die Situation in der Schweiz ist vergleichbar. Mitglied in einem Verein ist oftmals nur, wer mit Ambitionen und regelmässig Wettkämpfe bestreitet. In Bezug auf den Wettkampf-Sport ist das Mountainbiken im Rahmen des Radsport-Verbandes Swiss Cycling organisiert. Zudem kümmert sich die dem Verband angegliederte «Arbeitsgruppe Politik und Umwelt» um die politischen wie rechtlichen Rahmenbedingungen. Im Vergleich zu anderen Radsport-Disziplinen fällt der relativ geringe Organisationsgrad der individualistischen Biker auf: So sind nur 336 der fast 2500 bei Swiss Cycling lizenzierten Radsportler Mountainbiker: Im Vergleich zu den Verkaufszahlen ein bescheidener Anteil. Auf internationaler Ebene versucht die International Mountain Bicycling Association (IMBA) die Rahmenbedingungen für das Mountainbiking mittels Wegbau- und Verhaltensempfehlungen günstig zu gestalten.

    Naturraum
     
    Ansprüche an den Naturraum:

    Für das Mountainbiken geeignete Strecken sollten nicht nur von der Topographie und der Landschaft her reizvoll sein, sondern auch unterschiedlich große Hindernisse sowie verschiedene Bodenstrukturen aufweisen. Ein umfangreiches, mit anderen Raumnutzern abgestimmtes und ausgewiesenes Wegnetz mit unterschiedlichen Wegbreiten (einschließlich der für Biker besonders reizvollen, lenkerbreiten Single-Trails) komplettiert die Anforderungen an den Naturraum. Kaum ein Biker gibt sich damit zufrieden, nur über breite Forststrassen zu rollen. Besondere infrastrukturelle Voraussetzungen sind fürs Mountainbiken dagegen kaum erforderlich: In der Regel startet eine Biketour am Wohnort oder am Urlaubsdomizil und führt auch dorthin zurück.

    Auswirkungen
    Gruppe von Bikern bei der Fahrt Bergab
    Gruppe von Bikern bei der Fahrt Bergab
    © Samuel Gyger
    Mountainbikes sind geländegängige Sportgeräte, welche im Prinzip auch ein Fahren abseits vorhandener Wegnetze ermöglichen. Dieses auch von Seiten der Biker verpönte Querfeldein-Fahren kann durch die mechanische Einwirkung der Reifen auf die Pflanzendecke der Natur erhebliche Schäden zufügen. Vor allem auf feuchtem Untergrund hinterlassen breite, stark profilierte Reifen häufig tiefe (Brems-)Spuren und fördern so die Bodenerosion. In ökologisch sensiblen Regionen können durch Mountainbiker zudem störanfällige Tierarten aufgescheucht werden. Generell ist im Vergleich zu Fußgängern wegen der höheren Geschwindigkeit des Mountainbikers mit einer stärkeren Frequentierung der Landschaft und einer höheren Belastung abgelegener, bisher eher unberührter Gebiete zu rechnen.

    Daher scheint es notwendig, Schritte zur Lösung der genannten Probleme zu suchen. So kann Querfeldein-Fahren beispielsweise durch ein gut ausgewiesenes, in Kooperation mit Mountainbikern entwickeltes Streckennetz und einer entsprechenden Information der Sportler verhindert werden (siehe Naturpark Frankenwald). Die zuständigen Verbände und Tourismus-Akteure weisen die Sportler in aller Regel mittels Verhaltensregeln darauf hin, dass Querfeldein-Fahrten tabu sind und welche weiteren Grundregeln gelten. Außerdem wäre an folgende Maßnahmen zu denken:

    • In ökologisch besonders sensiblen Gebieten sollte auf Routen verzichtet werden
    • durch die Fremdenverkehrsämter und Mountainbiker in Zusammenarbeit mit Fachleuten der Waldbehörden sowie des Natur- und Landschaftsschutzes naturverträgliche Routen ausarbeiten und klar signalisieren.
    • Die Fahrrad- wie die Tourismusbranche sollten konsequent darauf achten, keine Bilder von Querfeldein-Fahrten für ihre Werbung zu verwenden. Zudem gilt es, seitens der Biker gewisse Verhaltensregeln bekannt zu machen und durchzusetzen.
    • Auf geführten Biketouren dürfen praktische Tipps für ein umweltgerechtes und naturschonendes Handeln nicht fehlen: Das beginnt beim Erlernen der richtigen Bremstechnik und reicht bis zum Umgang mit anderen Wegnutzern.

    In Abhängigkeit von lokalen Gegebenheiten wie Bodenbeschaffenheit und Vegetation birgt das Downhill-Fahren, bedingt durch höhere Geschwindigkeiten und schärfere Bremsmanöver, größere Risiken für die Umwelt als andere Spielarten des Mountainbikens. Daher sind für diese Disziplin dauerhafte Abfahrtsstrecken, die nicht über bestehende Wanderwege führen, sowie der Bahntransport von Bike und Fahrer punktuell sinnvoll. Permanente Strecken bieten dabei einige Vorteile: Sie können baulich so angepasst werden, dass sich die Erosion in Grenzen hält. Zudem senken sie die Gefährdung Dritter mittels konsequenter Entflechtung und erlauben es, die Downhiller vor Ort auf die speziellen Aspekte ihrer Disziplin aufmerksam zu machen. In der Schweiz sind derartige Strecken inklusive Betrieb der Bergbahnen bereits in Scuol, in der Region Portes du Soleil, im Diemtigtal, in Zweisimmen sowie in Filzbach in Betrieb.

    Varianten der Sportart
    MTB-Rennsport
    In den Pionierzeiten fuhr man noch am selben Wochenende einmal ein Rundstrecken- oder Crosscountry- und gleich darauf ein Abfahrtsrennen. Inzwischen haben die verschiedenen Disziplinen des Bikesports aber je ihre eigene Entwicklung erlebt. Die Ansprüche ans Material sowie an die zu befahrenden Routen sind grundsätzlich verschieden: So sind die Disziplinen Downhill und FourCross auf (zumeist) permanente, gut unterhaltene Rennstrecken angewiesen, an deren Rändern gefährliche Hindernisse gepolstert sind. Auch der Bike-Trial, bei dem es verschiedenste Hindernisse ohne Abzustehen zu überwinden gilt, findet in aller Regel auf künstlichen, eigens für den Wettkampf erstellten Parcours statt.
    Im Gegensatz dazu sind die Anforderungen klassischer Crosscountry-Rundstreckenrennen und der Marathons an die Strecke weit weniger streng: Hier stellt sich in der Praxis eher die Frage, welche Wege die Organisatoren für ihr jeweiliges Rennen von den Behörden genehmigt bekommen. Zudem müssen Marathon-Strecken so angelegt werden, dass auch bei grossen Starterfeldern keine Staus drohen: Oft hat sich hier ein langer Asphalt-Anstieg gleich nach dem Start bewährt, um das Feld in die Länge zu ziehen und eine Selektion zu erzwingen. Im Unterschied zur Pionierzeit kaum mehr existent sind die Uphill-Rennen, eine Art Bergzeitfahren auf unbefestigten Routen.


    Refrenzen
    SCHEMEL H.-J., ERBGUTH, W., Sport und Umwelt, Meyer&Meyer Verlag, Aachen 2000

    WÖRSTEIN T., Mountainbike und Umwelt, Verlag Pirrot, Saarbrücken 1998

    Verein Schweizerischer Mountainbike Führer VSMF (Hg.), Bestandesaufnahme der Rahmenbedingungen für die Ausübung des Bikesports in der Schweiz, Studie im Auftrag des Bundesamtes für Strassen ASTRA, Bern 2003


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