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Text: Joachim Fischer & Martina Porzelt

 

Klettersport
Frau am Kletterfelsen
Frau am Kletterfelsen
© Michael Pütsch
Klettersport wird seit ca. 100 Jahren überwiegend in den Alpen und Mittelgebirgen ausgeübt und hat sich heute zu einer Sportart mit einer weiten Verbreitung entwickelt. Die Geschichte dieses Sports hat ihren Ursprung im alpinen Bergsteigen. Aufgrund der sich verbessernden Technik im Bereich der Sicherung wurde das Klettern im Laufe der Zeit zu einer Breitensportart. Die Auswahl der Kletterfelsen erfolgt anhand der Ansprüche der Sportler z.B. an den Naturraum.
Der besondere Reiz des Sports liegt v.a. im hohen Naturerlebniswert. Wichtig für den Sportler sind bestimmte Voraussetzungen, wie z.B. eine ausreichende körperliche Fitness mit einer fundierten Ausbildung. Im Laufe der Jahre haben sich diverse Varianten des Klettersports, wie z.B. das Frei- oder Eisklettern, herausgebildet.
Der Fels gehört zu den empfindlichen Lebensräumen, in denen vielen seltene Tier- und Pflanzenarten (Uhu, Wanderfalke, Moose etc.) vorkommen. Die zunehmende Zahl an Kletterern, denen nur eine begrenzte Anzahl an Felsen zur Verfügung steht, führt in einigen Gebieten zu einer hohen Nutzungsintensität. Hier kann es zu nachhaltigen Störungen der Tiere und Pflanzen kommen.
Lenkungskonzepte, die von beiden Seiten erarbeitet wurden, dienen dem Schutz der Natur und sichern die Klettermöglichkeiten.

 

Beschreibung der Sportart
 
Sportausübung

Geklettert wird in den Alpen und an den Mittelgebirgsfelsen seit weit über 100 Jahren. Bei der Erforschung der Hochgebirge war das Klettern eine notwendige Begleiterscheinung, entwickelte sich mit der Zeit aber immer mehr zur abenteuerlichen Herausforderung für Individualisten und später hin zum heutigen Freizeitsport. Klettersport wird in allen Hoch- und Mittelgebirgen ausgeübt. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Variationen herausgebildet, die immer auch mit einer entsprechenden Entwicklung und Verfeinerung der Ausrüstung einhergingen.

 

  • Voraussetzungen:
    Eine Altersbegrenzung gibt es nicht, da jeder den Sport im Rahmen seiner persönlichen Fähigkeiten ausüben kann. Allerdings empfiehlt sich eine theoretische und praktische Ausbildung, um sich mit den vielfältigen Sicherungs- und Klettertechniken vertraut zu machen. Eine Tauglichkeitsbescheinigung ist nicht erforderlich, wohl aber ein Partner, von dessen Fähigkeiten und Kenntnissen man überzeugt ist, denn schließlich vertraut man ihm das eigene Leben an.
    Klettern erfordert körperliche und geistige Fitness, sowie eine gute Einschätzung des persönlichen Leistungsvermögens. Des weiteren kommen eine Reihe von psychischen und sozialen Aspekten zum tragen wie Konzentrationsvermögen, Selbstwahrnehmung, Umgang mit Angst und Selbstüberschätzung, Sensibilität für die eigenen sowie für die Grenzen des Kletterpartners, Teamfähigkeit, Rücksichtnahme und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.


  • Reiz und Einfluss der Natur auf den Kletterer:
    Der besondere Reiz des Kletterns liegt im Verlassen des "normalen, festen Bodens", im "Spiel mit der Schwerkraft" und der Auseinandersetzung mit der selbstgestellten Aufgabe, eine Felswand auf einer naturgegebenen, selbst ausgesuchten Linie zu durchsteigen. Felsen und Felswände sind im allgemeinen in eine besonders attraktive Landschaft und ein natürliches bzw. sehr naturnahes Umfeld eingebettet, so dass der Klettersport mit einem sehr hohen Naturerlebnis- und Erholungswert verbunden ist. Eine große Anziehungskraft üben von daher Felsen aus, nach deren Erkletterung man zusätzlich durch den Genuss einer prächtigen Aussicht belohnt wird.
 
 Geschichte
Kletterergruppe beim Naturathlon 2004
Klettergruppe beim Naturathlon 2004
© Michael Pütsch
Entwickelt hat sich das Klettern aus dem alpinen Bergsteigen, das 1789 mit der ersten Ersteigung des Montblanc-Gipfels begann. Zunächst wurden nach und nach die Gipfel der Alpen auf den leichtesten Wegen bestiegen ("Eroberungsalpinismus"), die in der Regel über Gletscher und Grate sowie durch Rinnen führten. Danach wurden die nächst schwierigeren Aufstiege angegangen, bis schließlich die Durchsteigung der Wände als Herausforderung übrig blieb. Solche Unternehmungen erforderten aber zunehmend eine Steigerung der klettertechnischen Fähigkeiten und somit ein entsprechendes Training.

Möglichkeiten für ein solches Training boten sich an den nahe gelegenen Felsen der Mittelgebirge oder der Voralpen, die somit ab Mitte bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts ins Blickfeld der Alpinisten rückten. Mit der dann zunehmenden Steigerung der bewältigten Schwierigkeiten ging auch die Entwicklung von Sicherungstechniken einher. Lange Jahre diente zunächst nur das vom Kletterpartner gehaltene Hanfseil, das hinter Felszacken entlang geführt wurde, zur Sicherung des Vorsteigenden. Erst viel später folgten die ersten Formen von Haken, die in Felsritzen und -löcher geschlagen wurden. Zur Sicherung musste sich der Vorsteigende aus dem Seil ausbinden, dieses durch die Hakenöse fädeln und sich dann wieder einbinden. Das war natürlich nicht nur gefährlich, sondern auch umständlich. Den Durchbruch brachte dann die Verwendung von Karabinern ("Karabinerhaken"), ovale Stahlösen, die sich mittels eines speziellen Mechanismus ("Schnapper") öffnen und schließen lassen.
Mittels Haken und Karabiner, deren Formen und damit Einsatzmöglichkeiten nach und nach weiterentwickelt und verfeinert wurden, konnten immer schwierigere Felswände der Alpen und Mittelgebirge durchstiegen werden. In diesem Zuge entwickelte sich auch das "Technische Klettern", bei dem zunächst Haken und Karabiner, später dann auch kurze, in die Haken eingehängte Strickleitern zur Fortbewegung dienten. In den 1960er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gipfelte diese Entwicklung schließlich in überwiegend technischen Kletterrouten, die dem Ideal der "Linie des fallenden Tropfens" möglichst nahe kamen, den sogenannten "Direttissimas". Letztendlich stellte das technische Klettern jedoch eine Sackgasse dar, weil keine Steigerungen der bewältigten Schwierigkeiten erfolgten. Kam man ohne Fortbewegungshilfen nicht mehr weiter, so wurden eben Haken geschlagen, waren keine Strukturen im Fels dafür vorhanden, so bohrte man ein kleines Loch und platzierte in diesem einen Bohrhaken. Damit ließ sich auch die glatteste, abweisendste und überhängendste Felswand bewältigen, es war nur eine Frage von Material- und Zeitaufwand.

Klettergarten bei Meiringen in der Schweiz
Klettergarten bei Meiringen in der Schweiz
© Markus Ruff
Ab Mitte der 1970er Jahre wendeten sich die ersten Kletterer von dieser Art der Kletterei ab und stellten sich die freie Begehung von bis dahin technischen Kletterrouten als Aufgabe. Dabei wurde das Seil zwar zur Sicherung in die Haken eingehängt, jedoch auf die Verwendung derselben als Fortbewegungshilfen ganz bewusst verzichtet. Zur Durchkletterung der Route wurden ausschließlich nur die im Fels vorhandenen natürlichen Strukturen benutzt. Der Gedanke des Freikletterns griff schnell Raum und immer mehr Kletterer begriffen die sportliche Herausforderung, welche dieses beinhaltete. Galt zuvor noch der 6. Grad als das äußerst menschenmögliche, so musste die Schwierigkeitsskala nun nach oben geöffnet werden. Entsprechend anderer Sportarten wurde das gezielte Training als Grundlage zur Steigerung des eigenen Klettervermögens erkannt, was gerade zu eine Leistungsexplosion nach sich zog. War noch 1977 der ersten Kletterroute offiziell der siebte Schwierigkeitsgrad zuerkannt worden, konnte das Niveau in nur 6 Jahren bis zum unteren 10. Grad gesteigert werden. Der 11. Grad wurde dann weltweit erstmalig 1993 in der Fränkischen Schweiz geklettert und stellt auch heute noch den bislang höchsten Schwierigkeitsgrad im Sportklettern dar.
Zugleich entdeckte man die ganz kleinen Felsen als hervorragendes Übungsterrain für klettersportliche Aufgabenstellungen. Quasi in Absprunghöhe über dem Boden, ohne störende Ausrüstungsgegenstände und Angst vor einem Sturz, können an diesen die komplexesten Bewegungsabfolgen geübt und höchste Schwierigkeiten geklettert werden. Das "Bouldern" (Boulder = Felsblock) hat sich mittlerweile zu einer schon fast eigenständigen Disziplin des Klettersports, mit einer eigenen Schwierigkeitsskala entwickelt. Überträgt man die beim Bouldern bereits gekletterten Schwierigkeiten in die Bewertungsskala des Sportkletterns, so bewegen sich diese momentan bis in den 12. Grad hinein.
Parallel zur Entwicklung des Freikletterns in den Mittelgebirgen wurde auch mit der "Befreiung" der bis dahin technisch gekletterten Routen in den Alpen begonnen und dort das gesteigerte Können in die großen und kleinen Wände übertragen. Eine Entwicklung, die selbst vor den Bergen der Welt mit ihren ganz großen Wänden nicht halt machte und dort mit zunehmendem Erfolg praktiziert wird.
 
Verbreitung der Sportart
Kletterer bei Meiringen in der Schweiz
Kletterer bei Meiringen in der Schweiz
© Markus Ruff
Das Klettern erfreut sich seit etwa 1990 zunehmender Beliebtheit, zumal vermehrt Personen über die in den letzten Jahren entstandenen künstlichen Kletteranlagen (Kletterhallen und Außenanlagen) mit dem Sport in Berührung kommen. Jedoch bestehen zwischen dem Klettern in der Halle und draußen am Naturfels erhebliche Unterschiede, denn der Naturfels verlangt ein erhebliches Mehr an psychischer Stärke, an Kreativität zum Erkennen der Bewegungsabläufe sowie an Kenntnissen und Erfahrungen mit den verschiedenen Sicherungs- und Klettertechniken. Entsprechende Ausbildungsangebote gibt es in vielen Sektionen des Deutschen Alpenvereins oder des Schweizer Alpen-Clubs, mittlerweile recht zahlreichen privaten Kletterschulen sowie den Naturfreunden Deutschland und Schweiz.
Vertreten wird der Klettersport in Deutschland vom Deutschen Alpenverein e.V. (DAV: rund 670.000 Mitgliedern Stand 2004) und der Interessengemeinschaft Klettern (IG Klettern), in der Schätzungen zufolge rund 6000 aktive Kletterer organisiert sind (Stand 2004). Nach Erhebungen des Deutschen Alpenvereins im Jahre 1998 wurde eine Gesamtzahl an Felskletterern von bundesweit etwa 76.500 Personen abgeschätzt, wobei sich der Organisationsgrad auf ca. 70% belief, so dass von etwa 23.000 unorganisierten Kletterern auszugehen war. Nicht berücksichtigt wurde dabei die Zahl von Kletterern, welche ihren Sport ausschließlich an künstlichen Anlagen ausüben.
In der Schweiz vertritt der Schweizer Alpen-Club (SAC) die Interessen der Sportkletternden. Der SAC fördert sowohl den Leistungssport (Sportkletterwettkämpfe) wie auch den Breitensport. Er bildet Trainer und Leiter aus, unterstützt die Entwicklung von Technik und Material und vermittelt bei Konflikten zwischen Naturschützern und Sportkletterern. Der Schweizer Alpen-Club ist mit rund 108'000 Mitgliedern in 111 regionalen Sektionen einer der grössten Sportverbände in der Schweiz, wobei das Sportklettern nach dem Wandern und Skitourengehen erst an dritter Stelle bei der Ausübungshäufigkeit kommt. Mit dem Kletterhallen-Boom der letzten 10 Jahre ist der Organisationsgrad des Sportkletterns gesunken. In der Schweiz rechnet man mit rund 40’000 aktiv Kletternden in der einen oder andern Form. Wegen der grossen Attraktivität der Klettergebiete in den Alpen kommen sehr viele Gäste aus allen europäischen Ländern, hauptsächlich aber aus Deutschland, regelmäßig in die Schweiz zum Klettern.
Naturraum
 
Ansprüche an den Naturraum

In erster Linie sind für Kletterer Felsen bzw. Felswände attraktiv, die möglichst festes Gestein und zugleich wenig oder gar keinen Bewuchs aufweisen. Von großer Bedeutung hinsichtlich der Frequentierung eines Klettergebietes ist dessen Größe, d.h. die Zahl an Einzelfelsen bzw. Felsfläche und der vorhandenen Kletterrouten. Einen weiteren Faktor stellt die Infrastruktur, also die Erreichbarkeit mittels eigenem Fahrzeug und öffentlichen Verkehrsmitteln, die Parkplätze und Übernachtungsmöglichkeiten sowie die Länge des Zustiegs und die Beschaffenheit der Felsfußbereiche dar.

Auswirkungen

Zu Beeinträchtigungen der Natur in Klettergebieten kommt es in der Regel nicht durch Einzelne, sondern erst bei häufiger Frequentierung durch viele Kletterer. Insbesondere eine mangelnde Sensibilisierung der Kletterer hinsichtlich der naturschutzfachlichen Gegebenheiten spielt dabei eine beachtliche Rolle. Zu den Beeinträchtigungen zählen Trittschäden an Pflanzen und Bodenerosion im Zugangsbereich, am Felsfuß und auf den Felsköpfen. Des Weiteren können felsbrütende
Kletterfelsen
Kletterfelsen
© Michael Pütsch
Vogelarten so stark gestört werden, dass diese ihren Brutplatz aufgeben. Gestört werden des Öfteren aber auch Anwohner, Land- und Forstwirtschaft, insbesondere durch falsches Parkverhalten, Littering und wildes Campieren.
Da einer zunehmenden Zahl von Kletterern nur eine begrenzte Anzahl von Felsen gegenüber steht, kam es aufgrund zunehmender Beeinträchtigungen in der Vergangenheit in ganz Deutschland und in einigen Regionen der Schweiz (vor allem Basler Jura) zu teilweise erheblichen Konflikten zwischen Klettersport und Naturschutz. Diese Konflikte mündeten in der Regel in eine oft gemeinsame Erarbeitung von gebietsbezogenen Kletterkonzeptionen (s. Link-Verzeichnis Klettern), durch die Kletterverbände und die zuständigen Naturschutzvertreter. In diesen Konzeptionen wurden die zum Klettern freigegebenen und die gesperrten Felsen und Felsbereiche festgelegt. Darüber hinaus wurden Maßnahmen vereinbart, um eine Reduzierung der entstandenen und eine Verhinderung potentieller Beeinträchtigungen zu gewährleisten:


• Kanalisierung der Kletterer durch Lenkungsmaßnahmen (Befestigung bzw. Rückbau von Zuwegungen, Wandfußpfaden, Auf- und Abstiegen),
• Verzicht auf das Aussteigen auf botanisch empfindliche Felsköpfe (Setzen von Umlenkhaken) ,
• Kennzeichnung von Felsen und Felsbereichen, die nicht beklettert werden sollen,
• Information der Kletterer (Aufstellen von Informationstafeln vor Ort, Info-Broschüren, Darstellung der Regelungen in den aktuellen Kletterführern),
• Schutz seltener Greifvögel (zeitlich befristete und gegebenenfalls auch räumlich begrenzte Sperrungen von Brutfelsen)

 
Varianten der Sportart
 
Freiklettern (Free Climbing)
Freiklettern ist das seilgesicherte Durchsteigen einer Kletterroute wobei ausschließlich das Griff- und Trittangebot des Gesteins genutzt wird, d.h. ohne Verwendung künstlicher Hilfsmittel zur Fortbewegung. Die im Fels vorhandenen Haken sowie selbst angebrachte mobile Sicherungspunkt (Klemmkeile, Schlingen), in die das Seil mittels Karabinern eingehängt wird, dienen lediglich zur Sicherung. Sowohl beim Freiklettern, wie auch den nachfolgend genannten Varianten wird zwischen folgenden Begehungsarten unterschieden:

• On sight (o.s.): Die freie und zugleich sturzfreie Vorstiegsbegehung einer völlig unbekannten Kletterroute. Das Anbringen und Einhängen der Sicherungspunkte erfolgt aus der Kletterstellung heraus. Ein On sight stellt somit die sportlich hochwertigste Durchsteigungsform dar.
• Flash (fl.): Die freie und zugleich sturzfreie Vorstiegsbegehung einer noch nicht zuvor durchstiegenen Kletterroute. Das Anbringen und Einhängen der Sicherungspunkte erfolgt aus der Kletterstellung heraus. Allerdings sind gewisse Bewegungsabläufe durch die Beobachtung anderer Kletterer bekannt oder wurden einem von jemandem erläutert.
• Rotpunkt (RP): Die freie und zugleich sturzfreie Vorstiegsbegehung einer bereits gekletterten oder aufgrund vorherigen Ausprobierens bekannten Kletterroute. Das Anbringen und Einhängen der Sicherungspunkte erfolgt aus der Kletterstellung heraus.
• Pink point (PP): freie und zugleich sturzfreie Vorstiegsbegehung einer bekannten Kletterroute, wobei die Karabiner bereits vor der Begehung in die Sicherungspunkte eingehängt wurden. Weil das entfernen der Sicherungspunkte aus sehr steilen (überhängenden) Routen aufwändig und mühsam ist, hat das Anbringen der Sicherungen aus der Kletterstellung in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Heute gilt auch eine Durchsteigung einer Route mit bereits eingehängten Schlingen als Rotpunkt-Begehung.
• En libre (e.l.): freie, jedoch nicht sturzfreie Vorstiegsbegehung einer Kletterroute, bei der das Anbringen und Einhängen der Sicherungspunkte aus der Kletterstellung heraus erfolgt. Nach einem Sturz wird das Seil abgezogen, die Karabiner aber in den Sicherungspunkten belassen. Es muss erneut vom Boden aus gestartet werden.
• alles frei (a.f.): freie Vorstiegsbegehung einer Kletterroute, wobei jedoch in einem oder mehreren Sicherungspunkten geruht wird. Das Weiterklettern erfolgt nach dem Ruhen jeweils aus der zuletzt eingenommenen Kletterstellung.
• Rotkreuz (RK) (in der Schweiz Toprope’): freie Begehung einer Kletterroute in einem Zug, mit Seilsicherung von oben ("toprope"), ohne an Sicherungspunkten oder im Seil zu rasten.

 
Sportklettern
Das Durchsteigen jedweder Kletterroute in jedweder Form stellt letztendlich eine sportliche Leistung dar und kann somit unter diesem Begriff verstanden werden. Im engeren Sinne ist mit "Sportklettern" jedoch das an der Bewältigung möglichst hoher Schwierigkeitsgrade orientierte Freiklettern von gut abgesicherten Kletterrouten zu verstehen, für das ein persönliches Training zur Leistungssteigerung betrieben wird. Ausrüstung: Klettergurt, Kletterschuhe, Helm und Seil sowie diverse Karabiner, Express-Schlingen, Abseilgerät, Klemmkeile und Bandschlingen.
 
Alpines Klettern
Unter alpinem Klettern ist sowohl das freie als auch das technische Klettern in den Fels- und Eiswänden der Alpen und den Gebirgen der Welt zu verstehen, bei dem man sich den vielschichtigen Gefahren des Hochgebirges aussetzt, wie z.B. brüchigem Fels, schlechter Absicherung, Stein- und Eisschlag sowie den Unwägbarkeiten des Wetters. Für die zumeist langen Kletterrouten, mit einer Vielzahl an Seillängen benötigt man einen vergleichsweise hohen Zeitaufwand und eine gute Kondition. Eine genaue Tourenplanung ist bei größeren Unternehmungen unerlässlich. Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit, fehlerhafte Planung und unzureichende Ausrüstung führen in der Regel zu ernsthaften Problemen.
 
Technisches Klettern
Das gesicherte Durchklettern von Passagen oder ganzen Seillängen einer Kletterroute unter Verwendung vorhandener sowie gegebenenfalls selbst anzubringender Sicherungspunkte, welche zur Fortbewegung verwendet werden. Neben der üblichen Ausrüstung, wie Klettergurt, Kletterschuhe, Helm und Seil sowie diverse Karabiner, Express-Schlingen, Abseilgerät, Haken, Klemmkeile und Bandschlingen, kommen hierbei zusätzlich Kletterhammer, Steigklemmen, Trittleiter(n), Bohrgerät, Meißel und gegebenenfalls ein Sitzbrett zum Einsatz.
Bouldern
Bouldern ist das Probieren und Bewältigen von schwierigen Kletterpassagen in Absprunghöhe, wobei in der Regel auf eine Seilsicherung verzichtet wird. Lediglich bei höheren Boulderproblemen, sogenannten "Highballs", kommt beim Einstudieren der Bewegungsabläufe gelegentlich ein Seil zum Einsatz. Ohne störende Ausrüstung und frei von Angst vor einem Sturz kann man sich somit voll auf das gestellt Problem konzentrieren und sich dieses quasi spielerisch erarbeiten. Von daher eignet sich das Bouldern hervorragend zur Schulung von Kraft und Technik. An Ausrüstung kommen lediglich Kletterschuhe und Crashpad (faltbare "Sturzmatte") zum tragen.

Eisklettern und Mixedklettern
Eisklettern beim Sustenpass in der Schweiz
Eisklettern beim Sustenpass in der Schweiz
© Markus Ruff
Das Erklettern gefrorener Wasserfälle erfordert spezielle Kenntnisse und eine besondere Ausrüstung. Es stellt aufgrund der potentiellen Instabilität der Eisgebilde und der enormen Verletzungsgefahr im Falle eines Sturzes eine gefährliche Variante des Klettersports dar. Das Eisklettern wurde gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts in extreme Bereiche weiter entwickelt. Hierbei gilt es reine Felspassagen mit am Fels hängenden, mehr oder weniger großen Eisgebilden zu einer Kletterroute zu verbinden (Mixedklettern). Da die zur Fortbewegung im Eis notwendigen Steigeisen und Eisbeile nicht zwischendurch abgelegt werden können, müssen auch die Felspassagen damit durchklettert werden ("Drytooling"). Die Absicherung erfolgt zumeist durch im Fels verankerte Haken und Bohrhaken. Die Ausrüstung besteht im allgemeinen aus Klettergurt, steigeisenfesten Bergschuhen, Helm, Seil, Steigeisen, Eisbeile (kleine Pickel mit gekrümmter Haue), diversen Eisschrauben, Karabinern und Bandschlingen sowie wasserdichter und warmer Bekleidung.
(Eisklettern)
 
Solo/Free Solo
Jede Form des Kletterns kann selbstverständlich auch allein, ohne Sicherungs- bzw. Seilpartner ausgeübt werden. Jedoch heißt "solo" nicht, dass man hierbei auf eine persönliche Absicherung generell verzichtet, die zwar schwierig und aufwändig ist aber durchaus oft zur Anwendung kommt. Daher wird allgemein zwischen "solo" (mit zumindest teilweiser Selbstsicherung in den schwierigen Passagen oder Seillängen) und "free solo" (ohne jegliche Selbstsicherung) unterschieden. Die Ausrüstung beim gesicherten Solo im Fels entspricht weitgehend dem der jeweiligen Spielart; beim reinen "free solo" werden in der Regel lediglich das notwendige Schuhwerk und ein Helm verwendet.
 
Referenzen
SCHEMEL, H.-J. & ERBGUTH, W. (2000): Sport und Umwelt. Meyer & Meyer Verlag. Aachen.
719 S.
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