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Folgende Angaben beziehen sich auf die Situation in Deutschland. Informationen über Arten, die in der Schweiz heimisch sind, finden Sie beim Bundesamt für Umwelt.
 
Text: Bianca Quardokus
Überarbeitung: Roland Heuser (FÖA Landschaftsplanung)

 

Fischotter
Bei einem Fischotter handelt es sich um einen an das Wasser angepassten Marder. Er zeichnet sich durch sein besonderes Fell aus und ist auch aufgrund seiner Schwimmhäute ein sehr guter Schwimmer und Taucher. Flache Flüsse mit zugewachsenem Ufer und Überschwemmungsebenen sind sein bevorzugter Lebensraum.
Lange Zeit wegen seines Pelzes und als Fastenspeise geschätzt, wurde er gefangen und als Fischereischädling strikt bejagt. Der Ausbau von Flüssen zu Wasserstraßen für den Schiffsverkehr, die zunehmende Gewässerverschmutzung seit Anfang des letzten Jahrhunderts, sowie die Begradigung von kleineren Fließgewässern haben ihn systematisch aus seinen Lebensräumen vertrieben und in Mitteleuropa fast zum Aussterben gebracht.

Systematik
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartig (Canoidae)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Otter (Lutrinae)
Gattung: Lutra
Art: Fischotter (Lutra lutra)

Aussehen
Fischotter
Fischotter
© Michael Pütsch
Die stromlinienförmige Körperform des Fischotters ist hervorragend an das Leben im Wasser angepasst. Der Fischotter hat eine Größe von 110-130 cm, von denen 40 cm auf den Schwanz entfallen, und wiegt etwa 7-12 kg. Neben dem Nerz ist er das einzige heimische Raubtier Deutschlands, das zwischen den Zehen Schwimmhäute aufweist. Die Schwimmhäute werden beim Schwimmen und Tauchen gespreizt und bewirken so eine schnellere Fortbewegung im Wasser.
Der Pelz des Fischotters zeichnet sich durch eine besonders effektive Isolation gegen Nässe und Kälte aus. Dies ist auf seine ungewöhnliche Struktur zurückzuführen: wie bei einem Reißverschluss sind die Haare mittels mikroskopisch kleiner, ineinander greifender Keile und Rillen miteinander verzahnt. Dieses dichte Pelzgeflecht mit rund 50.000 Haaren auf einem Quadratzentimeter, hält einerseits isolierende Luftblasen fest und weist gleichzeitig Wasser ab. Obwohl der Fischotter nicht über dicke Fettschichten verfügt, bleibt die Haut des Otters dadurch trocken und der Körper warm.
Der Kopf des Fischotters ist breit und flach mit kleinen Augen und Ohren, einer stumpfen Schnauze und langen dichten Tasthaaren. Am Rücken ist sein Fell dunkelbraun, am Bauch hellbraun und im Bereich von Kehle und Kinn weißgrau.

Verbreitung & Lebensraum
Der Fischotter ist sowohl in ganz Europa und Asien nördlich bis zum Polarkreis und noch einige Kilometer darüber hinaus als auch im westlichen Nordafrika auffindbar.

Fischotter besiedeln alle Lebensräume, die vom Wasser beeinflusst sind, demnach die Meeresküste, Flüsse, Seen, Teiche bis hin zu Sumpf- und Bruchflächen.
Bevorzugt werden Gewässerlebensräume, die auf kleinem Raum vielfältig strukturiert sind mit Flachwasserzonen und Tiefenbereichen. Großräumige, vernetzte und vielfältige Gewässersysteme mit sauberem, klarem Wasyer und ausreichendem Nahrungsangebot bieten die besten Überlebenschancen für den Fischotter.


Fortpflanzung

Fast das gesamte Jahr über leben Männchen und Weibchen einzeln in einem intensiv markierten Gebiet und bleiben auch während der Paarungszeit nur sehr kurz zusammen. Das Weibchen bringt etwa einmal im Jahr zwischen April und Juni 1-3 Junge zur Welt. Die Jungen wiegen bei der Geburt etwa 100 g und öffnen ihre Augen erst 5 Wochen nach der Geburt. Feste Nahrung wird ab der siebten Woche aufgenommen. Nach 10 Wochen verlassen sie mit ihrer Mutter erstmals die Wurfhöhle und werden etwa mit 9 bis 12 Monaten selbstständig. 18 bis 24 Monate nach der Geburt setzt die Geschlechtsreife der Jungtiere ein.
Männliche Otter beteiligen sich nicht an der Jungenaufzucht, können sich aber in der Nähe des Familienverbandes aufhalten
Das Höchstalter der Fischotter liegt bei ca. 18 Jahren, in der Regel werden sie jedoch nicht älter als 10 Jahre.

Verhalten

Der Fischotter ist überwiegend Einzelgänger. Er ist ein dämmerungs- und nachtaktives Tier und in wenig beunruhigten Gebieten teilweise auch am Tag unterwegs. Als Unterschlupf nutzt der Fischotter ufernahe natürliche Höhlungen wie Uferunterspülungen, –auskolkungen und –abbrüche die etwas erweitert werden, aber auch von anderen Tieren wie Fuchs oder Bisam angelegte Baue.
Seine Schlaf– und Ruheplätze, die meist in Ufernähe aufsucht werden, sind unscheinbar und werden häufig gewechselt. Das Streifgebiet eines Otters ist sehr groß und umfasst mehrere Kilometer Gewässerlänge.
An markanten Stellen wie Baumstümpfen, auf Steinen oder Sandbänken markiert er sein Revier durch Duftstoffe und Kotabgabe, an der sich Fischotter untereinander erkennen können. Wenn nötig legt der Fischotter auch größere Strecken über Land zurück, beispielsweise wenn er zwischen Gewässerläufen oder Teichen wechseln muss. Er kann über 2 m hohe Zäune überwinden, kann mehr als 1 m hoch und 1,5 m weit springen und klettert sogar auf Bäume. Meist hält er sich jedoch in Ufernähe auf.
In einer Nacht können Strecken bis zu 20 km zurückgelegt werden und Streifgebiete von über 80 km entlang eines Flusslaufs sind bekannt. Im Winter, wenn Teiche und Seen zugefroren sind, ist sein Lebensraum erheblich eingeschränkt und ihm verbleiben nur die Bereiche mit offenem Wasser zur Nahrungssuche.
Fischotter sind herausragende Schwimmer und Taucher, die bis zu 8 Minuten lang und bis zu 18 Meter tief tauchen können. Sie können beim Tauchen Ohren und Nase verschließen und verhindern so das Eindringen von Wasser. Beim Schwimmen ragen Kopf und Hals aus dem Wasser heraus, der restliche Körper bleibt unter Wasser.
Die Laute, die der Fischotter von sich gibt, lassen sich als Pfeifen, Trillern, Quieken, Knurren, Kreischen und Drohschreie beschreiben.

Nahrung
Die Hauptnahrung besteht überwiegend aus Fisch, wobei die kleineren Exemplare bis 20 cm bevorzugt werden. Aber auch wenn es der Name nahe legt, frisst der Fischotter nicht nur Fisch. Je nach Lebensraum und Jahreszeit ernährt er sich auch von Muscheln, Krebsen, Fröschen, Schnecken, Würmern und Insekten, die er im Gewässer oder im Uferbereich aufstöbert. Gelegentlich frisst er auch Mäuse, Ratten und Bisam, auch Aas wird nicht verschmäht.


Bestand
Fischotter am Ufer
Fischotter am Ufer
© Michael Pütsch
Nach erheblichen Bestandseinbrüchen und der Ausrottung in den meisten Bundesländern blieben lediglich in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg flächige Vorkommen erhalten. Eine kleine Restpopulation überlebte in Ostbayern im Bayrischen Wald im Grenzgebiet zu Tschechien. Aufgrund des strengen Schutzes der Restbestände und eingeleiteter Schutzmaßnahmen konnten diese Populationen erhalten werden. Ausgehend von den Rückzugsgebieten gelang durch Schutzprogramme und Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung seines Lebensraums eine Wiederbesiedlung von zuvor verwaisten Gebieten. Über die Elbe und ihre Nebenflüsse erfolgte die Ausbreitung in Teile Sachsens, Sachsen-Anhalts, und kleine Bereiche Niedersachsens sowie Schleswig-Holsteins. Der aktuelle Gesamtbestand in Deutschland ist nicht bekannt, da sich der Fischotter aufgrund seiner heimlichen Lebensweise und der sehr großen Aktionsräume einer Zählung weitestgehend entzieht. Schätzungen gehen derzeit von mehr als 1000 Tieren aus. Somit ist er immer noch als sehr selten einzustufen. Vermeintliche Ottersichtungen, kommen insbesondere in Gebieten ohne bislang gesicherte Vorkommen regelmäßig vor. Nach kritischer Prüfung stellen sich diese Beobachtungen meist aber als falsch heraus. Oft werden Nutria (Amerikanische Sumpfbiber) oder sogar der wesentlich kleinere Bisam, die ebenfalls schwimmen können und recht häufig sind, fälschlich für einen Fischotter gehalten. Selbst Verwechslungen mit dem heimischen Biber, der mittlerweile in einigen Gebieten wieder häufiger zu beobachten ist, kommen vor. Aufgrund der ergriffenen Schutzmaßnahmen haben sich die Fischotterbestände in den letzten Jahren stabilisiert und nehmen sogar langsam wieder zu. Auf Basis der derzeitigen Bestandssituation ist der Fischotter aber weiterhin als "gefährdet" einzustufen.


Gefährdung

Die Begründung für den dramatischen Rückgang muss historisch betrachtet in der erbarmungslosen Jagd gesehen werden. Das wertvolle Fell hat den Fischotter zu einer begehrten Jagdbeute gemacht und noch zu Anfang des letzten Jahrhunderts wurden in Deutschland 10.000 Felle abgeliefert.
Heute gibt es verschiedene Ursachen für den Rückgang des Fischotters, die einerseits mit der Lebensraumzerstörung und andererseits mit der Gewässerverschmutzung zusammenhängen. Lebensraumzerstörungen sind vor allen Dingen durch den Gewässerausbau und seine touristischen Nutzung bedingt, sowie eine Folge der Landschaftszersiedlung beispielsweise durch den Ausbau der Verkehrswege oder die Ausweisung von Gewerbegebieten.
Als Hauptgefährdungs- und Mortalitätsfaktor gelten derzeit der Tod im Straßenverkehr, sowie der Einsatz von Fischreusen, in denen Fischotter unbeabsichtigt gefangen werden und umkommen. Ein besonders hohes Gefährdungspotential kann bei der Neuanlage von Straßen möglich sein, wenn Wanderkorridore oder Lebensräume der Fischotter gequert und zerschnitten werden. Durch Planungsmaßnahmen im Straßenwesen (Fischottererlass des Landes Brandenburg, PDF), aber auch unterschiedliche Schutzkonzeptionen (Artenschutzprogramm Elbebiber und Fischotter des Landes Brandenburg, PDF) lässt sich der Rückgang des Fischotters jedoch aufhalten.


Schutz

Obwohl der Fischotter zum jagdbaren Wild zählt, darf er in Deutschland seit 1968 nicht mehr gejagt werden.
Der Fischotter fällt zum einen unter Anhang II der FFH-Richtlinie (Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse, für die besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen) und Anhang IV (streng zu schützende Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichen Interesse). Er ist auch im Anhang A der EG Artenschutzverordnung VO(EG)Nr. 338/97 zur Überwachung des internationelen Handels mit geschützten Arten aufgeführt.
Zudem befindet sich der Fischotter auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten Deutschlands (Kategorie 3), gilt aber nicht mehr als vom Aussterben bedroht.

Referenzen
Aktion Fischotter e.V.
Deutsche Wildtierstiftung

Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz Brandenburg
Wikipedia
 
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