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Disciplines sportives Sélection Trekking/ cross-country
 

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Text: Katrin Staben

 

Wandern

Die Geschichte des Wanderns ist eng mit der Geschichte des Menschen verknüpft, da es sich hierbei um die natürlichste Art der Fortbewegung handelt. Aus diesem Grund ist es auch so gut wie jedem möglich diese Sportart auszuüben, ohne dass viele Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Daher gehört Wandern auch zu den am weitesten verbreiteten Sportarten überhaupt. Der besondere Reiz des Sports liegt in der direkten Erfahrung der Natur während der Wanderung. Mit der Zeit haben sich verschiedene Varianten der Sportart entwickelt, die zum einen neues Gelände erschlossen haben (Schneeschuhwandern) oder den Trainingseffekt in den Vordergrund stellten (Nordic Walking). Die Ansprüche des Wanderers an den Naturraum äußern sich in der Erwartung einer attraktiven Umgebung und einer gewissen Kennzeichnung der Wanderwege. Das Wandern fördert mehr als bei anderen Sportarten den unmittelbaren, bewussten Kontakt mit der Natur. Die Auswirkungen des Wanderns und des Wanderbetriebs können erheblicher sein, als gemeinhin angenommen wird.
 
Beschreibung der Sportart
 
Sportausübung
Wanderer im Nationalpark Harz
Wanderer im Nationalpark Harz
© Georg Fritz
Der Begriff Wandern bezeichnet im eigentlichen Sinne das "zu- Fuß-Gehen in der Landschaft über größere Strecken (zum Spaß/Sport)".
Das Wandern ist eine sportliche Disziplin ohne Wettkampfcharakter, bei der einzelne Personen oder Gruppen Wegstrecken zwischen 5 und 50 km pro Tag zurücklegen.
Bei den Wanderformen lassen sich je nach Dauer Tageswanderungen von Mehrtagestouren unter- scheiden. Letztere können vom selben Standort aus in Angriff genommen oder aber mit täglich wechselndem Quartier durchgeführt werden (hier sind unter bestimmten Umständen die Grenzen zum Trekking, siehe unten, fließend).
Von „Wandern“ spricht man auch in anderen Zusammenhängen: Radwandern mit dem Fahrrad, Wasserwandern mit dem Kanu und Skiwandern mit Touren-/ Langlaufski oder Schneeschuhen weisen ähnliche Merkmale wie das Wandern zu Fuß auf und stellen das Naturerleben nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ in den Vordergrund.


  • Voraussetzung
    Wandern kann weitestgehend altersunabhängig, ohne langwierige Lernprozesse nahezu überall ausgeübt werden und unterliegt keinen grundsätzlichen zeit- und wetterabhängigen Voraussetzungen. Liegt die Wanderstrecke in moderatem Gelände, so halten sich die Kosten im Gegensatz zu anderen material- und vorbereitungsintensiven Sportarten recht gering. Je nach Streckenprofil ist jedoch bei anspruchsvollerem Gelände eine bestimmte Ausrüstung von Vorteil. Spätestens bei langen Wanderrouten im gebirgigen Gelände sind spezielle Wanderschuhe, Wanderstöcke und – falls Gepäck transportiert wird – auch Wanderrucksäcke nötig. Im Hinblick auf die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade verschiedener Wanderstrecken muss das Anforderungsprofil eines Wanderers differenziert betrachtet werden. Gibt es im flachen oder ebenen Gelände nur geringe Einschränkung für die Sportausübung, sind die Ansprüche an Kondition und Wandertechnik in steilem Gelände ungleich höher. Zudem ist in gefährlichem Gelände (Gletscher etc.) eine entsprechende Ausbildung oder die Betreuung durch einen Bergführer anzuraten. Weiterhin ist das Betretensrecht, welches in unterschiedlichen Gesetzen geregelt wird, zu beachten. Eine dementsprechend gründliche Tourenplanung schützt vor unliebsamen Überraschungen (Schwierigkeit der Tour, Länge, Routenverlauf, Wetterentwicklung, ... ).

  • Reiz und Einfluss der Natur auf den Sportler
    Für den Großteil der Wanderer stehen traditionelle Anreize wie Naturgenuss und Wohlbefinden im Vordergrund. Besonders beliebt sind offene Waldgebiete, die Nähe von Gewässern, Gebirgsstrukturen und variierende Vegetation. Die Wanderer bevorzugen meist möglichst naturbelassene Wege, während asphaltierte Strecken als unangenehm empfunden werden. Der Wanderer erwartet weiterhin ein gut organisiertes Wanderleitsystem im Gelände, welches ihm als direkte Orientierungshilfe bei der Wanderung dient. Hier bietet sich ein System von Wanderwegen an, dass zwischen den Bedürfnissen des Wanderers und denen des Naturschutzes vermittelt. Diesem abgestimmten System kommt eine Lenkungsfunktion in Hinblick auf Besucherströme bei, die besonders für ökologisch sensible Räume relevant ist.
  • Geschichte
    Wanderer auf dem 'Heilbronner Weg'
    Wanderer auf dem 'Heilbronner Weg'
    © Deutscher Wanderverband
    Die Geschichte des Wanderns ist tief mit der Geschichte der Menschheit verwurzelt, da das Gehen zur Fortbewegung unumgänglich war. Während lange Zeit das Wandern einfach dazu nötig war, um von einem Ort zum nächsten zu gelangen, entwickelte es sich Ende 18. Jahrhundert. Anfang 19. Jahrhundert zunehmend zu einer Betätigung, die dem eigenen Wohlbefinden dienen sollte. Als ein „Vorwanderer“ gilt z. B. Johann Wolfgang von Goethe mit seinem Ausspruch: „ Was ich nicht erlernt habe, habe ich mir erwandert.“ Durch Friedrich Ludwig Jahn, dem Begründer des deutschen Turnwesens, erfuhr das Wandern eine Wendung zur Volksbewegung. Er stellte das Wandern mitten ins turnerische Leben und erschloss es damit als Sport im Verein. (ZIMMERMANN 1999:9f)
    Mitte bis Ende des 19. Jahrhundert wurden die ersten Wandervereine gegründet, wie z.B. 1869 der Deutsche Alpenverein als "bildungsbürgerlicher Bergsteigerverein" oder der Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e.V., der als Dachverband aller deutschen Wandervereine 1883 ins Leben gerufen wurde. Noch etwas früher, 1863, wurde der Schweizer Alpen-Club SAC gegründet. Seit dieser Zeit hat sich bis heute nicht viel an der Philosophie des Wanderns geändert, es wird immer noch der bewusste Kontakt mit den Erscheinungen der Natur bei der Durchquerung schöner Landschaften gesucht.

    Verbreitung der Sportart
    Das Wandern ist eine der weitverbreitetsten Freizeitaktivitäten in Deutschland und in der Schweiz. SCHEMEL (2000:281) beschreibt Umfragen, denen zufolge jeder zweite Bundesbürger mehr oder weniger regelmäßig wandert. Der Organisationsaufwand für den einzelnen Wanderer ist äußerst gering, da viele Wege schon direkt gekennzeichnet sind und keine Mitgliedschaft notwendig ist, um diesem Sport nachzugehen.
    Interessensvertreter sind hauptsächlich der Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e.V., der Deutsche Alpenverein (DAV) und die „NaturFreunde e.V.“.

    Im Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e.V. sind rund 650.000 Wanderer organisiert. Bundesweit verteilen sich die Mitglieder auf 56 regionale Hauptvereine, die sich wiederum in 3.115 Ortsgruppen untergliedern. Die Aufgaben der Wandervereine sind vielfältig. Sie markieren und pflegen 190.000 Kilometer Wanderwege in Deutschland, sie unterhalten Wanderheime und andere Einrichtungen zur Förderung des Wanderns und geben Wanderkarten, Wanderliteratur und Heimatzeitschriften heraus. Die Wandervereine bieten nicht nur zahllose Tages- und Mehrtageswanderungen an, sondern auch darüber hinaus ein umfangreiches Freizeitprogramm.

    Wandergruppe bei der Rast im Nationalpark Harz
    Wandergruppe bei der Rast im Nationalpark Harz
    © Georg Fritz
    Der Deutsche Alpenverein e.V. (DAV) ist mit seinen rund 670.000 Mitgliedern einer der großen deutschen Verbände sowie die größte Bergsteigervereinigung der Welt. Als ein in Bayern anerkannter Naturschutzverband hat sich der DAV das Ziel gesetzt, die Alpen als Erholungsraum nachhaltig zu sichern, die natürlichen Ressourcen zu schonen und naturverträgliches Bergsteigen in all seinen Ausprägungen zu fördern.

    Auch in der Schweiz ist das Wandern der beliebteste Freizeitsport überhaupt. Das Wandernetz ist das dichteste auf der ganzen Welt; bei praktisch jedem Bahnhof oder jeder Postautostation sind Wanderwege signalisiert.
    Interessevertreter sind vor allem der Schweizer Alpen-Club (SAC), die Naturfreunde Schweiz und der Verband Schweizer Wanderwege (SAW), wobei letzterer für Planung, Bau und Unterhalt des Wanderwegnetzes sowie für die Publikation von Karten und Führern verantwortlich ist. Im SAC und bei den Naturfreunden ist das Wandern die am häufigsten ausgeübte Disziplin. Der SAC ist mit rund 108'000 Mitgliedern in 111 Sektionen (Stand 2005) einer der grössten Sportverbände in der Schweiz. Er verfolgt auch punkto Natur- und Landschaftsschutz dieselben Ziele wie der DAV.
    Die NaturFreunde-Bewegung ist bis heute weltweit auf über 500.000 Mitglieder in 21 Ländern angewachsen. Die Landesverbände und Ortsgruppen der Naturfreundebewegung bieten Reisen und Wanderungen sowie Fortbildungen und Seminare zu Themen wie z.B. Sport, Natur-/ Heimatkunde und Naturschutz an.
    Hier ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Sportverbänden und Naturschützern zu erkennen, so dass die Verbände den Schutz der Landschaft sogar als eine ihrer wichtigsten Aufgaben ansehen.

    Naturraum
     
    Ansprüche an den Naturraum:

    Wandern ist in nahezu jedem Naturraum, der den Ansprüchen der jeweiligen Wanderer genügt, möglich. Neben der Attraktivität der Landschaft erhöht ein Wegenetz, welches bestimmte Aussichtspunkte o.ä. einbezieht, den Wandergenuss.
    Strukturelle Voraussetzungen umfassen neben den Wanderwegen, Freizeit- und Grillplätze, Schutz- und Berghütten, Brücken, Wegemarkierungen, Schautafeln, Trimm- und Lehrpfade sowie Wanderparkplätze. (SCHEMEL ET AL.2000:281f).

    Auswirkungen
    Wanderer auf einem schmalem Pfad
    Wanderer auf einem schmalen Pfad
    © Roland Goetzke
    Wandern und Wanderbetrieb kann einen stärkere Wirkung auf Natur und Landschaft haben, als gemeinhin angenommen wird (Ingold 2005). Ökologische Auswirkungen ergeben sich vor allem durch die wanderbedingte Mobilität, die aufgrund der überdurchschnittlichen Anfahrtswege und vielen Fahrten einen erheblichen Teil der Sportmobilität ausmacht (Stettler 1996). Wanderer können Tiere beidseits eines Weges stören. Vögel verziehen sich, meiden wegnahe Bereiche oder sind beunruhigt. Die beeinflusste Fläche ist vergleichsweise klein, wenn sich die Wanderer an die Wege halten. Zudem kann der Bau von Wanderwegen bei falscher Terrassierung oder schlechter Standortwahl ökologisch bedenklich sein. Insgesamt haben Wanderwege aber auch eine wichtige Funktion als Besucherlenksystem, durch das die Wanderer weniger in ökologisch sensible Bereiche, sondern eher in die belastbareren Gebiete gelenkt werden. Durch die Zusammenarbeit zwischen Wanderverbänden und Naturschützern konnten solche Lenksysteme schon realisiert werden. Belastungen des Naturraumes können aber trotzdem auftreten, z.B. durch die mangelhafte Entsorgung der Abfälle und Abwässer von Berghütten oder Berggasthäuser wodurch es zu Verunreinigungen des Grund- und Oberflächenwassers kommen kann. Störungen der Natur können ebenfalls durch verbotenes Verhalten, wie das Mitführen von Hunden ohne Leine, das Pflücken geschützter Pflanzen, wildes Parken oder das Zurücklassen von Müll in der Landschaft sowie durch unerlaubtes Verlassen der Wege hervorgerufen werden. Letzteres gilt allerdings nur für geschützte Gebiete mit Wegegebot, denn nicht jeder Bereich ist derart empfindlich und häufig stellt ein Verlassen des Weges keine nennenswerte ökologische Belastung dar. Totalverbote des Betretens naturnaher Bereiche sind nur dort ökologisch notwendig, wo sich bedrohte Arten aufhalten (z.B. Auerhuhn, Birkhuhn, Adler, Wanderfalke, Uhu, Biber), die dadurch geschützt werden können oder wo sich empfindliche Vegetationskomplexe wie z.B. Moore befinden. Bei einer hohen Frequentierung von sogenannten „Alternativwegen“, die meist durch Abkürzungen des ursprünglichen Serpentinenweges entstanden sind, kann die Natur dauerhaft geschädigt werden. Hier können sich durch Erosion tiefe Rinnen bilden, die der Sanierung bedürfen, um einer weiteren Bodenabspülung entgegenzuwirken. Weitere Beispiele für ähnliche Auswirkungen finden sich unter Laufen und Fahrradfahren.
    Varianten der Sportart
    Neben der Intensität der Wanderung, die abhängig ist von der Kondition des Wanderers und der Beschaffenheit des Geländes, differenziert sich die Sportart noch in weitere Disziplinen, die sich im Laufe der Zeit herausgebildet haben.

    Trekking -> siehe Trekking



    Schneeschuhwandern
    Ausgeschilderter Schneeschuh-Pfad, Col des Mosses (Schweiz)
    Ausgeschilderter Schneeschuh-Pfad, Col des Mosses (Schweiz)
    © Markus Ruff
    Das Wandern im tiefen Schnee ohne Skier wird beim Schneeschuhwandern durch die besondere Konstruktion des Schneeschuhs ermöglicht, die durch Oberflächenvergrößerung ein Einsinken weitgehend verhindert. Daher kann der Schneeschuhwanderer im Prinzip fast jedes schneebedeckte Gelände begehen. Allerdings existieren in vielen Gebieten schon markierte und gesicherte Schneeschuhwanderrouten, die der Sportler wahrnehmen sollte. Trotzdem ist lawinenkundliches Wissen Voraussetzung für eine sichere Durchführung von Schneeschuhtouren. In lawinengefährdeten Gebieten ist die Inanspruchnahme eines ortskundigen Bergführers empfehlenswert.
    Schneeschuhwandern erfährt in den letzten Jahren einen regelrechten Boom. Dies ist für die Natur nicht unproblematisch. Experten bezeichnen das Schneeschuh-Wandern beispielsweise als die grösste Bedrohung für Rauhfusshühner überhaupt. Begründet wird dies damit, dass die Schneeschuhwanderer in bisher ungestörte, für Skitourengeher uninteressante Räume und Wälder eindringen und damit einen erheblichen zusätzlichen Druck auf die Wildtiere verursachen. SAC und DAV arbeiten intensiv an Konzepten für naturverträgliche Wintertouren und eine sinnvolle Lenkung der Schneeschuhwandernden.

    Nordic Walking
    Bei Nordic Walking handelt es sich um eine noch recht junge Variante des Wanderns. Sie ist am wirkungsvollstem in leicht hügeligem Gelände, kann aber auch überall effektiv trainiert werden und Spaß machen. Im Frühjahr 1997 wurde die Sportart in Finnland vorgestellt. Inzwischen betreiben allein dort ca. 1 Million Menschen diesen Ganzjahressport. Die Entwicklung des Nordic-Walking erfolgte aus einer Sommer-Trainingsmethode der Athleten aus den Bereichen Langlauf, Biathlon und der Nordischen Kombination. Zusätzlich zum geeigneten Schuhwerk sind zwei spezielle Stöcke nötig, die während des Gehens eingesetzt werden. Die Lauftechnik des Nordic-Walking gleicht der Bewegungsausführung des Skilanglaufes und ist sehr einfach zu erlernen. Nordic-Walking nutzt den physiologischen, diagonalen Bewegungsablauf beim Walken durch den bewussten Stockeinsatz.

    Referenzen
    BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ U. DEUTSCHE SPORTHOCHSCHULE KÖLN (HRG.) (2004): Neue Entwicklungen bei Natursportarten. - Schriftenreihe Natursport und Ökologie, Bd. 15, 109 S.

    INGOLD, P. (2005): Freizeitaktivitäten im Lebensraum der Alpentiere. Konfliktbereiche zwischen Mensch und Tier, mit einem Ratgeber für die Praxis. Haupt-Verlag, Bern. 516 S.

    SCHEMEL, H.-J. & ERBGUTH, W. (2000): Sport und Umwelt. Meyer & Meyer Verlag. Aachen.
    719 S.

    ZIMMERMANN, R. (1999): Wandern – Organisation und Durchführung. Meyer & Meyer. Aachen.176 S.



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