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Text: Stefan Effelsberg &
Schweizer Alpen-Club SAC

 

Tourenskilauf

Skitourengruppe im Gotthardgebiet in der Schweiz
Skitourengruppe im Gotthardgebiet in der Schweiz
© Markus Ruff
Der Tourenskilauf wird heute in Europa vorwiegend in den Gebirgsregionen der Alpenländer ausgeübt. Die Geschichte dieses Sports hat ihren Ursprung in der Nutzung von Skis als Fortbewegungsmittel im Winter. Mit der Verbesserung des Materials und dem Aufkommen des Skifahrens im Tourismus hat sich der Tourenskilauf zum Breitensport entwickelt.
Der besondere Reiz des Sports liegt in der Kombination aus hohem Naturerlebniswert, sportlicher Leistung im Aufstieg und Spaß und Vergnügen in der Abfahrt. Wichtig für den Sportler sind bestimmte Vorraussetzungen, wie z.B. eine ausreichende körperliche Fitness sowie - für den selbständigen Tourengeher oder Tourenführer - Erfahrung bei der Beurteilung der Lawinengefahr sowie im Umgang mit Orientierungshilfsmitteln. Mit dem Snowboardboom hat sich in den letzten Jahren eine neue Variante der Sportart entwickelt.
Skitourengeher bewegen sich im Lebensraum vieler Alpentiere, welche im Winter besonders sensibel auf Störungen reagieren. Um die Auswirkungen zu minimieren, haben der Deutsche Alpenverein und der Schweizer Alpen-Club verschiedene Projekte und Lenkungskonzepte für naturverträgliche Wintertouren lanciert.


Beschreibung der Sportart
 
Sportausübung

Skitourengeher verwenden eine spezielle Skiausrüstung. Für den Aufstieg wird die Bindung entriegelt, sodass die Ferse frei beweglich ist, ähnlich wie beim Langlauf. Steigfelle, welche auf den Belag geklebt werden, verhindern das Rückwärtsrutschen. Bei besonders harten Schneeverhältnissen kommen Harscheisen (eine Art Steigeisen) zum Einsatz. Wer häufig auf Skitouren geht, verwendet spezielle Skitourenschuhe, welche für den Aufstieg beweglicher eingestellt werden können. Außerdem sind sie mit einer Gummisohle ausgestattet, welche leichte Kletterpartien ermöglichen.

In der Regel legt ein besonders erfahrener Tourengeher eine geeignete Spur in den Neuschnee, welche dann von allen Nachfolgenden benutzt wird. Häufig kann der Gipfel nicht mit Skis bestiegen werden; diese werden dann im Skidepot zurückgelassen und der Gipfel zu Fuss bestiegen. Je nach Geländebeschaffenheit kommen dabei noch Steigeisen und Pickel, evt. sogar das Seil zum Einsatz. Bei Hochgebirgstouren über Gletscher muss je nach Schneeverhältnissen angeseilt werden.

Für die Abfahrt werden die Bindungen fixiert, die Felle entfernt und die Schuhe auf Abfahrtsposition fixiert. Dann steht dem Abfahrtsvergnügen nichts mehr im Wege.
In den letzten Jahren erfreuen sich Skitouren auf Skipisten auch immer größer werdender Beliebtheit. Diese werden einerseits von Skitouren-Wettkämpfern zu Trainingszwecken verwendet, andererseits von unerfahrenen Tourengehern aus Sicherheitsgründen. Werden nach Betriebsschluss noch Touren auf den Pisten durchgeführt, kann dies zu Behinderungen von Pistenpräparierungen oder Lawinensprengungen führen und somit einige Gefahren in sich bergen.
Kürzere Skitouren im Mittelgebirge oder in den Voralpen werden meistens in einem Tag (inkl. An- und Abreise) durchgeführt. Hochalpine Touren bedingen oft die Übernachtung in einer Berghütte mit dem Aufstieg frühmorgens am nächsten Tag.

 

  • Voraussetzung

    Abfahrt im Pulverschnee im Diemtigtal in der Schweiz
    Abfahrt im Pulverschnee im Diemtigtal in der Schweiz
    © Markus Ruff
    Die konditionellen und technischen Ansprüche an den Skitourengeher sind stark abhängig von der Route und von den Schneeverhältnissen. Eine einfache, kurze Tour kann problemlos von einem Skitouren-Neuling bewältigt werden. Voraussetzung ist ein Tourenführer mit Fachwissen und Erfahrung. Mit entsprechender Erfahrung können dann Touren selbständig durchgeführt werden.
    Für den Aufstieg braucht ein Tourengeher, der mit einem Führer unterwegs ist, hauptsächlich Ausdauer und - je nach Schwierigkeit der Tour - Kenntnisse und Erfahrung im Umgang mit Skis, Fellen, Harscheisen und gegebenenfalls Anseilgurt und Pickel. Außerdem sollte jeder Teilnehmer einer Skitour den Umgang mit den Lawinenrettungsgeräten (Lawinenverschüttetensuchgerät LVS, Sonde, Schaufel) beherrschen. Für die Abfahrt auf unpräpariertem und wildem Gelände benötigt der Skifahrer Erfahrung, sichere Beherrschung des Sportgerätes und er muss sich auf eventuell wechselnde Schneeverhältnisse einstellen können (Firn, Harsch, Pulverschnee).
    Der Tourenführer muss zudem Kenntnisse und Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr sowie im Umgang mit den Orientierungs-Hilfsmitteln (Karte, Kompass, Höhenmesser, GPS) haben.

  • Reiz und Einfluss der Natur auf den Sportler
    Das Skitourengehen ist mit einem besonders hohen Naturerlebnis verbunden. Der Aufstieg durch eine frischverschneite Winterlandschaft gehört zum eindrücklichsten, was die Natur zu bieten hat. Für viele gehört dabei das Legen einer neuen Spur in den Pulverschnee zu den Highlights. Für andere ist es eher die Abfahrt durch den frischen Schnee, welche Glücksgefühle auslöst. Wie beim Bergsteigen im Sommer ist auch beim Skitourengehen das Gipfelerlebnis ein zentrales Element.

  • Vorgaben und Abhängigkeit des Sportes
    Die Durchführung von Skitouren ist abhängig von Lawinengefahr, Schneeverhältnissen und Witterung. Nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz (BayNatSchG) darf grundsätzlich jeder zum Genuss der Naturschönheiten und zur Erholung alle Teile der freien Natur ohne behördliche Genehmigung und ohne Zustimmung des Grundeigentümers oder sonstigen Berechtigten unentgeltlich betreten (Art. 22 Abs. 1 und 2 BayNatSchG). Dieses so genannte Betretungsrecht gilt nur für Betätigungen im Rahmen traditioneller Formen der Freizeitgestaltung und Sportausübung, die dem Naturgenuss und der Erholung dienen.
    Allerdings haben Landratsämter die Möglichkeit bestimmte Skirouten, aus Gründen des Naturschutzes, zu sperren.
    In der Kernzone des Nationalparks Berchtesgaden ist z.B. das Skitourengehen bis auf wenige Ausnahmen untersagt.
    (Quelle: http://www.umweltministerium.bayern.de/bereiche/natur/freizeit/skirecht.htm)

    Ähnlich zeigt sich die Situation in der Schweiz: grundsätzlich besteht ein freies Betretungsrecht, welches durch vom Bund, von den Kantonen und von den Gemeinden ausgeschiedenen Wild- und Wald-Schutzgebieten eingeschränkt werden kann. Die gesetzlichen Grundlagen dazu sind kantonal verschieden. Teilweise werden sensible Gebiete auch von Bergbahnen abgesperrt. Informationen zu Schutzgebieten erhält der Skitourengeher auf den Skitourenkarten 1:50'000 von Swisstopo (Bundesamt für Landestopografie). Teilweise sind Schutzgebiete auch im Gelände entsprechend markiert.


  • Geschichte

    Der alpine Tourenskilauf gilt als Vorläufer für alle anderen Skisportarten. Heute finden wir eine breite Palette an Sportarten, die sich aus dem sogenannten „Skibergsteigen“ entwickelt haben. Bis zum Bau von modernen Beförderungsanlagen musste man bis vor dem zweiten Weltkrieg auf Skiern aufsteigen. Dazu wurden entweder ein Seehundfell oder Riemen unter die Lauffläche der Ski angebracht.
    In den 1970er und 1980er Jahren wurde der Tourenskilauf sukzessive zum Freizeitsport. Derzeit hat er enorm an Popularität zugenommen und es werden auch erfolgreich Wettkämpfe veranstaltet.
    Einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des alpinen Tourenskilaufs haben auch die Schmuggler der Jahrhundertmitte geleistet, die sich den späteren Rennen dank ihrer „Tätigkeit“ mit einer guten Portion Training stellen konnten.

    Verbreitung der Sportart
    Aufstieg zu den Lobhörnern bei Lauterbrunnen in der Schweiz
    Aufstieg zu den Lobhörnern bei Lauterbrunnen in der Schweiz
    © Markus Ruff
    • Im Bereich von geführten Touren, Ausbildung und Versicherung im Skitourenlauf ist der DAV eine gute und kompetente Adresse. Aus den Mitgliederzahlen (670.000, Stand: 2002) ist jedoch nicht ersichtlich, wer davon Skibergsteiger ist und wer eine anderen Sport ausübt.

    • In der Schweiz vertritt der Schweizer Alpenclub SAC die Interessen der Skitourengeher. Er führt Ausbildungs- und Weiterbildungskurse für Tourenleiter durch und fördert den Wettkampfsport Skibergsteigen. Das Tourenskigehen ist nach dem Wandern die beliebteste Bergsport-Variante im SAC. Mit 108'000 Mitgliedern in 111 Sektionen (Stand 2005) gehört der SAC zu den grössten Sportverbänden der Schweiz. Andere Interessensvertreter sind die Naturfreunde Schweiz und Swiss Ski (Skiverband).


    Naturraum
     
    Ansprüche an den Naturraum:

    Skitourengeher bewegen sich größtenteils in weitgehend störungsfreien und unerschlossenen Gebirgsregionen. Dies ist - auch im Winter - der Lebensraum verschiedener Wildtiere. Skitourengehen beinhaltet somit ein erhebliches Störungspotenzial. Der Aufstieg erfolgt - selbst bei großen Gruppen - in der Regel geordnet, ruhig und entlang einer einzigen Spur. Anders sieht es in der Abfahrt aus: jeder sucht nach Neuschnee, was dazu führen kann, dass das gesamte Einzugsgebiet einer Geländekammer betreten wird. Tempo und Geräuschpegel sind in der Abfahrt deutlich höher. Eine Lenkung/Kanalisierung kann deshalb im Aufstieg relativ problemlos vollzogen werden, in der Abfahrt funktioniert sie nur beschränkt.
    Je nach Tourengebiet führt die Route sowohl durch Bergwald wie auch durch Gebiete oberhalb der Waldgrenze, wobei im Wald - zumindest im Aufstieg - meistens bestehende (aber im Winter kaum zu erkennende) Strassen und Wege benutzt werden. Oberhalb der Waldgrenze wird in der Regel die einfachste und sicherste Route gewählt, abhängig von Schneeverhältnissen, Witterung (Sicht) und Lawinensituation.

    Auswirkungen

    Das mit Abstand größte Konfliktpotenzial liegt in der Störung der Wildtiere. Dabei gibt es verschiedene Aspekte zu berücksichtigen:

    • Skitourengeher können Wildtiere zur Flucht veranlassen. Flucht verursacht bei den Tieren einerseits einen erhöhten Energieverbrauch und führt andererseits dazu, dass Futterplätze und Nahrungsquellen aufgegeben werden und die Energiezufuhr somit reduziert wird. Weil Nahrung im Winter nur spärlich vorhanden ist und die Fett- und Energiereserven der Tiere knapp sind, kann dies fatale Folgen haben. Störung kann zu einem erhöhten Mortalitätsrisiko führen.
    Am sensibelsten reagieren dabei die Rauhfußhühner (Auerhuhn, Birkhuhn, Schneehuhn). Die im Winter nur wenige Stunden aktiven Wildtiere können ihre Nahrung nur bei Tage aufnehmen. Da sie keine Fettreserven anlegen, führt der erhörte Energieverbrauch ebenfalls zu einem raschen Ansteigen des Mortalitätsrisikos und besonders bei Störung während der Balzzeit zur Schwächung der Population.

    • Wenn das Schalenwild (Hirsch, Gams, Steinbock) von den Futterplätzen vertrieben wird, flüchtet es in den Bergwald und richtet dort Verbissschäden an Jungbäumen an. Dies kann langfristig zur Zerstörung des Waldes führen.

    Vegetationsschäden können auch durch scharfe Skikanten bei unvorsichtigem Abfahren entstehen.

    Die Auswirkungen sind - bedingt durch die Höhenlage der Lebensräume der Wildtiere - stark abhängig vom Gelände bzw. von der Höhenlage einer Skitour. Währenddem der Bereich oberhalb der Waldgrenze weitgehend unproblematisch ist, ist das Störungspotenzial im Bereich der oberen Waldgrenze sowie im Wald sehr viel größer. Skitouren im Hochgebirge sind somit störungsbiologisch unproblematisch. Außerdem ist die Tageszeit ein entscheidender Faktor; problematisch sind die Dämmerungszeiten am Morgen und am Abend.

    Varianten der Sportart
     
    Snowboardtouren
    Snowboarder im Aufstieg mit Schneeschuhen, Col des Mosses (Schweiz)
    Snowboarder im Aufstieg mit Schneeschuhen, Col des Mosses (Schweiz)
    © Markus Ruff
    Auch mit dem Snowboard lassen sich Touren durchführen. Für den Aufstieg werden meistens Schneeschuhe, selten Kurzskis verwendet, wobei das Brett auf dem Rucksack getragen werden muss. Spezielle Tourensnowboards lassen sich für den Aufstieg in 2 Skis mit Laufbindung teilen und auf dem Gipfel wieder zu einem Brett zusammensetzen; das Konzept konnte sich allerdings nicht durchsetzen. Mit den Schneeschuhen kann entweder in der Skispur aufgestiegen werden oder es wird eine neue, meistens steilere Spur angelegt. Der Aufstieg ist auf jeden Falls anstrengender als mit Ski. Bei sehr viel Neuschnee wird das Spuren (Neuanlegen einer Spur) zur Tortur. Bei harten Schneeverhältnissen werden für steile Hänge Steigeisen notwendig. Snowboards sind für hochalpine Touren nicht geeignet, weil das zusätzliche Gewicht von Anseilmaterial, Steigeisen und Pickel neben dem Gewicht des Brettes den Spaß verdirbt.


     Skitourenwettkämpfe

    Skitourenrennen sind im Zusammenhang mit militärischen Übungen entstanden und waren bis zu den Olympischen Winterspielen 1948 in St. Moritz olympische Disziplin. Später sind die legendären Patrouillenrennen wie z.B. die Patrouille des Glaciers (Zermatt-Verbier) entstanden. In den letzten 15 wurden in verschiedenen Alpenländern teilweise alte, klassische Rennen wieder belebt und neue Wettkämpfe ins Leben gerufen. Der größte Teil der Rennen sind Team-Wettkämpfe (2-er Teams), einige werden als Einzelrennen durchgeführt.
    Bei den Skitourenrennen legt der Organisator eine Spur, in welcher die Wettkämpfer aufsteigen können. Die Abfahrten sind markiert. Die Wettkämpfer müssen somit weder Orientierungsarbeit noch Lawinenbeurteilung ausführen. Die Reglementierung der Skitourenwettkämpfe sowie die Betreuung der Nationalkader wird in Deutschland vom Deutschen Alpenverein und in der Schweiz vom Schweizer Alpen-Club betreut.


     Schneeschuh-Wandern
    siehe Infotext Wandern

     Skiwandern

    Als Skiwandern werden einfache Skitouren in sanftem, evt. sogar flachen Gelände bezeichnet. Nicht ein Gipfel, sondern der Weg von A nach B ist das Ziel. Die Beurteilung der Lawinengefahr und die sichere Spuranlage können weitgehend vernachlässigt werden, das mitführen von Lawinenrettungsmaterial ist nicht zwingend notwendig.

     

     Referenzen
    Schweizer Alpen-Club SAC
     
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