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Schorr, Martin; Zachay, Werner; Meier, Sandra; Winter, Ute   Weitere Arbeiten von Schorr, Martin; Zachay, Werner; Meier, Sandra; Winter, Ute
Erfassung und störungsökologische Beurteilung der Vögel und Libellen der Sauer

 
EINWIRKUNGSDAUER
nicht quantifiziert; nur auf qualitativer Basis begutachtet
 
EINWIRKUNGSART
Kanuten, Einzel- und Gruppenfahrer; ruhig dahin gleitende Kanuten, lärmerzeugende Gruppen, Hunde am Ufer; Lagernde auf Kiesinseln und -ufern.
 
EINWIRKUNGSGRAD
In der Ferienzeit vor allem ab der Mittagszeit ein kontinuierlicher Strom von Kanuten; teilweise organisierte Gruppenfahrten, teilweise von den Campingplätzen aus startend
 

TIERART

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG / AUSWIRKUNG

Blässhuhnv.a. im Juli und August; in den von Kanuten befahrenen Abschnitten keine Jungvögel, im Gegensatz zu Bereichen ohne Kanuten (deskriptiv, ohne Kausalanalyse)
EisvogelWeicht Kanuten regelmäßig aus; potenziell zur Anlage von Brutröhren geeignete Bereiche am Sauerufer werden nicht genutzt (deskriptiv, ohne Kausalanalyse)
GebirgsstelzeReagieren zwar auf Kanuten während der gesamten Saison, jedoch wurden trotzdem regelmäßig Jungvögel angetroffen.
GraureiherSich nähernde Kanuten führen regelmäßig zur Unterbrechung der Nahrungsaufnahme und zum Auffliegen
TeichhuhnEs wird vermutet, dass der Bruterfolg niedrig ist. Störungen führen zu Nestabwesenheitszeiten, die u.a. vom Fuchs zur Plünderung der Eier oder Jungvögel genutzt wurden.
WasseramselKeine Störungen beobachtet; Wasseramseln unterbrachen trotz stark lärmender Kanuten die Nahrungsaufnahme nicht; jedoch waren die Individuen durch Sichtbarrieren von den Kanuten getrennt
ZwergtaucherDie Anwesenheit von Kanuten führte zu einem permanenten Fluchtverhalten und Aufsuchen der uferbegleitenden Weidengebüsche zur Deckung. Der Bruterfolg ist sehr gering und wahrscheinlich nur auf die störungsfreien bzw. -armen Zeiten im März und April zurückzuführen. Brutabwesenheitszeiten führten in einem Falle zur Okupation der Nestplattform durch ein Teichhuhnpaar.
Gebänderte Prachtlibelle - Calopteryx splendens Generell wird ein nur geringes Konfliktpotenzial zwischen Kanuten und Individuen dieser Libellenart angenommen. Vor allen in Bereichen mit einer Schwimmblattvegetation ist bei Einfahren (unerfahrener) Kanuten mit einer Entlassung von Larven in eine katastrophische Drift zu rechnen.
Pokalazurjungfer - Erythromma lindenii Generell wird ein nur geringes Konfliktpotenzial zwischen Kanuten und Individuen dieser Libellenart angenommen. Vor allen in Bereichen mit einer flutenden bzw. Schwimmblattvegetation ist bei Einfahren (unerfahrener) Kanuten mit einer Entlassung von Larven in eine kathastropische Drift zu rechnen..
Gemeine Flussjungfer - Gomphus vulgatissimus Das Konfliktpotenzial zwischen Kanuten und Individuen dieser Libellenart wird als mittel bis hoch angenommen: Die Larven im Uferrandbereiche sind trittempfindlich. Störungen der Eiablage der Weibchen können zu erheblichen Auswirkungen der Reproduktionsrate führen, da nach gegenwärtigem Kenntnisstand davon auszugehen ist, dass Weibchen nur wenige Male zur Eiablage an ein Gewässer kommen und die Eier zudem als Eipakete abgelegt werden.
Kleine Zangenlibelle - Onychogomphus forcipatus Es wir ein mittleres bis hohes Konfliktpotenzial zwischen Kanuten und Individuen dieser Libellenart angenommen: Erhebliche Beeinträchtigungen sind v.a. im Bereich von riffles (Rauschen) sowie während der Emergenz zu erwarten. Da die Art sehr niedrig über der Wasseroberfläche schlüpft (meist <5cm) können von Kanuten erzeugte Wellen zu Schäden der weichen, noch nicht ausgehärteten Individuen führen, die diese funktionsunfähig machen oder töten. In beiden Fällen ist eine Reproduktion nicht mehr möglich.
Gekielte Smaragdlibelle - Oxygastra curtisii Es wird ein geringes bis mittleres Konfliktpotenzial zwischen Kanuten und Individuen dieser Libellenart angenommen, da sich die Larven in Bereichen aufhalten, die von Kanuten nicht beeinträchtigt werden. Auch die Eiablagestellen liegen im Regelfall außerhalb der Beeinträchtigungsmöglichkeiten von Kanuten. Die Art ist in den Anhängen II und IV der FFH-Richtlinie verzeichnet und von besonderer Bedeutung im europäischen Schutzgebietsystem Natura 2000.
Südlicher Blaupfeil - Orthetrum brunneum Es wird ein geringes bis mittleres Konfliktpotenzial zwischen Kanuten und Individuen dieser Libellenart angenommen. Beeinträchtigungen sind v.a. im Falle der Larvenlebensräume in den flachen leicht fließenden Gewässern die Ufer-Kiesbänke durch Trittbelastung zu erwarten, wenn Kanus zu Lagern am Ufer verlassen werden.
 
ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?
Unter Beachtung der limitierenden Faktoren (kein empirisch basierter Untersuchungsansatz, keine Quantifizierung der Frequentierung der Sauer durch Kanuten) ist der Untersuchungsansatz der deduktiven Anwendung des rezenten störökologischen Kenntnisstands auf einen realen Tierbestand vertretbar. Mangelnde quantitative Datenfundierung wird durch einen umfassenden ethoökologischen Diskussionsansatz mit besonderer Berücksichtigung empfindlicher Lebensstadien und der potenzielle Beeinträchtigung durch Kanusportaktivitäten ausgeglichen.
 
BEMERKUNGEN
Die empirische Basis der Studie ist sehr unbefriedigend. Jedoch erfolgt eine sehr intensive Diskussion möglicher Wirkungen auf die Fauna vor dem Hintergrund einer umfassenden Literaturauswertung unter besonderer Berücksichtigung der Raum-Zeit-Einnischung und von Phasen besonderer Störempfindlichkeit.
   
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