Moorlandschaft Ostfriesische Meere
Die Region und Ausgangssituation


Fotos: R.Morfeld
Die Moorlandschaft Ostfriesische Meere mit einer Fläche von 76.900 ha liegt im Herzen von Ostfriesland, einer der moorreichsten Gegenden Deutschlands. Der überwiegende Teil der Projektregion gehört zum Landkreis Aurich mit den Gemeinden Hinte, Südbrookmerland, Großheide, Ihloe, der Samtgemeinde Brookmerland sowie der Stadt Aurich. Die Ostfriesischen Meere sind natürliche Flachseen, die in großräumige Hoch- und Niedermoorlandschaften – mit breiten Verlandungszonen und artenreichen Feuchtgrünlandgebieten – eingebettet sind. Ein Großteil ist davon als Natura 2000-Gebiet gemeldet. Mit 108 ha ist das Ewige Meer Deutschlands größter Hochmoorsee, das Große Meer mit 450 ha Wasserfläche einer der größten natürlichen Niedermoor-Flachseen. Die Moorgebiete haben eine große Bedeutung für den Vogelschutz. Dort sind seltene Brutvogelarten wie Trauerseeschwalbe, Neuntöter und Kiebitz (u. a.) zu finden. Im Winterhalbjahr sind die Niederungsmoore wichtige Überwinterungsgebiete für Zugvögel.
Für die Bevölkerung stellen Tourismus und Landwirtschaft wichtige lokale Einkommensquellen dar. Mehr als 80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen sind Grünland, wobei hier in den letzten Jahren ein deutlicher Strukturwandel eingesetzt hat. Zunehmend werden Grenzertragsböden für den Maisanbau (Nutzung in Biogasanlagen) umgebrochen. Zugleich nimmt die extensive Gründlandnutzung als Folge von Betriebsaufgaben kleinerer Betriebe ab. Beides kann die Funktion der Niedermoore empfindlich stören. 2002 hat Ostfriesland als eine von bundesweit 18 Regionen den Bundeswettbewerb "Regionen aktiv" gewonnen. Seither wurde ein professionelles Regionalmanagement sowie eine Dachmarke für die Region Ostfriesland aufgebaut. Der Tourismus der Region setzt vorwiegend auf ruhige Erholungsformen, z.B. mit Fahrrad oder Boot.
Die Vision


Foto unten: R.Morfeld
Im Rahmen des Projekts sollen die ostfriesischen Moorlandschaften in ihrer natürlichen Vielfalt erhalten werden. Dafür sollen neben einer gezielten Nutzungsentflechtung zur besseren Wiedervernässung zusammenhängender Moorbereiche die traditionellen Nutzungsformen wie Grünlandwirtschaft, Reithschnitt, Jagd und Fischerei gefördert werden. Zudem wird die Attraktivität der Moorlandschaften für den Tourismus erhöht. Aus naturschutzfachlicher Sicht gelten als Projektziele v. a. die Wiedervernässung der naturnahen Moorflächen, die Erhaltung von Moorheiden, Pfeifengraswiesen, Seggenriedern und Röhrichten durch traditionelle Nutzungsformen und die Entwicklung einer vielgestaltigen Grünlandregion. Dabei stellt der Wiesenvogelschutz durch einen erfolgreichen Gelege- und Kükenschutz einen Schwerpunkt dar.
Die Anbieter und Nachfrager von Naturschutzleistungen sollen auf einem organisierten "Marktplatz Naturschutz" zueinander finden und ertragsfähige Lösungen finden – beispielsweise in Form neuer Agrar-Umwelt-Programme. Dies dient ebenso der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Moorlandschaften wie weitere Initiativen in der Regionalvermarktung unter der bereits bestehenden Marke Ostfriesland. Zudem sind neue Angebote im Naturerlebnistourismus geplant. Dazu zählen innovative Ideen wie ein Moormarathon, ein künstlerisches Landart-Projekt, Eselwanderungen im Moor, Naturerlebnis mit Paddel und Pedal oder Managerkurse mit Moorarbeitseinsätzen. Besuchereinrichtungen wie ein Moormuseum, Schulbauernhof, Bohlenwege und Naturerlebnispfade sollen weitere Gäste anlocken. Bis 2020 sollen mindestens 35 Prozent der Gäste ausdrücklich der Moore wegen nach Ostfriesland kommen. Um die Akzeptanz der Naturschutzmaßnahmen und die Wertschätzung der Moore bei der heimischen Bevölkerung zu erhöhen, sollen Umweltbildungskonzepte mit Schulen, Kindergärten, Volkshochschulen etc. ausgebaut werden.
Die Partnerschaft
In Ostfriesland besteht bereits eine regionale Partnerschaft, die in den vergangenen Jahren erfolgreiche Organisationsstrukturen entwickelt hat: Die Ostfriesische Landschaft, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, in der alle Kommunen und viele weitere gesellschaftliche Gruppen vertreten sind, soll auch die Trägerschaft des Projekts übernehmen. Unterstützt wird sie vom Landkreis Aurich, dem Verein Region Ostfriesland, dem Landwirtschaftlichen Hauptverein für Ostfriesland (LHV) und dem NABU Ostfriesland.
Bewertung
Die Moorlandschaft Ostfriesische Meere besticht durch großflächig erhaltene Moore. Herausragend ist dabei das fast 1.300 ha große Gebiet "Ewiges Meer" mit weiten Hochmoorresten und einem 108 ha großen Moorsee. Viele seltene Brutvogelarten sind dort zu finden, darunter der Kiebitz mit 450 Brutpaaren, zudem viele Rastvögel. Die geplanten Naturschutzmaßnahmen mit den im Projektantrag genannten konkreten Zielen sind anspruchsvoll und beispielhaft. Auch im Bereich Naturerlebnis gibt es gute Umsetzungsideen. Der vorgesehene Projektträger Ostfriesische Landschaft hat bereits Erfahrungen mit Naturschutzprojekten und partnerschaftlichen Ansätzen. Die weitere Organisation des Prozesses ist sehr professionell geplant. Alle relevanten Akteure sind in das Projekt mit eingebunden.
