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Weltparkkongress 2003:

  • Schutzgebiete sollen die biologische Vielfalt sichern

Bonn, 25.09.2003: Beim Weltparkkongress der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) in Durban berieten 3.000 Experten aus 154 Ländern letzte Woche über den Beitrag von Schutzgebieten zu einer nachhaltigen Entwicklung.

Bei der Bewahrung und Entwicklung der natürlichen Lebensgrundlagen spielen Schutzgebiete eine große Rolle. Sie sind ein wichtiges Instrument zahlreicher internationaler Übereinkommen und Vereinbarungen, die dem Schutz und dem Erhalt der biologischen Vielfalt dienen. Bei seiner 7. Vertragsstaatenkonferenz wird sich auch das "Übereinkommen über die Biologische Vielfalt" (CBD) der Vereinten Nationen des Themas annehmen. Ziel der Beratungen wird es sein, durch Schutzgebiete bis zum Jahre 2010 den Verlust an biologischer Vielfalt zu stoppen oder zumindest erheblich zu senken. Die Teilnehmer des diesjährigen IUCN-Kongresses in Durban erarbeiteten daher einen internationalen Maßnahmenkatalog, der der 7. Vertragsstaatenkonferenz der CBD vorgelegt wird.

Die Vertragsstaatenkonferenz wird mit dem Maßnahmenkatalog u. a. aufgefordert, ein repräsentatives und effizient gemanagtes weltweites Schutzgebietsnetz einzurichten, wie es auch vom "Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung" (WSSD) 2002 gefordert worden war. Dazu sollte ein effektives Arbeitsprogramm für Schutzgebiete mit konkreten Zielen und einem Zeitplan verabschiedet und dessen Umsetzung streng überwacht und bewertet werden. Sollte sich herausstellen, dass das Arbeitsprogramm nicht ausreichend umgesetzt wird, wird die Anwendung strikterer, ggf. auch rechtlicher Maßnahmen empfohlen.

Professor Dr. Hartmut Vogtmann, Präsident des Bundesamtes für Naturschutz, sagte hierzu: "Mit der Botschaft an die Vertragsstaatenkonferenz liegen die Grundlagen für erfolgreiche Verhandlungsergebnisse auf dem Tisch, die wesentliche Schritte beim Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt sind. So wird nicht nur die biologische Vielfalt erhalten, sondern auch einen gerechter Vorteilsausgleich aus der nachhaltigen Nutzung genetischer Ressourcen erst möglich."

Die IUCN schlägt der Vertragsstaatenkonferenz ferner vor, für die Systematisierung und Bewertung des weltweiten repräsentativen Schutzgebietsnetzes die sechs Bewirtschaftungskategorien der IUCN zu übernehmen. Diese kategorisieren die Schutzgebiete hinsichtlich des Ziels ihrer Bewirtschaftung: Wildnisgebiet, Prozessschutz und Erholung, Naturmonument, Naturschutz durch spezielle Pflegemaßnahmen, Schutzgebiete für Landschaftsschutz und Erholung oder Gebiete, in denen der Schutz für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen im Vordergrund steht.

Außerdem erarbeiteten die Kongressteilnehmer den "Durban Accord" und den "Durban Action Plan", in denen sie einen Paradigmenwechsel fordern. Schutzgebiete sollen danach künftig stärker den Aspekt der nachhaltigen Entwicklung berücksichtigen, ohne ihren ursprünglichen Auftrag, den Schutz der Natur, zu vernachlässigen. Im "Durban Action Plan" sind diejenigen Aktivitäten aufgeführt, die auf internationaler, regionaler, nationaler und lokaler Ebene sowie seitens der IUCN notwendig sind, um die Rolle der Schutzgebiete für eine nachhaltige Entwicklung zu erfüllen.

In 32 Empfehlungen aus den Workshops des Kongresses werden Handlungen konkretisiert, mit denen die Experten ihr Engagement ausdrücken und Forderungen an eine Reihe von Akteuren aufstellen. Der Text der Dokumente ist unter  www.iucn.org zu erhalten.

Schon jetzt bedecken Schutzgebiete fast 12 % der Erdoberfläche, ihr Management lässt jedoch vielfach zu wünschen übrig, neue Partnerschaften, z.B. mit der Privatwirtschaft, und eine erhebliche Aufstockung der bisher zur Verfügung stehenden Mittel sind notwendig, um die Schutzgebiete weltweit mit einem angemessenen Management auszustatten - auf dem Kongress wurde von einem zusätzlichen Bedarf von jährlich 25 Milliarden $ gesprochen.

Die Teilnehmer der Konferenz stellten fest, dass bislang nur ca. 0,5% der Weltmeere durch Schutzgebiete abgedeckt sind. Um diesen völlig unbefriedigenden Zustand zu verbessern, wurde daher aufgerufen, bis 2012 ein umfassendes weltweites Netz von Meeresschutzgebieten aufzubauen, das insbesondere die Polarregionen und Hochseegebiete einschließt. BfN-Präsident Vogtmann: "Hiermit wird der Beschluss der Umweltminister der Nordatlantik- und Ostseeanrainerstaaten vom Juli 2003 in Bremen bestärkt, die sich unter deutschem Vorsitz verpflichtet haben, bereits bis 2010 ein derartiges System aufzubauen."

Weiterhin wurde festgestellt, dass durch weitgehend unkontrollierte und zerstörerische Fischerei in internationalen Gewässern die Fischbestände, Meeresbodenlebensgemeinschaften und Korallenriffe bedroht sind. Die Teilnehmer der Konferenz rufen daher die UN auf, ein sofortiges Moratorium zum Verbot der Tiefsee-Schleppnetzfischerei zu erlassen, bis eine effektive Kontrolle dieser Fischerei etabliert ist.

Vogtmann: "Das Thema der Erhaltung der marinen Ressourcen unseres Planeten ist lange unterschätzt worden. Dem Prozess der Ausweisung von Meeresschutzgebieten in internationalen Gewässern ist damit neuer Auftrieb gegeben worden".

Letzte Änderung: 25.09.2003

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