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Naturschutz, Landwirtschaft, Klimaschutz

Neue Forschungsergebnisse zeigen: Naturverträgliche Landbewirtschaftung weist Synergien mit Natur- und Klimaschutz auf

  • „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020“ greift BfN-Forschungsergebnisse auf
  • Landwirtschaft in die Erreichung der Klimaschutzziele einbeziehen
  • Forschungsbericht liefert Daten und Grundlagen

Bonn, 3 Dezember 2014: Heute wird das Bundeskabinett das "Aktionsprogramm Klimaschutz 2020" verabschieden. Alle Sektoren - darunter auch die Landwirtschaft - werden ihren Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele leisten. "Die intensive Landwirtschaft hat nicht nur einen großen Anteil an der Verarmung von Lebensräumen, dem Artenrückgang und der Verschlechterung des Zustandes von Natur und Umwelt, sondern emittiert auch Treibhausgase in beträchtlichem Umfang," so die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Prof. Beate Jessel. Im Jahr 2012 war die deutsche Landwirtschaft für die Emission von rund 76 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten verantwortlich. Das sind 8,1 % der gesamten Treibhausgas-Emissionen in Deutschland und entspricht den derzeitigen Treibhausgasemissionen Österreichs. Dabei handelt es sich vor allem um Methan aus Verdauungsprozessen und dem Wirtschaftsdüngermanagement sowie um Lachgasemissionen aus Wirtschaftsdünger, Düngung und landwirtschaftlich genutzten Böden.

"Wir begrüßen sehr, dass das Thema Reduzierung der Stickstoffüberschüsse durch die Novellierung der Düngeverordnung, die Erhöhung des Flächenanteils des ökologischen Landbaus, der Erhalt von Dauergrünland und der Schutz von Moorböden im Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 verankert worden sind. Diese Handlungsfelder haben zudem positive Effekte in den Bereichen Biodiversität, Gewässerschutz und Luftqualität, " erklärte Beate Jessel zum Kabinettbeschluss.

Parallel zum "Aktionsprogramm Klimaschutz 2020" hat das BfN seine aktuelle Studie zu den Synergien von Natur- und Klimaschutz veröffentlicht Die parallele Realisierung der energiepolitischen Ausbauziele - abgeleitet aus den Klimaschutzzielen - über die verschiedenen Nutzungsformen von Biomasse (Strom, Wärme und Treibstoff) führt auf der einen Seite insgesamt zu hohen und national nur schwer erfüllbaren Flächenansprüchen. Auf der anderen Seite steht die konkurrierende Nachfrage nach Nahrungsmitteln, Futtermitteln und nachwachsenden Rohstoffen sowie die anhaltende Versiegelung von Landwirtschaftsflächen den Forderungen nach verbesserten Umwelt- und Naturschutzleistungen gegenüber. In der Studie wurden deshalb die Wirkungen politischer Anreiz- und Steuerungsinstrumente sowie bestimmter Nutzungsformen hinsichtlich des Natur- und Klimaschutzes bewertet. Darauf aufbauend sind Empfehlungen zur Weiterentwicklung des politischen Instrumentariums mit dem Ziel abgeleitet, eine verbesserte Abstimmung einzelner Sektorpolitiken im Hinblick auf die Realisierung von Klima- und Naturschutzzielen zu ermöglichen.

Die Studie konnte zeigen, dass eine Verknüpfung von effektiven Natur- und Klimaschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft auf Basis der Kriterien Treibhausgas-(THG)-Vermeidungspotenzial und THG-Vermeidungskosten das Potenzial hat, solche Zielkonflikte zu reduzieren. Weiterer Flächenbedarf könnte begrenzt werden, wenn Maßnahmen mit einem hohen THG-Vermeidungspotenzial je ha zur Anwendung kommen. In den berechneten Szenarien der Studie waren dies zum Beispiel Kurzumtriebsplantagen (KUP), die Restaurierung von kohlenstoffreichen Böden (Moorböden) und das Absehen von weiterem Grünlandumbruch. Energiemais zur Biogasgewinnung dagegen schnitt als weniger geeignet ab, da hier sowohl das Treibhausgas-(THG)-Vermeidungspotenzial pro ha geringer als auch die THG-Vermeidungskosten je t CO2Äq. höher als bei anderen Maßnahmen anzusetzen sind.

"Um eine entsprechende Entwicklung in Deutschland zu befördern müssen gerade auch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) in der anstehenden neuen Förderperiode wie auch die Novellierung der Düngeverordnung essentielle Beiträge leisten," erklärte Jessel.

Hintergrund
Die Wirkungen der Landbewirtschaftung auf Natur- und Klimaschutzaspekte sind vielfältig und teils konträr. Sowohl im Bereich des Naturschutzes als auch im Bereich des Klimaschutzes versucht die Politik, die bestehenden Schwierigkeiten und Probleme durch die Anwendung fiskal- und ordnungspolitischer Instrumente zu mildern oder zu beheben. Wie mit Blick auf die Landbewirtschaftung die Instrumente des Klima- und Naturschutzes besser abgestimmt werden können, war Gegenstand des Forschungsprojektes "Instrumente zur Stärkung von Synergien zwischen Natur- und Klimaschutz im Bereich Landbewirtschaftung", dessen Ergebnisse kürzlich veröffentlicht wurden.

Hinweise:
Das BfN-Skript 382 "Instrumente zur Stärkung von Synergien zwischen Natur- und Klimaschutz im Bereich Landbewirtschaftung" ist kostenlos beim Bundesamt für Naturschutz zu beziehen (Natur-und-Nutzung@bfn.de).
Das F&E Projekt "Instrumente zur Stärkung von Synergien zwischen Natur- und Klimaschutz im Bereich Landbewirtschaftung" wurde durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert und vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung ZALF e.V. Müncheberg, dem Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, Braunschweig und dem Projektbüro mareg Markt&Region Ippesheim bearbeitet.


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Letzte Änderung: 03.12.2014

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