Bundesamt für Naturschutz

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Naturschutzgroßprojekt „Pfrunger – Burgweiler Ried“

Hintergrund

Hund’sche Teiche als Beispiel eines Torfstichs (Foto: Pia Wilhelm)
Das Foto zeigt die Hundschen Teiche in Moorlandschaft mit Bäumen am Rand.

Das Gebiet des Pfrunger-Burgweiler Riedes ist der zweitgrößte zusammenhängende Moorkomplex Südwestdeutschlands. Durch landwirtschaftliche Nutzung und Torfabbau wurde jedoch stark in den Wasserhaushalt eingegriffen. Trotzdem ist das Ried aus Sicht des Naturschutzes von herausragender nationaler und sogar europäischer Bedeutung. Um die Vielfalt der Arten und Lebensräume zu erhalten, zu entwickeln und zu sichern, wurde das Pfrunger-Burgweiler Ried  in das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 aufgenommen und im Zeitraum 2002 bis 2015 im Rahmen des Programms „chance.natur-Bundesförderung Natur“ als Naturschutzgroßprojekt gefördert.

Das Projekt

Zentraler Moorbereich: Regenmoor „Großer Trauben“ (Foto: Ulla Steer)
Das Foto zeigt Moorgebiet mit zum Teil umgestürzten Nadelbäumen.

Das in den Landkreisen Ravensburg und Sigmaringen gelegene Gebiet umfasst überwiegend Hoch-, Zwischen- und Niedermoorflächen sowie die Talniederung der Ostrach. Das Pfrunger - Burgweiler Ried ist Lebensraum einer artenreichen, charakteristischen und z.T. stark gefährdeten und seltenen Tier- und Pflanzenwelt sowie Rastgebiet gefährdeter Vogelarten (Vorkommen von Schlankem Wollgras, acht Fledermausarten, Bekassine, Weißstorch, Tüpfelsumpfhuhn, Violetter Silberfleckbläuling, Löwenzahnspinner). Das Kerngebiet, d. h. die Flächen, auf denen die Fördermaßnahmen durchgeführt wurden, umfasst 1.453 ha. In der Planungsphase (Projekt I: Ende 2002 bis Mitte 2005) wurde zunächst der Pflege- und Entwicklungsplan, d. h. ein konkretes Ziel- und Maßnahmenkonzept, erarbeitet.


Das Hauptziel des Projektes bestand darin, weitere moorabbauende Prozesse zu unterbinden und langfristig eine Renaturierung der Moorökosysteme zu erreichen. Unverzichtbare Voraussetzung für die Durchführung der geplanten Maßnahmen,
v. a. der großflächigen  Wiedervernässungen, war es, mittels eines Flurbereinigungsverfahrens die notwendigen Flächen verfügbar zu machen. Um die Artenvielfalt auf den landwirtschaftlichen Flächen zu erhöhen, galt es, die Nutzung zu extensivieren. 

Großflächige Wiedervernässungen durch Grabenstaue (Foto: Ulla Steer)
Auf dieser Abbildung sieht man einen künstlich angelegten Grabenstau im Moorgebiet.

Moor-Ausstellung im Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf(Foto: Bernd Reißmüller)
Dieses Foto zeigt Besucher in der Moorausstellung im Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf.

In der Umsetzungsphase (Projekt II: 2005 bis Ende 2015) wurde eine Vielzahl von Maßnahmen durchgeführt; zu den wichtigsten gehören insbesondere der Grunderwerb (ca. 370 ha), die Wiedervernässung zentraler Moorbereiche (ca. 600 ha) sowie der Aufbau einer extensiven Weidenutzung (Umfang ca. 300 ha). Hinzu kommen v. a. die Besucherlenkung, eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit, wozu auch  u. a. eine Ausstellung zum Projekt im Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf gehört sowie die Herstellung und Erhaltung der Akzeptanz des Projektes in der Bevölkerung. 


Erste Untersuchungen zu den Auswirkungen der Maßnahmen auf die Entwicklung von Fauna und Flora ergaben, dass sich z. B. Schwarzstorch, Kiebitz, Schwarzkehlchen, Neuntöter und Braunkehlchen als Brutvogel ansiedelten oder ihre Populationen vergrößerten. Zugenommen haben ferner die Bestände verschiedener Amphibienarten sowie die Deckung der Torfmoose und die Ausbreitung von Seggenarten. In einem Forschungs- und Entwicklungsprojekt des BfN wurde darüber hinaus ermittelt, dass die im Projekt durchgeführten Maßnahmen zur Moorrenaturierung die Freisetzung klimaschädlichen Kohlendioxids um jährlich etwa 8.300 Tonnen verringern. Das entspricht der Einsparung von 55 Mio. Auto-km (ca. 3.700 Fahrzeuge mittlerer Fahrleistung). Vor allem wegen der Maßnahmen zum Moor- und damit zum Klimaschutz sowie zur Wildnisentwicklung ist das Projekt als wichtiger Beitrag zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zu werten.

Auch Biber wanderten in das Gebiet ein (Foto: Ulla Steer)
Dieses Foto zeigt umgestürtze Bäume im Moorgebiet, die durch Biber angenagt wurden.

Ausblick

Auch nach Beendigung der Förderung sind zahlreiche Aufgaben zu erfüllen. Dazu gehören u. a. der Abschluss des Flurbereinigungsverfahrens, die langfristige Sicherung der Gebietsbetreuung (Verwaltung, Besucherlenkung, Pflege- und Beweidungsmanagement) sowie v. a. die Ausweisung des Kerngebietes als Naturschutzgebiet.  

Publikationen / weiterführende Links

Links:
 Projektsteckbrief des BfN

 Projektwebseite Riedstiftung

Publikationen:
KAPFER, A. (2017): Denken Sie groß und langfristig – Das Naturschutzgroßprojekt Pfrunger-Burgweiler Ried (2002-2015). Schwäbische Heimat 1-2017: 21-31.

Stiftung Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried“ (2015): „Das Naturschutzgroßprojekt Pfrunger-Burgweiler Ried“. Wilhelmsdorf. 83 S. (Publikation,  gefördert durch BMUB/ BfN, Land Baden-Württemberg und die o. a. Stiftung)

Laufzeit

  • Projekt I: 09/2002 bis 06/2005
  • Projekt II: 09/2005 bis 12/2015

Projektträger

Stiftung Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried
Riedweg 3
88271 Wilhelmsdorf

Beteiligte Partner

  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und Bundesamt für Naturschutz (BfN)
  • Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden- Württemberg
  • Stiftung Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried

Fachbetreuung im BfN

 Dr. Ulla Steer, FG II 2.3 "Gebietsschutz/Großschutzgebiete"

Weitere Informationen

Logo Chance.Natur
Auf dem Foto ist das Logo von Chance.natur abgebildet
Logo der Riedstiftung
Auf dem Foto ist das Logo der Riedstiftung abgebildet.

Letzte Änderung: 31.05.2017

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